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Ökologie

Politik der Gärten

  • Christa Müller
    vonChrista Müller
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Urban Gardening schafft Freiräume

Bepflanzte Einkaufswagen unter Reklametafeln, lächelnde Menschen im Business-Outfit beim Ernten: Die Werbeindustrie hat die urbanen Gärten längst entdeckt. Die Frage, wie sich die nicht-kommerziellen Projekte vor der visuellen Vereinnahmung schützen können, wird dieses Wochenende beim bundesweiten Sommercamp der urbanen Gemeinschaftsgärten in München diskutiert.

Während die junge Urban-Gardening-Bewegung hierzulande noch um ein kollektives Selbstverständnis ringt, sind die mehr als 600 Community Gardens in New York längst eine Plattform für die Politisierung urbaner Selbstorganisation. Dabei geht es in den USA nicht nur um den täglichen Kampf gegen Hunger in den Städten – sondern auch um eine Ausweitung der Möglichkeitsräume von benachteiligten Menschen.

Die 2009 gegründete Organisation „Black Farmers and Urban Gardeners“ verknüpft die aktuelle Debatte um Polizeigewalt gegen Schwarze, bekannt unter der Losung „Black lives matter“, mit Stadtökologie und Subsistenz. Urban Gardening fungiert als Plattform für Empowerment, kollektive Selbstversorgung wird neu gerahmt und konterkariert frühere Erzählungen, die landwirtschaftliche Arbeit mit Unfreiheit und Ausbeutung verbanden. Sie soll ein Gefühl von Stärke in den aktuellen Auseinandersetzungen um den nach wie vor grassierenden Rassismus vermitteln.

Was an diesem Diskurs verblüfft: Dass ausgerechnet die mit Machtlosigkeit assoziierte Selbstversorgung zum Ausgangspunkt für Ermächtigung genommen wird. Die diesjährige US-Urban-Growers-Konferenz in Harlem ruft die schwarzen Communitys dazu auf, Verantwortung für Ernährungsthemen zu übernehmen und dadurch Handlungsmacht zu erlangen. Der Kommentar einer Gärtnerin auf der Tagungswebsite zeigt, wie stark Urban Gardening identitätspolitisch aufgeladen ist: „Wir müssen uns gegenseitig unterstützen. Wenn die Leute merken, dass wir nicht mehr von ihnen abhängig sind, zeigen sie mehr Respekt. Wie oft haben wir dies unsere Mütter und Großmütter sagen gehört. Seid stolz auf euer schwarzes Leben! Weil schwarze Leben zählen!“

Die Kraft, die die Leute aus den Gärten ziehen, beeindruckt. Und dennoch: Es gilt eine sozialpolitische Lage zu verteidigen, in der urbane Gärten experimentelle Orte des Ankommens, des interkulturellen Austausches und der Offenheit für alle bleiben können.

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