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Polnische Tochter ärgert Commerzbank

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Von: Jan Christoph Freybott

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Die Commerzbank-Zentrale in Frankfurt ist nun nachts nicht mehr so gut zu sehen. Die Bank lässt im Hochhaus nur noch die Notbeleuchtung brennen.
Die Commerzbank-Zentrale in Frankfurt. © Arne Dedert/dpa

Die Zinswende und ein rigoroser Sparplan lassen die Geschäfte der Commerzbank florieren. Doch eine Tochterfirma in Polen verhagelt den Frankfurtern die Bilanz.

Trotz des günstigen Zinsumfeldes hat die Commerzbank einen Dämpfer hinnehmen müssen. Das Frankfurter Kreditinstitut verdient zwar infolge der resoluten Sparmaßnahmen auch im dritten Quartal wieder Geld. Allerdings riss die polnische Tochter mBank mit dubiosen Fremdwährungskrediten ein Loch von fast 750 Millionen Euro in die Bilanz der Commerzbank – und ließ den Gewinn folglich einbrechen. Dass unter dem Strich nicht wieder Verluste standen, verdankten die Frankfurter vor allem den gestiegenen Zinsen. Ihre Kundschaft ließ die Commerzbank daran allerdings nur bedingt teilhaben.

Unter dem Strich fuhren die Frankfurter im dritten Quartal einen Konzerngewinn von 195 Millionen Euro ein, wie sie am Mittwoch mitteilten. Im Vorjahreszeitraum lag er mit 403 Millionen noch mehr als doppelt so hoch.

Jahresziel fast erreicht

Dass die Commerzbank schwächer abschnitt, lag vor allem am desolaten Ergebnis der mBank. Sie muss wegen umstrittener Schweizer-Franken-Kredite hunderte Millionen für Rechtsstreitigkeiten zur Seite legen. Hinzu kommen Belastungen wegen gesetzlich geregelter Kredit- und Zinsstundungen in Polen. Insgesamt drückten beide Faktoren mit fast 750 Millionen Euro auf das Ergebnis der Commerzbank. In der Vorstandsetage gab man sich dennoch optimistisch. „Bereinigt um das Polen-Geschäft war das dritte Quartal das beste seit mehr als zehn Jahren“, sagte Finanzvorständin Bettina Orlopp.

Das lag vor allem an den sprudelnden Zinseinnahmen, die wegen der Zinswende um 45 Prozent anzogen. Auch, weil die Commerzbank die Zinsen nur gemächlich an ihre Kund:innen weitergibt. „Rund 35 Prozent der Zinsvorteile haben wir an unsere Kunden weitergegeben“, sagte Orlopp. Anders als „Lockangebote“ der Konkurrenz verfolge die Bank hier einen „vorsichtigen“ Ansatz. Dabei will der Vorstand nach der internen Neuordnung gerade wieder die Kundinnen und Kunden in den Fokus stellen.

Die Commerzbank ist als Kreditgeberin besonders im Mittelstand vertreten. Dass die Energiekrise hier eine Pleitewelle und damit Kreditausfälle im großen Stil anstoßen könnte, glaubt Konzernchef Manfred Knof weiterhin nicht. „Die Stimmung ist schlechter als die Lage“, sagte er. Größere Rückstellungen müsse die Bank nicht vornehmen, solange es nicht wider Erwarten zu einer Gasmangellage komme.

Die Commerzbank profitierte auch von ihrem rigorosen Stellenabbau, den der 2021 als Sanierer angetretene Knof vorantreibt. Die angepeilten 10 000 Stellen seien bereits zum Großteil gestrichen. Auch deshalb sieht sich die Commerzbank auf dem Weg zu ihren mittelfristigen Zielen gut aufgestellt, die sie sogar noch leicht erhöhte. Ihr Jahresziel - ein Gewinn von mehr als einer Milliarde Euro - hat sie nach neun Monaten bereits fast erreicht. Da lag der bei 963 Millionen Euro.

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