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Ein DHL-Zusteller muss Pakete bis 31,5 Kilogramm transportieren.

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Posse um verweigertes Paket

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Warum ein Mann Hundefutter bestellt, eine DHL-Botin die Sendung nicht herausrückt – und dem Kunden nun Diebstahl vorgeworfen wird.

Einfach, zuverlässig, günstig. So wirbt die DHL für ihren Paketversand. Für Klaus M. aus Hohen Gatow südwestlich von Berlin klingt der Slogan wie blanker Hohn. Das Unternehmen der Deutschen Post hat ihn wegen Diebstahls angezeigt. Der 61-Jährige soll sein eigenes Paket aus dem Laderaum eines Zuliefererwagens gestohlen haben – obwohl die anwesende Paketzustellerin genau wusste, dass er der rechtmäßige Empfänger ist.

Im Februar bestellt sich M. beim Onlinehändler seines Vertrauens einen Vorrat an Hundefutter, für seinen Jagdhund Artu. Wie es M. eben immer schon macht. „Eine Großbestellung ist preiswerter. Außerdem ist es ja auch bequemer, sich die Dosen nach Hause liefern zu lassen“, sagt er. Dafür bietet sich ja schließlich auch die DHL an.

Doch am 26. Februar läuft alles anders als gehabt. M. fährt die Straße zu seinem Wohnhaus vor, da sieht er den DHL-Wagen gerade wieder wegfahren, erzählt er. Statt das Hundefutterpaket auf seiner Mülltonne hinter dem Grundstückszaun – die er wie üblich als Ablageort für den Fall seiner Abwesenheit angegeben hatte – findet er einen Zettel im Briefkasten mit der Sendungsbenachrichtigung: „Paket war zu schwer für Ablageort.“

Komisch, denkt sich M., bislang war das doch nie ein Problem. Sei’s drum, der DHL-Wagen hat ja zum Glück ein paar Meter weiter nochmals angehalten. M. eilt hin, klopft an der Scheibe, es öffnet ihm eine bis dato unbekannte Zustellerin, nicht der sonst in der Gegend eingesetzte Fahrer, dem M. auch mal gerne ein Trinkgeld zusteckt, wie er sagt. Nettigkeit ist mit der neuen DHL-Kraft aber nicht. Sie erklärt M. lediglich, was er von dem Zettel in seiner Hand schon weiß: Das Paket sei zu schwer. „Für die Dame, nicht die Mülltonne“, lacht M. auf Nachfrage, um allen Missverständnissen vorzubeugen.

„Einmaliger Ausrutscher“

Dabei wog die Hundefuttersendung „nur“ 16 Kilogramm, und DHL-Zusteller müssen Pakete bis 31,5 Kilogramm transportieren, sagt ein DHL-Sprecher auf FR-Anfrage. „Eine gewisse körperliche Fitness müssen unsere Boten also schon haben.“

Demgegenüber nennt M. die Nicht-Zustellerin seines Hundefutters eine glasklare Fehlbesetzung, „schwächlich und unfreundlich“, denn auf M.s Hinweis, ein 16-Kilo-Paket sei doch wohl zu stemmen, habe die Zustellerin brüsk erwidert: „Ich diskutiere nicht mit Ihnen.“

Doch dann, räumt M. ein, wird auch er pampig, als er im Laderaum sein Paket entdeckt: aufgerissen, die Dosen verbeult, obendrein sagt die Fahrerin, ihr sei das Paketband gerissen. Seine Sendung hat sie ihm darauf auch nicht quittieren wollen. Er nimmt das Paket trotzdem, die Zustellerin droht mit der Polizei – die kurz darauf tatsächlich vor M.s Haustür steht. Der Schlichtungsversuch mit den Beamten scheitert, die Paketbotin stellt eine Anzeige wegen Diebstahls.

Anfang März schreibt ihm die Polizei: „Sie werden beschuldigt, folgende Straftat begangen zu haben: Tatvorwurf Diebstahl an/aus Kfz.“ Hat der 61-Jährige also tatsächlich sein eigenes Paket geklaut, für dessen Inhalt und Zustellung er schon bezahlt hatte? Juristisch könnte tatsächlich der sogenannte „Eigentumsvorbehalt“ gelten, da die Zustellerin eben nicht quittierte und sich das Paket rechtlich noch im Besitz des Lieferanten befand, als M. es an sich nahm.

Noch vor dem Polizeischreiben antwortet die DHL auf M.s Beschwerde. „Natürlich ist uns die freundliche und kompetente Betreuung unserer Kunden wichtig“, heißt es darin. Man bitte um Entschuldigung, es müsse sich um „einen einmaligen ‚Ausrutscher’“ handeln.

Derweil muss der Staatsanwalt entscheiden, ob er die Sache weiterverfolgen wird oder nicht. Selbst wenn die DHL den Strafantrag zurückziehen sollte, ist Diebstahl ein Offizialdelikt, das auch ohne Antrag verfolgt werden kann, sofern die Staatsanwaltschaft das besondere öffentliche Interesse an der Strafverfolgung bejaht.

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