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Briefträger übernehmen in den Modellprojekten der Deutschen Post ganz neue Aufgaben.

Briefträger

Post blitzt mit Angebot ab

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Briefträger sollen hilfsbedürftigen Menschen helfen, doch es gibt keine Interessenten.

Der geplante Einsatz von Briefträgern als Altenkümmerer in Bremen scheint ein Flop zu werden: Ein halbes Jahr nach dem Start des Modellversuchs „Post persönlich“ hat sich nach Angaben des Bremer Senats noch kein Kunde bei dem kostenpflichtigen Service angemeldet. 

Die Deutsche Post hatte im Frühjahr angekündigt, dass 25  Briefträger im gutbürgerlichen Stadtteil Bremen-Schwachhausen künftig regelmäßig bei Senioren beziehungsweise hilfsbedürftigen Menschen klingeln sollten, um sich an der Haustür nach ihrem Wohlbefinden zu erkundigen. Falls die Besuchten Hilfe bräuchten oder gar nicht erst zur Tür kämen, sollten die Postboten den Johanniter-Hausnotruf alarmieren, der sich um alles Weitere zu kümmern hätte.
Das Angebot richtete sich zunächst an rund 350 Menschen, die sich bereits dem Hausnotruf der Johanniter angeschlossen hatten. Doch gab es darauf „keine Resonanz“, wie der Bremer Senat jetzt auf Fragen der CDU-Bürgerschaftsfraktion mitteilte. 

Ein Grund für das mangelnde Interesse sind laut Senatsantwort die Gebühren: Zusätzlich zum Hausnotruf, der nach Senatsangaben 49 Euro pro Monat kostet, wären für den Briefträger-Besuchsdienst monatlich weitere neun bis 15 Euro fällig – je nachdem, ob die Postboten nur jeden zweiten Tag oder täglich außer sonntags an der Haustür klingeln.

Die Hausbesuche sollten Teil eines Modellprojekts namens „Herbsthelfer“ sein, das von der Hansestadt Bremen und neun anderen Institutionen getragen wird, um älteren Menschen das Leben zu erleichtern. Dazu zählt auch ein Bargeldservice: Kunden der Sparkasse Bremen können bei dem Kreditinstitut per Telefon bis zu 500 Euro von ihrem Konto abheben und sich das Geld in neutralen Briefumschlägen zustellen lassen. Dafür müssen sie pro Auftrag 9,50 Euro „Servicepauschale“ zahlen. Laut Senatsantwort wird dieses Angebot „bisher nur selten in Anspruch genommen“. 

Eine Sprecherin der Deutschen Post bestätigte gegenüber unserer Zeitung, dass die Nachfrage nach den neuen Postdienstleistungen „in der Tat noch sehr gering“ sei. Für ein Fazit sei es aber noch zu früh. Deshalb wolle die Post das Projekt wie geplant bis Mitte 2019 fortführen und dann über Ende oder Fortsetzung entscheiden. 

Für die Briefträgerbesuche läuft inzwischen eine weitere Werbeaktion: Die Post hat jetzt Schreiben an 10.000 Haushalte in Bremen-Schwachhausen verschickt, um neben den noch nicht überzeugten Hausnotruf-Kunden „insbesondere auch Angehörige zu erreichen“, wie der Senat weiter schreibt.

Mehr Erfolg hatte ein anderer Teil des Projekts „Herbsthelfer“: In ausgewählten Stadtteilen klingelten Postboten an jeder Haustür und überreichten eine Werbepostkarte, mit der vier Wohlfahrtsverbände neue ehrenamtliche Nachbarschaftshelfer gewinnen möchten. Daraufhin bekundeten fast hundert Personen ihr Interesse an dieser Tätigkeit.

Besonders erfolgreich läuft ein neuer Formularservice der Hansestadt Bremen: „Mobil eingeschränkte Menschen“ können sich über eine zentrale Behörden-Telefonnummer amtliche Formulare bestellen und per Post zuschicken lassen. Seit Juli haben bereits rund 500 Personen dieses Angebot genutzt, heißt es in der Senatsantwort. Die Deutsche Post begründet ihre Beteiligung an dem Bremer Modellversuch damit, dass sie neue Dienstleistungen testen möchte, nachdem die Zahl der auszuliefernden Briefe zurückgegangen ist. Neues Personal wird für die zusätzlichen Aufgaben nicht eingestellt. 

Bis Ende November fährt die Post noch einen weiteren Modellversuch mit dem Namen „Meine Landpost“. In vier Gemeinden in Bayern und Baden-Württemberg liefern Postmitarbeiter neben Bargeld und Briefmarken auf Wunsch von montags bis samstags auch Lebensmittel. Lieferkosten fallen für die Kunden nicht an, das Preisniveau entspräche denen anderer Supermärkte, betont die Post. 

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