+
Fed-Chef Jerome Powell bei der Pressekonferenz zur Senkung des Leitzinses.

Zinsentscheidung

Powell verärgert Trump

  • schließen

Der US-Präsident ist unzufrieden mit der Leitzinssenkung der amerikanischen Notenbank. Sie geht ihm nicht weit genug. Denn Trump benötigt Unterstützung für seine Handelskonflikte.

Der Präsident unzufrieden, die Anleger unbeeindruckt: Was folgt nach der Zinssenkung der US-Notenbank Fed? Eine Debatte über eine weitere Zinssenkung. Davon ist Otmar Lang, Chefvolkswirt der Targobank, überzeugt: US-Präsident Donald Trump werde den politischen Druck auf die Fed aufrechterhalten und noch mehr billigeres Geld fordern.

Fed-Chef Jerome Powell hat indes getan, was ein guter Notenbanker tun muss. Er hatte die Reduzierung der Zinsen um 0,25 Prozentpunkte auf zwei bis 2,25 Prozent frühzeitig angekündigt und dann auch durchgezogen, also Verlässlichkeit demonstriert. Es ist die erste Zinssenkung seit Dezember 2008, als die USA in die Finanzkrise schlitterten.

Viele Akteure am Finanzmarkt hatten gleichwohl auf eine forschere Herangehensweise und verstärkte geldpolitische Lockerungsübungen gewettet, also etwa auf die Ankündigung von zwei bis drei Zinssenkungen in den nächsten Monaten. Powells Zurückhaltung ließ den wichtigen Dow-Jones-Aktienindex noch am Mittwochabend (MESZ) zunächst in die Tiefe rasseln. Doch nachbörslich erholten sich die Kurse schon wieder.

Die Aktienmärkte in Europa starteten zunächst im Minus. Doch der Deutsche Aktienindex notierte am Nachmittag schon wieder zeitweise mit mehr als 0,3 Prozent im Plus. Da war die Enttäuschung über die „zaghafte Zinssenkung“, so Charlotte Heck-Parsch von der Bayerischen Landesbank, schon wieder verflogen. Christian Scherrmann, Volkswirt bei der Vermögensverwaltung DWS, fragte sich denn auch: „Viel Lärm um nichts?“ Das ließe sich bejahen. Wären da nicht die beiden Präsidenten Powell und Trump. Letzterer twitterte unmittelbar nach der Zinsentscheidung los. „Wie üblich hat Powell uns hängen lassen.“ Er fügte hinzu: „Wir gewinnen gleichwohl. Aber ich erhalte sicherlich nicht viel Hilfe von der Notenbank.“

Zitat
„Der Markt wollte von Jay Powell und der Federal Reserve hören, dass dies der Beginn eines langen und aggressiven Zinssenkungszyklus wird, der mit China, der Europäischen Union und anderen Ländern mithält. Wie üblich hat Powell uns hängen lassen. (…) Wir gewinnen gleichwohl, aber ich bekomme sicherlich nicht viel Hilfe von der Federal Reserve.“ Donald Trump, US-Präsident

Wobei Trump offen lässt, wo und was er gewinnen will. Die Handelskriege gegen mehr als die halbe Welt? Oder die Präsidentschaftswahl im nächsten Jahr? Womöglich meint er beides. Trump hatte sich erhofft, dass Powell eine längere Phase mit aggressiven Zinssenkungen ankündigt, die mit China, der EU und anderen Ländern mithalten könnte – in der Eurozone liegen die Leitzinsen bei null Prozent.

Trumps mutmaßliches Kalkül bei seinen Forderungen: Die Aussicht auf viel mehr billiges Geld könnte in den USA Investitionen in größerem Stil anstoßen und damit die Arbeitslosigkeit niedrig halten und den Dollar gegenüber anderen wichtigen Währungen abwerten, was Exporte stimulieren und Importe verteuern würde – von beidem könnten US-Unternehmen profitieren. Das würde Trump mehr Handlungsspielraum in den Handelskonflikten geben, womit er wohl Punkte bei seinen Anhängern sammeln will.

Stattdessen legte am Donnerstag der Dollar gegenüber dem Euro zu und kletterte auf den höchsten Wert seit Mai 2017. Einen Euro gab es schon für 1,1034 Dollar. Ende Juni lag der Kurs noch bei mehr als 1,14 Dollar. Beim Erstarken der US-Währung spielte wohl auch eine Rolle, dass Powell in der Pressekonferenz nach der Zinsentscheidung relativ unverhohlen Trump attackierte und damit demonstrierte, dass er sich nicht unterkriegen lässt.

Die Verringerung des globalen Wachstums rechtfertige eine Zinssenkung, so der Fed-Chef. Hinzu komme, dass die Inflation in den USA unter dem Zielwert von zwei Prozent liege – zuletzt waren es 1,6 Prozent. Doch überproportional großen Raum nahm in seinem Statement der Handelsstreit mit China ein. Der habe sich negativ auf die Konjunktur in den USA ausgewirkt. Die Auseinandersetzungen mit der Volksrepublik hätten zunächst vor sich hin geköchelt. Im Mai und Juni sei es aber fast übergekocht.

Powell räumte ein, dass Notenbanker keine großen Erfahrungen mit Konflikten im globalen Handel hätten. Die Zentralbanken sind mit ihrer Geldpolitik vor allem dafür da, die Inflation auszubalancieren, auch um Abwärtsentwicklungen, die zu den wirtschaftlichen Zyklen gehören, abzufangen. Was jetzt geschehe, sei Learning by doing, sagte Powell. Es gehe um Risiko-Management und um eine Adjustierung der Zinsen in der Mitte eines Zyklus. Im Klartext: Die Suppe, die Trump der Fed eingebrockt hat, lässt sich nicht so einfach auslöffeln. Powell betonte aber auch, dass die Fed weiterhin sämtliche volkswirtschaftlichen Daten und die globalen Entwicklungen genau beobachten werde und fest entschlossen sei, das Wirtschaftswachstum zu stützen. Damit hält sich der oberste Notenbanker der USA viele Türen offen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare