+
Das Briefgeschäft rentiert wieder deutlich besser.

Briefe

Post erhöht erst das Porto, dann den Gewinn

  • schließen

Der Bonner Konzern erwartet in diesem Jahr mehr Gewinn. Das hat viel mit dem höheren Briefporto zu tun. Beim Service hapert es aber.

Die teilstaatliche Deutsche Post hat es am Dienstag den anderen Unternehmen im Deutschen Aktienindex (Dax) gezeigt. Mit einem Plus von mehr als 5,3 Prozent bis zum Nachmittag ließ die Aktie des gelben Riesen die anderen Firmen weit hinter sich. Den Applaus der Börsianer gab es für die Erhöhung der Gewinnprognose in diesem Jahr. Das hat viel mit dem höheren Briefporto zu tun, das die Bundesregierung gewährt hat. Zugleich aber mehren sich die Beschwerden über den Service des Konzerns.

Die Bundesnetzagentur teilte als zuständige Aufsichtsbehörde mit, dass von Anfang Januar bis Ende Juni Verbraucher sich 9560 Mal über verspätete Pakete, falsch zugestellte Briefe und lange Wartezeiten in Filialen beklagten. Das ist ein Anstieg von 43 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Wobei schon seinerzeit ein massives Plus verzeichnet wurde. Und Kenner gehen davon aus, dass die Dunkelziffer noch erheblich höher ist. Die Zahlen beziehen sich zwar auf die gesamte Post- und Paketbranche. Da die Deutsche Post aber mit großem Abstand Marktführer ist, betrifft es insbesondere den Konzern, der noch zu gut einem Fünftel in staatlicher Hand ist.

Dass diese Zahlen just an dem Tag publik werden, an dem der Konzern seinen Zwischenbericht für das erste Halbjahr vorlegt, lässt sich auch als Mahnung an das Management lesen, nun auch für den Service etwas zu tun. Quasi als Gegenleistung dafür, dass die Bundesregierung der Post eine üppige Portoerhöhung gewährt hat. So verteuerte sich der Standardbrief am 1. Juli um zehn Cent auf 80 Cent.

An dem aktuellen Zahlenwerk lässt sich gut ablesen, wie sich die finanzielle Lage in nächster Zeit verbessern soll. Im heimischen Post- und Paketgeschäft ging der Gewinn aus der betrieblichen Tätigkeit im Halbjahr zwar um gut ein Fünftel auf 404 Millionen Euro zurück – Hauptursache waren höhere Personalkosten. Aber: Der Vorstand hat sein Gewinnziel für das Gesamtjahr nun auf mindestens 1,1 Milliarden Euro erhöht. Im zweiten Halbjahr sollen also 600 Millionen oder mehr verdient werden. Vor allem dank der Portoerhöhung, ist dem Geschäftsbericht zu entnehmen.

Und im nächsten Jahr soll es sogar noch einen weiteren Profitschub geben: auf mehr als 1,6 Milliarden Euro. Maßgeblicher Treiber: höhere Umsätze ebenfalls dank des Porto-Aufschlages. Ferner strebt das Management an, die Kosten für die Verwaltung zu senken und die Produktivität zu erhöhen. Unter anderem ist geplant, dass die klassischen Briefträger verstärkt auch kleinere Pakete ausliefern. Mit all dem will man steigende Personalkosten mehr als ausgleichen. Schließlich muss der Konzern hierzulande 5000 Frauen und Männer für die Zustellung zusätzlich einstellen. Das war eine Bedingung für die Portoerhöhung.

Die Portoerhöhung wurde von den Oppositionsparteien im Bundestag und von den Post-Konkurrenten kritisiert. Die wettbewerbliche Schieflage hierzulande werde sich verschärfen, warnte etwa der Bundesverband Paket & Expresslogistik. Die Organisation befürchtet, dass die Post mit den höheren Portoeinnahmen noch stärker als bisher die expandierende Paketsparte mit Quersubventionierungen zulasten der Wettbewerber stärken kann. Hier ist der Ex-Monopolist nach wie vor Marktführer mit deutlichem Abstand. Das gilt im noch viel stärkeren Maß im Briefgeschäft.

Und da könnte es für die Post künftig noch günstigere Bedingungen geben, die in den aktuellen Plänen des Vorstands noch gar nicht berücksichtigt sind. Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hat vorgeschlagen, die Pflicht zur Zustellung von Briefen von sechs auf fünf Tage pro Woche zu reduzieren. Das würde die Aufwendungen massiv senken.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare