Analyse

Von Plattformen und Potenzialen

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Das Kerngeschäft Ubers ist zuletzt kaum gewachsen – dennoch plant das Unternehmen einen der größten Börsengänge der Geschichte.

Das muss man erst einmal hinbekommen: Das Unternehmen hat im vorigen Jahr einen gigantischen Verlust mit seiner betrieblichen Tätigkeit eingefahren – rund drei Milliarden Dollar. Zugleich will das Management Investoren davon überzeugen, dass sie demnächst Aktien dieser Firma kaufen sollen. Sie heißt Uber und wird üblicherweise als Fahrdienstvermittler bezeichnet. Jetzt wird der lang erwartete Börsengang auf den Weg gebracht. Wann das Papier erstmals in New York gehandelt wird, ist aber noch gar nicht klar.

Uber gilt als eines der erfolgreichsten Start-ups überhaupt. Der Wert des Unternehmens wird auf etwa 100 Milliarden Dollar taxiert, was aktuell 88 Milliarden Euro entspricht. Volkswagen kommt als weltgrößter Autobauer nur auf 79 Milliarden. Die Zahlen zeigen, wie hoch die Erwartungen an das Unternehmen sind. Dabei darf man nicht vergessen, dass Uber ein Unternehmen ist, das maßgeblich von Investmentbankern groß gemacht wurde. Die haben es geschafft, dass vor allem auf die Potenziale geschaut wird, nicht auf die aktuellen Zahlen. So ist denn auch im viele hundert Seiten dicken Werbeprospekt für den Börsengang die Bezeichnung „Plattform“ das Schlüsselwort. Es signalisiert, dass Uber viel mehr sein will, als eine App, die Fahrgäste an private Fahrer vermittelt.

Es geht um eine Plattform, die über das Internet so ziemlich alles organisieren will, was mit dem Transport von Gütern und der Beförderung von Personen zu tun hat. Von der Kurzzeitvermietung von Elektrofahrrädern und -rollern, über einen Lieferdienst für Essen, die Frachtvermittlung für Lastwagenfahrer bis zu Flugtaxis sowie autonom fahrende Roboterautos und -taxis. Allein in letztere Projekte hat das Unternehmen im vergangenen Jahr 457 Millionen Dollar investiert.

Der Begriff Plattform wurde von den Verfassern des Börsenprospekts wohl bewusst gewählt, um an eine andere äußerst erfolgreiche Plattform zu erinnern: Amazon kümmert sich um alles, dass im weiteren Sinn mit Einzelhandel zu tun hat und hat viele Jahre Verluste eingefahren, bevor der weltweit dominierende Onlinehändler zur Geldmaschine wurde.

Auch Uber-Chef Dara Khosrowshahi geht die Sache global an. Uber ist in Nord- und Lateinamerika, in Australien und in Europa aktiv. Allerdings hat das Unternehmen auf dem Alten Kontinent in vielen Ländern keinen allzu guten Stand. Nach einer stürmischen Expansion – unter Missachtung nationaler Regeln zur Personenbeförderung und viel Ärger mit Justizbehörden – haben sich die Amerikaner in Deutschland und anderen Ländern aus der Fahrdienstvermittlung wieder zurückgezogen. Die Reputation von Uber wurde zudem durch zahlreiche, für Fahrgäste unangenehme Vorfälle und durch rabaukenhaftes Verhalten des früheren Chefs Tavis Kalanik nicht gerade gefördert.

Gleichwohl sieht Barrett Daniels vom Beratungsunternehmen Deloitte gerade in der starken Wahrnehmung der Marke Uber den entscheidenden Faktor für den Wert des Unternehmens. Der geplante Börsengang sei deshalb ein höchst spannendes Unterfangen, sagte er dem Finanzdienst „Bloomberg“. Viele Fragen sind noch offen, auch über das Volumen wird noch spekuliert. Laut Bloomberg sollen zehn Milliarden Dollar bei Investoren eingesammelt werden. Es wäre eines der größten Börsendebüts überhaupt.

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