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Bis zu 100 Euro müsste eine Tonne CO2 kosten, schlägt die Kommission vor.

Analyse

Der Preis des Klimawandels

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Ökonomen fordern eine weltweite Abgabe auf den Klimakiller CO2. Das Geld könnte auch armen Ländern zugute kommen.

Im Grundsatz ist es klar: Das Treibhausgas Kohlendioxid (CO2) muss einen Preis bekommen, damit Stromproduzenten, Industrie und Verbraucher die richtigen Investitions- oder Kaufentscheidungen treffen: Solarkraftwerke statt Kohlemeiler, effiziente Energienutzung statt Verschwendung, Monatskarte statt SUV. Eine von Nobelpreisträger Joseph Stiglitz und dem britischen Ökonom Lord Nicholas Stern geführte Kommission hat nun die Einführung von CO2-Preisen von bis 100 Euro pro Tonne gefordert. Diese Höhe sei notwendig, um die im Paris-Abkommen vereinbarten Klimaziele zu erreichen.

Die Idee, CO2 wirksam zu bepreisen, ist nicht neu. Im EU-Emissionshandel, an dem EU-weit Stromwirtschaft und Industrie teilnehmen, wird das seit 2005 versucht. Doch der Preis liegt hier viel zu niedrig, um Investitionsentscheidungen zu steuern, derzeit sind pro Tonne nur rund fünf Euro fällig. Der neue Report der „High-Level-Kommission on Carbon Prices“ nennt nun ganz andere Größenordnungen – und bietet damit ordentlich politischen Zündstoff. Danach müsste bereits 2020 ein Niveau von 40 bis 80 US-Dollar erreicht werden, um den Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur auf „deutlich unter zwei Grad Celsius“ zu begrenzen, wie es im Paris-Vertrag festgelegt ist. Bis 2030 sollten es dann 50 bis 100 US-Dollar sein.

Vorgestellt wurde der Report auf dem „Think 20-Gipfel“, der jetzt in Berlin stattfand. Ausrichter war die Bundesregierung als Gastgeber des G 20-Gipfels im Juni im Hamburg, bei dem die Paris-Umsetzung eines der zentralen Themen sein wird. Der Kommission gehören 13 Klimaökonomen aus aller Welt an. Dass Lord Stern Co-Chef des Gremiums ist, zeigt seine Bedeutung. Der Brite, Professor an der London School of Economics, war Autor des 2006 erschienenen „Stern-Reports“ über die wirtschaftlichen Folgen des Klimawandels, der als Meilenstein in der Debatte gilt.

Stern machte in Berlin deutlich, dass die Zeit drängt, die richtigen ökonomischen Signale zu geben. Er erinnerte daran, dass weltweit viele neue Kraftwerke gebaut werden müssen, um den Energiebedarf der Weltbevölkerung zu decken. Die Infrastruktur werde sich in den nächsten zwei Jahrzehnten verdoppeln. „Passiert das auf Basis der heutigen, sehr dreckigen Technologien, ist das Zwei-Grad-Limit nicht erreichbar“, warnte Stern. Der bereits angestoßene weltweite Trend zu Öko-Energien müsse verstärkt werden. Dass er sich noch einmal umkehren könne, glaubt Stern freilich nicht – selbst für den Fall, dass US-Präsident Trump seine Drohung wahr macht, aus Paris auszusteigen. Die Ökonomen betonten denn auch vor allem die ökonomischen Chancen, die ein intelligenter Klimaschutz eröffne. Stiglitz, Professor an der Columbia University in New York, sagte: „Der Abschied von der fossilen Wirtschaftswelt ist die Wachstumsgeschichte des 21. Jahrhunderts.“

Kommissionsmitglied Ottmar Edenhofer, Chef-Ökonom des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung und Professor an der TU Berlin, betonte: „Indem wir CO2-Emissionen mit einem Preisschild versehen, sagen wir endlich die Wahrheit.“ Ein Teil der Klimafinanzierung könne in Hilfen für die Entwicklungsländer fließen, um die Kosten auszugleichen, die durch höhere CO2 Preise verursacht werden. Die G20 forderte er auf, „hier einen Grundstein zu legen“.

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