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Porsche feiert Börsengang

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Von: Rolf Obertreis

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So sieht Begeisterung aus: Porsche-Chef Oliver Blume (r.) und Finanzvorstand Lutz Meschke läuten gemeinsam die Börsenglocke.
So sieht Begeisterung aus: Porsche-Chef Oliver Blume (r.) und Finanzvorstand Lutz Meschke läuten gemeinsam die Börsenglocke. © Daniel Roland/afp

Die Begeisterung auf dem Frankfurter Parkett ist enorm, es ist der größte Börsengang in Deutschland seit 1996. Die Aktie des Autobauers startet solide.

Diesmal ist Porsche-Chef Oliver Blume zu langsam. Mitten in seine Rede zur Erstnotierung der Aktie des Stuttgarter Sportwagenbauers platzt Serhat Gündogan um 9.15 Uhr an diesem Donnerstag im altehrwürdigen Handelssaal der Frankfurter Börse dazwischen. „Erster Preis der Porsche-Aktie 84 Euro“, ruft der Händler der Baader Bank. 1,50 Euro über dem Emissionspreis von 82,50 Euro.

Die Kurve des Deutschen Aktienindex Dax zeigt derweil nach unten, durchbricht wieder die Marke von 12 000. Egal. Alle schauen nur auf Porsche. Applaus und Jubel. Blume springt ein paar Schritte nach links. Auf einem Podest steht die große, schwere Börsenglocke. Zusammen mit Finanzchef Lutz Meschke greift er zu und schwingt die Glocke. Mehrere Minuten hallt das Läuten durch den Saal. Die Manager lachen. Unzählige Fernsehkameras und Dutzende von Fotoapparaten sind auf sie gerichtet. Die Börse berichtet live. Dann kommt der gesamte Porsche-Vorstand auf das Podium, darunter mit Barbara Frenkel immerhin auch eine Frau. Alle umarmen sich nacheinander freudestrahlend.

Solch einen Auflauf hat die Börse lange nicht mehr gesehen. Es ist der größte Börsengang in Deutschland seit 25 Jahren, seit dem Börsengang der Telekom 1996. Und der größte weltweit im dritten Quartal, der zweitgrößte im bisherigen Jahresverlauf.

Draußen auf dem Börsenvorplatz herrscht schon seit kurz nach sieben an diesem Morgen fast Partystimmung. Gleich acht Wagen – vom rund geformten silberfarbenen Oldtimer Porsche 1500 über Porsche Carrera, einen aktuellen 911er bis zu einem Cayenne – haben die Stuttgarter vorfahren lassen. Drinnen prangt über der großen Dax-Tafel ein riesiges Poster mit sechs bunten von oben fotografierten Porsche-Modellen. „Driven by Dreams“ steht in großen Buchstaben auf weiteren Plakaten links und rechts. Auch die weißen, runden Maklerschranken sind geziert mit dem Spruch vom Traum und dem Logo des Autoherstellers.

Auf dem vor allem mit dunklen Anzugträgern gefüllten Parkett werden Häppchen, Kaffee und Sekt gereicht. Die Stimmung ist gut, auch wenn die Aktienkurse seit Wochen auf Talfahrt sind. Smartphones werden gezückt, Selfies vor der Dax-Tafel und dem Porsche-Logo gemacht. Erstnotiz „Dr. ING. H.C.F. Porsche AG VZ.“ steht auf einer weiteren Kurstafel. Fast logisch, dass das Kürzel der Aktie P911 und die Wertpapiernummer auf PAG911 lauten.

Börsenchef Theodor Weimer wartet in seiner kurzen Rede mit einer weiteren Zahl auf. 1945 hätten die Stuttgarter mit dem Bau von Sportwagen begonnen, sagt er. „Genau vor 911 Monaten.“ Ob das so ganz stimmt? Egal an diesem Tag.

Knapp 114 Millionen Porsche-Vorzugsaktien werden platziert. Volkswagen erlöst damit rund 9,4 Milliarden Euro. Die Emission war mehrfach überzeichnet. Vor allem große institutionelle Anleger setzen auf Porsche, ganz vorne Katar, der norwegische Staatsfonds, ein großer US-Vermögensverwalter und Abu Dhabi. Nur knapp acht Prozent der Aktien gehen an Privatanleger:innen.

Weil auch die Porsche Holding SE von VW 25 Prozent plus eine Aktie der Porsche AG für gut zehn Milliarden Euro übernimmt, fließen VW insgesamt 19,5 Milliarden Euro zu. 51 Prozent der Porsche-Aktien bleiben bei VW. Die Porsche AG wird an der Börse mit stolzen rund 75 Milliarden Euro bewertet. Zum Vergleich: Mercedes kommt auf 58, BMW auf 47 Milliarden Euro.

Auch unabhängige Börsenbeobachter:innen begrüßen den Schritt des Stuttgarter Autobauers aufs glatte Börsenparkett. Das sei ein wichtiges Signal in schwierigen Zeiten, sagt Christoph Schalast, Professor an der Frankfurt School of Finance und Experte für Firmenübernahmen und Börsengänge. „Porsche ist eine deutsche Ikone.“ Jetzt könne die Marke noch weiter nach vorne gebracht werden. Allerdings könne es Interessenkonflikte geben, weil Blume – einmalig in der Geschichte deutscher Konzerne – jetzt zugleich an der Spitze von VW und von Porsche steht.

Von einem ganz wichtigen Zeichen in Zeiten von Inflation, Rezessionsängsten und Katerstimmung spricht Oliver Roth vom Bankhaus Oddo, Händler auf dem Frankfurter Börsenparkett. „Wenn dann ein tolles Unternehmen an die Börse kommt, ist das gut und zeigt, dass es immer weitergeht.“ Porsche sei eine außergewöhnliche Firma, ja ein „Juwel“, dass auch mit Blick auf alternative Antriebsarten ein weites Stück vorangekommen sei. Ein Eisbrecher für weitere Börsengänge in diesem Jahr sei das aber nicht, fürchtet nicht nur Roth. Dafür sei das Umfeld zu schlecht. Ihm gefällt nicht nur die Aktie, er outet sich auch als Porsche-Fan. Vor vielen Jahren habe er sich einen Porsche 996 geleistet, lächelt der Börsenhändler.

Oliver Blume setzt unterdessen nach dem Abflauen des Jubels seine kurze Rede fort. Spricht von einem stolzen Tag, dankt den mehr 37 000 Beschäftigten. „Träume zu erfüllen ist unser Anspruch. Aber heute geht für uns selbst ein großer Traum in Erfüllung.“ Und er sagt auch noch, Porsche wolle Luxus mit Nachhaltigkeit und sozialem Engagement verbinden. Was Letzteres heißt, lässt er offen. Man sei Teil der Gesellschaft und wolle helfen, wo Hilfe gebraucht werde, hatte auch Finanzchef Meschke zuvor gesagt. Aber vor allem hofft er weiter auf lukrative Geschäfte. Weltweit gebe es bis 2026 mehr als 100 Millionen sehr vermögende Menschen.

„Porsche geht immer. Ob Auto oder Aktie“, sagt ein Händler. Wer sich keinen Porsche leisten kann, habe jetzt die Aktie als Option. Am frühen Donnerstagnachmittag steht sie bei 83,12 Euro, unter dem ersten Preis am Morgen. Schalast und Roth halten das Papier langfristig für ein gutes Investment, da dahinter große Investoren stünden, die ja kein Geld verlieren wollten, und weil die Story von Porsche stimme. Allerdings sagt Roth auch, dass vielen Menschen für Aktienkäufe derzeit das Geld fehle.

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