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Goldman-Sachs-Chef Lloyd Blankfein könnte vor dem Senat das Lachen vergehen.

USA

Politik knüpft sich Goldman Sachs vor

Chef Blankfein muss vor dem US-Senat Rede und Antwort stehen - offiziell als Zeuge. Eigentlich kommt er aber als Angeklagter. Hat Goldman Sachs die Finanzkrise mit verursacht? Von Felix Wadewitz

Von Felix Wadewitz

New York. Der Wall-Street-Bank Goldman Sachs steht eine heiße Woche bevor. Nach einer Klage der US-Börsenaufsicht SEC wegen Anlegerbetrugs knöpfen sich nun die Politiker in Washington das Institut vor. Vorstandschef Lloyd Blankfein muss heute vor dem Senat antreten.

Ebenfalls in dieser Woche will Präsident Barack Obama mit seiner umstrittene Finanzreform einen wichtigen Schritt weiter kommen. Er will unter anderem dem Investmentbanking Grenzen setzen. Das könnte Goldman Sachs empfindlich treffen.

Goldman Sachs sieht sich zu Unrecht an den Pranger gestellt. "Wir haben sicherlich nicht gegen unsere Kunden gewettet", heißt es in einer Stellungnahme von Bankchef Lloyd Blankfein. Sein Haus habe auch nicht wie vorgeworfen massiv auf fallende Immobilienpreise gesetzt und damit vom Leid der anderen Anleger profitiert. Im Gegenteil: Goldman Sachs habe Geld verloren.

Unter Blankfeins Führung ist Goldman Sachs damit in eine der größten Krisen in seiner Unternehmensgeschichte gerutscht. Offiziell ist der Vorstandschef als Zeuge geladen, tatsächlich kommt er aber als Angeklagter. Kritiker werfen der Wall Street vor, die Finanzkrise mit verursacht zu haben.

Zwar meldet die profitabelste Bank der Wall-Street-Geschichte Quartal für Quartal Rekordergebnisse, doch der beschädigte Ruf und verloren gegangenes Vertrauen bei seinen Kunden könnte den Vorsprung vor Konkurrenten schmelzen lassen. Die Klage wirft Goldman Sachs vor, ein spekulatives Finanzmarktpapier vermarktet zu haben und Anlegern wie der deutschen IKB Bank wichtige Informationen vorenthalten zu haben.

Das eigentliche Anliegen des parlamentarischen Gremiums ist die Untersuchung der Finanzkrise und die Rolle, die Investmentbanken gespielt haben. Der Franzose Fabrice Tourre hat das Hypotheken-Papier Abacus 2007-AC1 an die IKB Bank und andere verkauft.

Der Hedgefonds-Manager wettete auf einen Niedergang des US-Häusermarkts während die deutsche IKB auf einen anhaltenden Boom setzte - gegensätzlicher können Interessen nicht sein. Goldman Sachs bestreitet die Vorwürfe. Das Vorgehen der Bank sei legal und weit verbreitet gewesen. Die IKB Bank und die anderen Anleger seien versierte Investoren gewesen, die gewusst hätten, was sie taten.

Kurz vor der Anhörung sickerten neue Interna aus der Bank durch, für die sich Blankfein heute wird rechtfertigen müssen. E-Mails von Führungskräften sollen belegen, dass die Bank während des Zusammenbruchs des US-Immobilienmarkts viel Geld verdiente. "Wir haben dem Hypothekenchaos nicht aus dem Weg gehen können", schrieb Blankfein an seine Top-Leute im November 2007.

"Wir haben Geld verloren, aber dann haben wir durch Gegenwetten mehr Geld gemacht als wir verloren haben." Das steht aus Sicht von Beobachtern in Widerspruch zu bisherigen Aussagen von Goldman Sachs.

Gegen die Anschuldigen der US-Börsenaufsicht hatte sich die Bank unter anderem mit dem Argument gewehrt, dass die Zusammenarbeit mit dem Spekulanten John Paulson ein Minus-Geschäft gewesen sei. Die Politiker wollen in der Anhörung heute eine Erklärung dazu einfordern.

Ärger droht Goldman Sachs mittlerweile aber nicht mehr nur von Aufsicht und Politik, selbst eigene Aktionäre wenden sich gegen die Bank. In mehreren Klagen werfen Anteilseigner der Führungsriege von Goldman Sachs eine systematische Verletzung von Aufsichtspflichten vor. Nach Ansicht von Rechtsexperten drohen in den USA reihenweise Sammelklagen.

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