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Zwei indonesische Jungen fischen Müll aus dem Citarum.

Global Plastic Navigator

Plastikabfall à la carte

  • Joachim Wille
    vonJoachim Wille
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Die Umweltorganisation WWF dokumentiert die großen Meeresverschmutzer.

Fünf große Plastikmüllstrudel haben sich auf den Weltmeeren gebildet. Der größte davon, „Great Pacific Garbage Patch“ genannt, ist mehr als viermal so groß wie Deutschland. Doch das ist nur der sichtbare Teil der Verschmutzung, die weiter dramatisch anwächst. Eine neue, von der Umweltstiftung WWF entwickelte interaktive Weltkarte – genannt „Global Plastic Navigator“ – zeigt, wo die Hotspots liegen: In welchen Ländern besonders viel Plastikmüll in die Umwelt gelangt, welche Flüsse am meisten davon in die Meere transportieren und wie weit Kunststoff auf den Oberflächen der Ozeane verbreitet ist.

Der Plastikabfall gelangt vor allem in Ländern, in denen es keine oder nur eine ineffiziente Müllentsorgung gibt, über Wind oder Regen in die Flüsse. Wissenschaftler schätzen laut WWF, dass pro Jahr 1,2 bis 2,4 Millionen Tonnen Plastikmüll über sie in die Ozeane gespült werden. Zwei Drittel davon gelangen über nur 20 große Flusssysteme dorthin, zumeist in Asien, Afrika und Südamerika gelegen. Nimmt man weitere rund 100 der am meisten verschmutzenden Flüsse hinzu, hat man die Quellen für 90 Prozent des Plastikabfalls.

Die WWF-Karte arbeitet mit unterschiedlich großen Kreisen, um die Müllmengen zu symbolisieren. Ein Klick darauf zeigt die Müllmengen, die an den Mündungen ins Meer gelangen – beim Jangtse in China zum Beispiel, dem weltweit größten „Müllfluss“, sind es 332 837 Tonnen pro Jahr, beim Ganges in Indien/Bangladesh 115 462 Tonnen. In Europa gibt es nur einen Fluss, der zu den Hauptverschmutzern gehört: den Rhein.

Bernhard Bauske, WWF-Plastikmüll-Experte, kommentiert: „Die Karte visualisiert die aktuellsten Daten aus der Wissenschaft. Die Plastikflut wird so mit bloßem Auge verständlich – vom globalen Blick auf die Weltmeere bis hin zu lokalen, oberflächlichen Plastikeinträgen über einzelne Flüsse.“ Das Ergebnis sei erschreckend. „Plastik ist bis in den letzten Winkel unserer Ozeane vorgedrungen“, sagt der Biologe.

Der WWF fordert wie andere Umweltgruppen und Umweltpolitiker, ein internationales Abkommen, das den Eintrag von Plastikmüll in die Meere beendet – einen Vertrag analog zur Weltklimakonvention, die von fast allen Staaten der Welt unterzeichnet wurde. Der „Navigator“ zeigt auf einer weiteren Karte, welche Länder ein solches Abkommen unterstützen. Darunter sind die Mitgliedsstaaten der EU und der Afrikanischen Union, nicht allerdings die USA, China und Russland.

Bauske lobt, dass „die Unterstützung für ein internationales Abkommen gegen den Eintrag von Plastikmüll in die Meere bereits recht groß ist“. Mit der interaktiven Karte könne jetzt jeder Bürger sehen, ob sich seine Regierung in diesem Rahmen gegen Meeresplastik engagiert oder nicht. „Damit erhöhen wir auch den Druck auf Staaten, die dem Abkommen noch zögerlich gegenüberstehen.“

wwf.de/global-plastic-navigator

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