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Museumsreif: Sammlung von gerahmten Plastiktüten aus der DDR.

Müll-Export

Eine Tonne Plastik pro Erdbewohner

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Umweltschützer fordern im Kampf gegen Verschmutzung strenge Vorgaben für Industrie.

Verpackung, Kleidung, Cremes: Plastik lässt sich überall finden. Die den Grünen nahestehende Heinrich-Böll-Stiftung und der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sind überzeugt, dass die Hauptverursacher für die weltweite Plastikkrise vor allem die Plastik-Hersteller und die petrochemische Industrie sind. Dies wurde am Donnerstag bei der Vorstellung ihres „Plastikatlas 2019“ deutlich: Im Kampf gegen die weltweite Verschmutzung mit Plastik müsse die Politik globalen Energie- und Chemiekonzernen strengere Vorgaben machen, lautet eine Forderung der beiden Organisationen.

Laut dem Atlas wurden zwischen 1950 und 2015 weltweit 8,3 Milliarden Tonnen Plastik produziert. „Das entspricht mehr als einer Tonne pro Mensch, der heute auf der Erde lebt“, so Barbara Unmüßig, Vorständin der Heinrich-Böll-Stiftung. Nicht einmal zehn Prozent des jemals produzierten Kunststoffes seien recycelt worden. „Recycling ist ein Mythos. Deutschland ist nicht Recyclingweltmeister, aber sehr gut darin, Plastikmüll zu exportieren.“ Dem Report zufolge ist Deutschland der drittgrößte Exporteur von Plastikmüll.

Als Maßnahme gegen die Plastikflut setzte die Bundesregierung zum Jahresanfang bereits das neue Verpackungsgesetz in Kraft. Zudem stellte Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) im November vorigen Jahres einen Fünf-Punkte-Plan vor, in dem gesetzliche und freiwillige Maßnahmen zur Vermeidung von überflüssigem Plastik vorgesehen sind. „Wir erwarten bis zum Herbst eine Strategie des Handels für weniger Plastik und weniger Verpackungen. Das hat der Handel mir beim ersten Runden Tisch zu diesem Thema zugesagt“, so Schulze.

Erst kürzlich forderte Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) ein Verbot von Plastiktüten. Zudem wurde auf europäischer Ebene ein Verbot von bestimmten Einweg-Plastikprodukten wie Trinkhalmen auf den Weg gebracht. Schulze wertet das als Erfolg: „Mein Ziel ist nun, dass Strohhalme, Wattestäbchen und Einwegteller in Deutschland schon im nächsten Jahr aus den Regalen verschwinden.“

Der größte Teil des Kunststoffs wird laut Plastikatlas für – meist nur einmal verwendete – Verpackungen genutzt. Mehr als ein Drittel der weltweit jährlich produzierten 400 Millionen Tonnen würden dafür verbraucht. Der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger rief zu einer Plastikwende auf. Dazu gehöre ein Verbot von Schadstoffen in Kunststoffen, ein Verbot von Mikroplastik sowie eine massive Reduzierung von Plastikmüll.

Dass Mikroplastik in den Meeren eine große Belastung ist, ist inzwischen bekannt. Weniger verbreitet ist der Fakt, dass die Verschmutzung von Boden und Binnengewässern je nach Umgebung zwischen vier- und 23-mal so hoch ist wie im Meer. „Die industrielle Landwirtschaft nutzt gigantische Mengen an Kunststoff“, so Unmüßig.

Malaysia schickt Müll zurück

Seit China seine Grenzen für praktisch alle verunreinigten Kunststoffreste vergangenes Jahr dicht gemacht hat, sind Länder wie Malaysia das neue Ziel für den Müll. Allein aus Deutschland kamen 2018 nach vorläufigen Zahlen des Umweltbundesamtes etwa 130.000 Tonnen mehr oder weniger sortierter Plastikabfall in das Land. Damit war Malaysia das größte Exportziel deutschen Plastikmülls, vor Hongkong (73.000) und Indien (68.000). Rücksendung: Manche der ärmeren Staaten, die schon die eigenen Müllprobleme nicht in den Griff bekommen, schicken nun illegalen Abfall zurück. Malaysia ist dabei eine Art Vorreiter. „Wir sind nicht die Müllkippe der Welt“, sagt Umweltministerin Yeo Bee Yin. Sie kündigte an, mindestens 3000 Tonnen illegal importierten Mülls in die Herkunftsländer zurückzubringen. Das ist nur ein minimaler Teil allen Mülls, aber immerhin. 

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