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Porsche vor dem Richter

  • Frank-Thomas Wenzel
    vonFrank-Thomas Wenzel
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Prozessauftakt gegen Porsche: Investoren fordern Entschädigung für den geplatzten VW-Deal. Hat der Autobauer gezielt falsche Informationen gestreut?

Es war einer der spektakulärsten Übernahmeversuche in der deutschen Wirtschaftsgeschichte – und er scheiterte grandios. Seit Montag ist nun das Stuttgarter Landgericht damit beschäftigt, die Scherben zusammenzukehren. Doch die Richter konnten den 24 Hedgefonds, die vom Autobauer Porsche wegen der gescheiterten VW-Übernahme Schadenersatz fordern, wenig Hoffnung machen. Die Richter haben massive Zweifel an der Argumentation der Kläger.

Der Stuttgarter Autobauer hatte 2008 zunächst per Pressemitteilung bestritten, einen Anteil von 75 Prozent an dem Wolfsburger Konzern anzustreben – um genau dies aber Monate später anzukündigen. Die Frage sei, ob Pressemitteilungen überhaupt als „haftungsbegründende Handlung“ heranzuziehen seien, sagte die Vorsitzende Richterin Carola Wittig. Wie es konkret in dem Verfahren weitergeht, war zunächst unklar. Die Hedgefonds verlangen 1,36 Milliarden Euro Schadenersatz.

Der Prozess in Stuttgart ist nur einer aus einer Reihe von Verfahren gegen die Dachgesellschaft Porsche SE. Immer geht es im Kern um die Ereignisse zwischen März und Oktober 2008. Finanzchef Holger Härter hatte seinerzeit mittels eines Geflechts von raffinierten Geschäften mit Aktienoptionen langsam aber sicher den Anteil des Sportwagenherstellers an dem viel größeren Volkswagen-Konzern erhöht. Im Frühjahr 2008 kursierten Spekulationen, dass Porsche das bis dahin Undenkbare umsetzen wollte: die Übernahme des Giganten aus Wolfsburg. Dahinter wiederum steckte eine seit Jahren verfolgte Strategie der Familienclans Porsche und Piëch. Die Nachfahren des Firmengründers Ferdinand Porsche wollten das kleine, aber hochprofitable schwäbische Unternehmen mit VW zusammenführen, um damit langfristig die Zukunft des Sportwagenbauers zu sichern. Als treibende Kraft im Hintergrund gilt Ferdinand Piëch, der einerseits Porsche-Großaktionär ist und andererseits auf dem Posten des Aufsichtsratsvorsitzenden von VW sitzt.

Im März 2008 dementierte Porsche per Pressemitteilung, dass man anstrebe, die Kontrolle über VW zu übernehmen. Gleichwohl hortete Härter immer mehr Volkswagen-Aktien. Gleichzeitig ging der Kurs des VW-Papiers immer weiter in die Höhe. Die Optionsgeschäfte gingen nach Einschätzung von Bankern auch deshalb auf, weil eine Übernahmeabsicht sehr lange bestritten wurde. Das war der wesentliche Grund dafür, dass Hedgefonds und andere Investoren, den Höhenflug des VW-Papiers als eine Spekulationsblase bewerteten, die früher oder später platzen würde.

Deshalb wetteten sie auf sinkende VW-Kurse. Im Herbst 2008 erklärte Porsche aber dann doch, dass das Unternehmen anstrebe, 75 Prozent der stimmberechtigten VW-Stammaktien zu erwerben. Der Kurs des VW-Papiers schoss in ungeahnte Höhen. Die Wetten der Investoren gingen nicht auf. Sie machten vielmehr Milliardenverluste.

Es wird Jahre dauern

Der Vorwurf von Hedgefonds und anderen geprellten Anlegern lautet nun, dass das Porsche-Management und der Aufsichtsrat von vorneherein die Übernahme geplant hatten. Dies würde bedeuten, dass die Öffentlichkeit im Frühjahr gezielt falsch informiert wurde, um die Akteure am Kapitalmarkt zu täuschen. Es wird nicht einfach, dies nachzuweisen. Porsche jedenfalls bestreitet diese Vorwürfe: Man bekräftige, „dass alle Pressemitteilungen der Gesellschaft im streitgegenständlichen Zeitraum der Wahrheit entsprachen.“ Also müsste es zwischen Frühjahr und Herbst 2008 in puncto VW-Beteiligung einen grundlegenden Meinungswandel in der Führungsetage von Porsche gegeben haben.

Völlig offen ist, wie die verschiedenen Verfahren ausgehen, zumal sie sich wechselseitig beeinflussen. Klar ist aber schon jetzt, dass es noch Jahre dauert, bis die juristische Aufarbeitung des vielleicht komplexesten Unternehmensdeals in der Geschichte abgeschlossen ist. In Zivilklagen wird in der Regel ein Vergleich angestrebt. Doch auch dies würde die Porsche SE wohl Milliarden Euro kosten. Deshalb gilt eine Einigung als höchst unwahrscheinlich. Die Porsche SE hat nach eigenen Angaben auch kein Geld für mögliche Schadenersatzforderungen auf die hohe Kante gelegt. Allerdings verfügt das Unternehmen über Liquiditätsreserven von 2,6 Milliarden Euro.

Die weiteren Schauplätze für Verfahren gegen die Porsche SE sind Braunschweig, Hannover, Frankfurt, New York und London. Investoren fordern in Zivilverfahren insgesamt Schadenersatz in Höhe von 5,7 Milliarden Euro. Außerdem ist in Stuttgart ein Strafverfahren anhängig, das sich gegen Härter und Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking richtet. Die umstrittenen Deals brachten Porsche an den Rand des Ruins. Just VW musste den Stuttgartern zur Hilfe kommen.

Der Porsche-Piech-Clan hat indes sein Ziel erreicht. Der Sportwagenbauer ist heute eine von zwölf Marken der VW-Konzern. Zugleich kontrolliert die Familie die Porsche SE und die hält die Mehrheit der VW-Stammaktien.

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