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Vor wenigen Wochen wurde bereits über eine anstehende Portoerhöhung unter anderem des Standardbriefes von 62 Cent auf 70 Cent spekuliert.

Deutsche Post

Post will Briefporto auf 70 Cent erhöhen

Alle Jahre wieder: Erneut will die Post das Porto für einen Standardbrief anheben. Diesmal von 62 auf 70 Cent erhöhen. Die Bundesnetzagentur signalisiert Zustimmung für die Maßnahme.

Es war nur eine Frage der Zeit, jetzt ist die Katze aus dem Sack: Auf die deutschen Verbraucher rollt im kommenden Jahr abermals eine Portoerhöhung zu, und zwar eine saftige. Lagen die Preisschritte in den vergangenen Jahr bei 2 bis 3 Cent, soll es nach dem Willen des Logistikriesen diesmal ein Plus von 8 Cent auf 70 Cent für den Standardbrief sein. Dies ist ein Anstieg von 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im Vergleich zu 2013, als erstmals nach mehr als 10 Jahren die Portopreise angehoben wurden, ist es sogar ein Plus von 27 Prozent.
Die Bundesnetzagentur als oberste Aufsichtsbehörde über die Postmärkte hatte zuvor mit ihrem Entscheidungsentwurf die Vorgaben für die Preisschritte geliefert. "Wir erhöhen die Planbarkeit der Preismaßnahmen der Deutschen Post", erläutert der Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur. Was war geschehen?

Im April hatte die Bundesregierung die Vorschriften zur Ermittlung der Maßgrößen für die Preisfestsetzung angepasst - in der sogenannten Post-Entgeltregulierungsverordnung. Dem Unternehmen solle eine höhere Umsatzrendite zugestanden werden, hieß es zur Begründung. So sehen die neuen Regeln vor, bei der Ermittlung des Gewinnzuschlags nicht nur die eigenen Kosten, sondern auch die Gewinne von vergleichbaren Unternehmen in Europa heranzuziehen.

Diesen Rahmen legte die Bundesnetzagentur jetzt fest und ermittelte für die kommenden drei Jahre einen Produktivitätsrückstand von 5,8 Prozent. Einschließlich Inflationsrate ergibt sich daraus ein Preiserhöhungsspielraum von mehr als 7 Prozent. Diese veränderten Maßgrößen hätten zum Ziel, der Post finanzielle Mittel an die Hand zu geben, um auf die wirtschaftlichen Herausforderung der Digitalisierung und der damit verbundenen zunehmenden Auslastungsrisiken bei der Briefpost reagieren zu können, heißt es bei den Bonner Postaufsehern.

Tatsächlich steht die Post seit einigen Jahren in der klassischen Briefsparte wegen eines rückläufigen Sendungsvolumens unter Druck. Immer mehr Menschen kommunizieren elektronisch über E-Mail, SMS und andere Messenger-Dienste. Gleichzeitig laufen ihr die Kosten davon. Doch die lassen sich nicht so einfach drücken - der vergangenen Poststreik hatte das gezeigt. Nun bekommen die Bonner durch einen größeren Preisschritt beim Porto etwas Luft.

Darüber sind die Postkonkurrenten allerdings empört: Der Chef des Bundesverbandes Paket und Expresslogistik, Florian Gerster, spricht von der "Ausbeutung eines Monopol zu Lasten der Briefkunden". Die vorgesehen Portoanhebung sei ein "Anschlag auf den Wettbewerb", schimpft er. Der Verband vertritt die Interessenten zahlreicher mit der Post im Wettbewerb stehenden Paketdienstleister, wie Hermes, DPD, GLS und UPS. Er befürchtet, dass die Post die zusätzlich erwirtschafteten Gelder vor allem zur Ausweitung des Marktanteils der Konzerntochter DHL im eCommerce-Geschäft einsetzen werde.

Auch nach viermaligen Anhebungen in Folge sieht sich die Post aber keineswegs als Preistreiber. Ganz im Gegenteil: Selbst nach der geplanten Anpassung auf 70 Cent läge der Preis für den Standardbrief in Deutschland immer noch im Mittelfeld, verglichen mit anderen europäischen Ländern. Danach kostet es in Italien 80 Cent, einen Brief zu verschicken.

Noch sind die geplanten Erhöhungen nicht endgültig unter Dach und Fach. Die Bundesnetzagentur wird bis Ende November endgültig über ihren Entwurf entscheiden. Dann wird die Post ihren Preisantrag einreichen. Für Mitte Dezember rechnen die Post dann mit grünes Licht von der Aufsichtsbehörde. Und für die Verbraucher bleibt ein Trostpflaster: Drei Jahre lang gibt es dann keine Erhöhung des Portos mehr. (dpa)

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