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Wie aus einem Science-Ficton-Film: der Superrechner von IBM.

IBM präsentiert Quantencomputer

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Ein neuer Megarechner soll Forschung und Entwicklung revolutionieren. Erste Firmen steigen in die Kooperation ein.

Ein Paukenschlag in der Welt der Computer: IBM-Chefin Ginni Rometty hat auf der Hightech-Messe CES in Las Vegas den ersten kommerziell nutzbaren Quanten-Computer vorgestellt. Es handelt sich um eine rundliche Apparatur, die luftdicht abgeschlossen ist und in einem 2,80 Meter mal 2,80 Meter großen Gehäuse hängt. Der IBM Q System One sei ein Anfang, so die Managerin. Unternehmen und Organisationen hätten nun die Möglichkeit, außerhalb von Laboren auszuprobieren, was man mit dem Mega-Rechner anfangen kann, welche Anwendungen sinnvoll sind. Zwei Partner sind schon gefunden: der Öl- und Energiemulti Exxon-Mobil und das europäische Kernforschungszentrum Cern.

Experimentieren bedeutet aber nicht, dass Informatiker der IBM-Kunden, nun an dem Gerät herumschrauben können. Die haben lediglich über den Clouddienst des US-Computerriesen einen indirekten Zugang. Denn der Quanten-Rechner, der aussieht wie ein Requisit aus einem Science-Fiction-Film, ist ein höchst kapriziöses Ding. In seinem Innern herrschen extrem tiefe Temperaturen. Noch ist er fehleranfällig. Winzige Vibrationen können ihn aus dem Takt bringen, ebenso wie kleinste elektronische Störungen in seinem Umfeld. Die Maschine nutzt zum Rechnen bestimmte Eigenschaften von Elektronen, die auch für viele Physiker schwer nachvollziehbar sind.

Warum der ganze Aufwand? Rometty ist davon überzeugt, dass es rasche Fortschritte geben wird und in einem Zeitraum von zwei bis fünf Jahren kommerzielle Anwendungen kommen werden, die für Unternehmen zusätzlichen Umsatz erzeugen. IBM geht davon aus, dass Quanten-Computer beispielsweise höchst komplexe Modelle zur Analyse von Daten aus der Finanzwelt berechnet werden können. Oder ganz schlicht, dass der Einsatz der Fahrzeugflotten von Lieferdiensten optimiert werden kann. Die Entwicklung neuer Medikamente ist ein weiteres Feld. Quanten-Computer sind für den Einsatz in Forschung und Entwicklung prädestiniert.

Sie können Innovationen massiv beschleunigen, indem klassische Experimente durch Simulationen ersetzt werden. Denn die theoretisch mögliche Performance ist atemberaubend, da die Maschinen Millionen von Berechnungen parallel ausführen können. So muss ein konventioneller Computer beim Durchsuchen einer Datenbank mit 40 000 Einträgen auch 40 000 Arbeitsschritte nacheinander abarbeiten. Der Quantenrechner kann die Zahl der Schritte auf 200 reduzieren.

In der IT-Welt ist ein Wettlauf um die Serienreife der neuen Technik entbrannt. Google ist einer der wichtigsten Konkurrenten für IBM. Es geht letztlich darum, den Computer der Zukunft zu erfinden. Denn die heute eingesetzten Verfahren beruhen letztlich auf dem guten alten Prinzip aus Einsen und Nullen beziehungsweise Strom und Nicht-Strom. Leistungssteigerungen wurden lediglich durch Miniaturisierung der Schaltungen erreicht. Dies wird früher oder später an physikalische Grenzen stoßen. Etwas Neues muss her.

Dass Rometty ausgerechnet jetzt mit IBMs Quanten-Sprung auf die ganz große Bühne tritt, ist natürlich kein Zufall. Sie will damit vor allem klarmachen: Ihr Konzern will wieder ganz vorne dabei sein. Er ist nämlich ziemlich ins Hintertreffen geraten. Der Aktienkurs taumelt von einem Tiefstand zum nächsten. Bei der Umsatzentwicklung fehlt es notorisch an Schwung.

Das Unternehmen, das einst die Computerwelt beherrschte, ist zu spät in das Cloud-Geschäft eingestiegen. Microsoft und Google sind enteilt. Und die Manager von Amazon gehen ohnehin davon aus, dass ihre Rechenzentrumssparte AWS gegenüber allen Rivalen einen Vorsprung von mindestens sieben Jahren hat.

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