+
Marktforscher gehen davon aus, dass die Zustellung künftig mit intelligenter Software gesteuert wird. Rendezvous zwischen Paketbote und Kunde werden per Smartphone ausgemacht.

Logistik

Post will zuverlässiger liefern

  • schließen

Der gelbe Riese investiert zwei Milliarden Euro in Digitalisierung. Vorstandschef Appel will damit eine „höhere Transparenz“ für die Kunden erreichen.

Die Beschwerden der Bürger haben sich im vergangenen Jahr verdoppelt. Tausende Briefe und Pakete werden verspätet zugestellt. Und hartnäckig hält sich die Mutmaßung, dass Zusteller häufig gar nicht mehr versuchen, Warensendungen beim Empfänger abzuliefern, sondern gleich das Benachrichtigungskärtchen in den Briefkasten werfen.

Doch Abhilfe könnte kommen, wenn man den Ansagen von Postchef Frank Appel glaubt. Er hat am Dienstag den neuen Fünf-Jahres-Plan des gelben Konzerns für die Zeit von 2020 bis 2025 vorgestellt. Ein Posten sind Investitionen von zwei Milliarden Euro jährlich für die Digitalisierung. Appel will eine „höhere Transparenz“ für die Kunden erreichen. Künftig werde erheblich „intensiver interagiert“. Wobei es häufig gar nicht auf die Geschwindigkeit an sich, sondern vielmehr auf die „Prognosegenauigkeit“ bei der Lieferung von Paketen ankomme.

Wie das alles im Detail funktionieren soll, erläuterte Appel nicht. Marktforscher gehen aber davon aus, dass die Zustellung künftig mit intelligenter Software gesteuert wird. Rendezvous zwischen Paketbote und Kunde werden per Smartphone ausgemacht.

Digitalisierung ist ein zentrales Thema für die Deutsche Post DHL Group, wie das Unternehmen offiziell heißt. Künstliche Intelligenz und Datenanalysen werden in den nächsten Jahren die Logistikbranche umkrempeln, da sind sich Branchenkenner einig. Die langen und komplexen Transportketten sollen effizienter organisiert werden, um die „Zufriedenheit der Kunden“ zu steigern, so Appel. Allerdings sind für ihn Kunden vor allem Unternehmen, in deren Auftrag der „größte und globalste Logistikanbieter“ von der Postkarte bis zum Formel-1-Rennwagen so ziemlich alles transportiert, was nicht niet- und nagelfest ist.

E-Commerce soll auch in der Zukunft der Schwerpunkt des Geschäfts bleiben. Und da ist Amazon einer der wichtigsten Partner. Aber der macht zunehmend Druck. Der Online-Riese verfügt nicht nur bei der Digitalisierung über enormes Know-how, er baut auch mit Vehemenz die Zustellung in Eigenregie aus. Unter anderem hat Konzernchef Jeff Bezos gerade die Bestellung von 100.000 Elektro-Lieferwagen angekündigt.

Montags keine Zustellung

Der Kampf um Marktanteile dürfte härter werden, zumal Appel davon ausgeht, dass der E-Commerce künftig merklich langsamer als in der jüngeren Vergangenheit wachsen wird. Im zweiten Quartal hat die Deutsche Post/DHL in Deutschland noch 373 Millionen Pakete abgeliefert. Für die Jahre von 2020 bis 2025 wird nun ein jährliches Marktwachstum von fünf bis sieben Prozent hierzulande erwartet. In dieser Größenordnung will auch Deutsche Post/DHL mindestens zulegen.

Entsprechend soll auch die Belegschaft des gelben Riesen weiter steigen, der mit aktuell rund 157 000 Beschäftigten einer der größten hiesigen Arbeitgeber ist. Allerdings macht Appel auch darauf aufmerksam, dass die Frauen und Männer wegen der Digitalisierung künftig anders und vor allem agiler, also auch flexibler arbeiten werden. Das dürfte auch für die Postboten gelten. Das Unternehmen geht davon aus, dass das Briefgeschäft von 2020 an jährlich um zwei bis drei Prozent schrumpft. Das wäre eine Fortschreibung der aktuellen Entwicklung. Im ersten Halbjahr gingen die Einnahmen um 3,4 Prozent auf 4,7 Milliarden Euro zurück. Das hat einerseits damit zu tun, dass mehr E-Mails verschickt werden. Andererseits nehmen die vielen kleinen Konkurrenten der Post weiter Marktanteile ab.

Setzt sich diese Entwicklung tatsächlich fort, wird das dem Konzern zunehmend zusetzen. Denn er ist zwar im Gegensatz zu seinen Wettbewerbern von der Mehrwertsteuer befreit, hat aber auch die Verpflichtung, eine flächendeckende Infrastruktur mit Briefkästen, Filialen und der Zustellung zu unterhalten. Da bedeutet weniger Aufkommen, dass die Kosten pro Brief steigen. Kein Wunder, dass der Postvorstand sich zunächst über die von der Bundesregierung beschlossene Portoerhöhung gefreut hat, die zum 1. Juli wirksam wurde, und dass er die Pläne des Wirtschaftsministeriums begrüßt, das die Pflicht der Briefzustellung von sechs auf fünf Tage reduzieren will. „Montags nie“ soll künftig das Motto sein, da an diesem Tag das Aufkommen besonders gering ist. Ob es tatsächlich so kommt, ist offen. Bislang gilt lediglich ein Eckpunktepapier für eine Reform des Postgesetzes vor.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare