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Porsches Weg zur Börse ist frei

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Von: Stefan Winter

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Bei Porsche in Stuttgart wird künftig für die Straße und für das Börsenparkett geschraubt. afp
Bei Porsche in Stuttgart wird künftig für die Straße und für das Börsenparkett geschraubt. afp © afp

Der Mutterkonzern Volkswagen trennt sich von einem Viertel des Kapitals seiner Luxusmarke.

In knapp zwei Wochen ist es so weit: Am Donnerstag, 29. September, wird erstmals die Aktie der Porsche AG an der Börse gehandelt. Die Vorstellungsrunde bei großen Investoren hat einen Unternehmenswert zwischen 70 und 75 Milliarden Euro ergeben, und entsprechend wurde am Wochenende die Preisspanne festgelegt: Für 76,50 bis 82,50 Euro pro Stück sind die Aktien von diesem Dienstag an im Angebot. Inspiriert vom legendären Porsche 911 wurde das Kapital in 911 Millionen Aktien eingeteilt. Aber nur ein geringer Teil davon kommt tatsächlich an die Börse.

Als vor Monaten spekuliert wurde, dass der VW-Konzern seine Luxusmarke an die Börse bringen könnte, rechneten Analysten zum Teil mit einer Bewertung jenseits von 100 Milliarden Euro. Das hatte sich allerdings schon bei der offiziellen Ankündigung im Februar erledigt: VW gab den Plan am Tag des russischen Angriffs auf die Ukraine bekannt. Inzwischen haben sich zudem die wirtschaftlichen Aussichten massiv verschlechtert, am Finanzmarkt herrscht große Unsicherheit. So liegt das jetzt erzielte Ergebnis im Rahmen der Erwartungen.

VW trennt sich nun von einem Viertel des Porsche-Kapitals. Davon geht die eine Hälfte ohne Umweg über die Börse direkt an die Porsche Automobil Holding SE (PSE), die von den Familien Porsche und Piech kontrolliert wird. Sie bekommen auch als einzige Anleger Aktien mit Stimmrecht, für die sie einen vergleichsweise bescheidenen Zuschlag von 7,5 Prozent zahlen. Zudem bekommen sie 25 Prozent plus eine Aktie mit Stimmrecht – eine Sperrminorität, mit der sie künftig Entscheidungen bei der Porsche AG blockieren können.

Für die Börse sind Vorzugsaktien ohne Stimmrecht reserviert. Knapp 114 Millionen dieser Papiere wird VW an den Markt bringen. Über den genauen Preis entscheiden die Gebote innerhalb der vorgegebenen Spanne, vom 29. September an geschieht das dann im täglichen Börsenhandel.

So wird VW insgesamt rund 19 Milliarden Euro in die Kasse bekommen, je etwa zur Hälfte von der Porsche SE und den Aktienkäufern an der Börse. Knapp die Hälfte dieses Geldes wird allerdings als Sonderdividende an die VW-Aktionäre weitergereicht. Deren größter ist wiederum die Familienholding PSE, die auf diesem Weg einen Teil ihrer Aktienkäufe finanziert. Das Land Niedersachsen, als zweitgrößter VW-Aktionär, bekommt rund eine Milliarde Euro. Außerdem fließt ein dreistelliger Millionenbetrag in Prämien für die VW-Mitarbeitenden in Deutschland.

Volkswagen wird brutto also gut neun Milliarden Euro einnehmen. Das Geld soll in die weitere Transformation des Konzerns und vor allem der deutschen Werke gesteckt werden. Mit der Umstellung auf Elektroantrieb, der Entwicklung eigener Software und dem Aufbau neuer Dienstleistungsgeschäfte hat der Konzern mehrere Großprojekte, die hohe Investitionen verschlingen. Gemessen daran sind die neun Milliarden allerdings nur ein mittlerer Betrag: Knapp das Doppelte investiert der Konzern jedes Jahr allein in E-Mobilität und Digitalisierung.

Die Porsche AG selbst wird bei dem Börsengang keine Einnahmen haben. Als einer der profitabelsten Autohersteller der Welt braucht sie die aber auch nicht dringend. Die Luxusmarke will in erster Linie mehr Selbstständigkeit gewinnen. Seit Porsches nur halb gelungenem Übernahmeversuch bei VW ist der Sportwagenhersteller nur noch eine von einem Dutzend Konzernmarken – und achtete schon bisher sehr auf ihre Eigenständigkeit. Mit weiteren Eigentümern neben VW wird schon aus formalen Gründen die Selbstständigkeit wachsen. „Wir streben nach unternehmerischer Unabhängigkeit“, sagte Porsche-Chef Oliver Blume. Dass man trotzdem eng verbunden bleibt, soll er nun selbst sicherstellen: Neuerdings führt Blume parallel auch den VW-Konzern.

Außerdem gehören zu diesen Eigentümern künftig auch die Familien Porsche und Piech mit ihrer Holding Porsche SE, die künftig nicht nur über den VW-Umweg, sondern auch direkt mitreden können. Außerdem wird ihr Vermögen erheblich wachsen, denn in der Selbstständigkeit ist Porsche mehr wert als bisher unter dem Dach des VW-Konzerns.

Diesen Effekt hatte der damalige Konzernchef Herbert Diess auch für VW selbst vorausgesagt: Mit dem Börsengang werde der wahre Porsche-Wert sichtbar und damit auch VWs weiter bestehende 75-Prozent-Beteiligung wertvoller. Bisher ist am Kurs der VW-Aktie allerdings kein nachhaltiger Porsche-Effekt zu erkennen.

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