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Blick von unten auf den Stahlmast einer Stromtrasse: Ihr Ausbau ist notwendig für den Transport von Energie der Windanlagen im Norden in den Rest des Landes.
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Blick von unten auf den Stahlmast einer Stromtrasse: Ihr Ausbau ist notwendig für den Transport von Energie der Windanlagen im Norden in den Rest des Landes.

Klima

Pläne für Energie und Klima: Die Gigawatt-Revolution der Ampel

  • Joachim Wille
    VonJoachim Wille
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Die neue Koalition macht bei Kohleausstieg und Ökostromausbau gewaltig Tempo. Gleichzeitig steigt der Energieverbrauch deutlich – eine Herausforderung für die Ampel.

Die ambitioniertesten Projekte der zukünftigen Ampelkoalition im Klimabereich sind der Kohleausstieg „idealerweise“ bis 2030 und der Anstieg des Ökostromanteils im Netz, der zum gleichen Zeitpunkt 80 Prozent erreichen soll. Nur wenn der Ausbau der grünen Energien tatsächlich so gut läuft, gelingt die Energiewende. Anno 2020 lieferte die Kohle immerhin noch rund 24 Prozent des in Deutschland verbrauchten Stroms. Hinzu kommt, dass auch die Stromproduktion der restlichen sechs AKW ersetzt werden muss, die bis Ende 2022 abgeschaltet werden. Deren Anteil betrug im letzten Jahr etwa zwölf Prozent.

Wie ambitioniert der Ampel-Plan ist, zeigt der historische Vergleich. Um den Ökostromanteil von rund fünf Prozent im Jahre 2000, damals vor allem Wasserkraft, auf derzeit etwa 45 Prozent zu steigern, dauerte es rund zwei Jahrzehnte. Für den nächsten fast gleich großen Schritt ist nun weniger als ein Jahrzehnt vorgesehen. Doch die Sache ist sogar noch dramatischer. Denn die Ampel nimmt für 2030 einen gegenüber heute deutlich höheren Stromverbrauch an. Dieser soll von derzeit rund 570 Terawattstunden auf 680 bis 750 Terawattstunden ansteigen. Der Grund ist: Es wird zusätzliche Elektrizität gebraucht, um E-Autos zu betreiben, deren Zahl bis 2030 auf 15 Millionen ansteigen soll, und um Häuser zunehmend mit Wärmepumpen statt mit Erdöl und Erdgas zu heizen.

Ampel muss Grünstrom ausbauen

Konkret gerechnet: Um 2030 die angepeilten 80 Prozent zu erreichen, müssen zwischen 545 und 600 Terawattstunden Grünstrom produziert werden. Anno 2020 erzeugten Wind, Solar, Biomasse und Wasser 251 Terawattstunden. Das heißt, die Ökostromerzeugung muss binnen den nächsten neun Jahren mehr als verdoppelt werden.

Wie kann das gelingen? Die Ampel hat ehrgeizige Ziele für die Windkraft auf See und die Photovoltaik aufgestellt. Offshore-Wind in Nord- und Ostsee soll bis 2030 mindestens 30 Gigawatt (GW) liefern, was unter Volllast rund 23 Atommeilern entspricht, Ende 2020 waren es erst etwa 7,7 GW, die Leistung würde in etwa vervierfacht. Die Solarstromkapazitäten will die Ampel bis 2030 von 54 Gigawatt Ende 2020 auf etwa 200 GW anheben, also mehr als verdreifachen. Die Windkraft an Land soll zwar auch zulegen, die geplante Koalition von SPD, Grünen und FDP hat hier aber kein konkretes Ziel vorgelegt. Der Wind-Zubau, einst Zugpferd der Energiewende, war in den letzten Jahren dramatisch eingebrochen.

Plan der Ampel ist potenziell machbar

Von den Potenzialen her ist der Ampel-Plan machbar. Offshore-Windparks zum Beispiel sind technisch ausgereift, sie könnten langfristig ein Drittel des in Deutschland verbrauchten Stroms liefern, und ihr Bau ist wenig umstritten, anders als der Ausbau von Windkraft an Land. Zudem sind die Kosten stark gesunken. Beim Solarstrom können allein auf den vorhandenen geeigneten Dachflächen rund 160 der von der Ampel für 2030 angepeilten 200 GW installiert werden, doppelt so viele wären zusätzlich an Fassaden möglich, hinzu kommen Freiflächenanlagen. Und: Drei moderne, große Windkraftanlagen in jeder deutschen Gemeinde würden rechnerisch reichen, um rund 500 Terawattstunden Strom zu produzieren, also einen großen Teil des Bedarfs für 2030 zu decken.

Um die Ausbauziele bis 2030 zu erreichen, plant die Ampel mit einer Reihe von Instrumenten: So sollen Flächen für Offshore-Wind in der Außenwirtschaftszone auf dem Meer gesichert werden und Windanlagen Vorrang gegenüber anderen Nutzungen erhalten. Der Bau von Solaranlagen soll durch eine Anpassung der Förderung, eine Solarpflicht bei Gewerbeneubauten, eine „Regel“-Versorgung bei privaten Neubauten sowie verbesserte Möglichkeiten bei Mietshäusern in Schwung gebracht werden. Um den Zubau der Windkraft an Land wieder in Gang zu bringen, wollen SPD, Grüne und FDP bürokratische Hemmnisse abbauen, die Bürgerinnen und Bürger frühzeitig in Planungsprozesse einbeziehen sowie Kommunen finanziell an Windparks beteiligen, auch an bestehenden.

Ampel-Koalition vor riesigen Aufgabe

Trotzdem ist die Aufgabe riesig. Ein Beispiel ist die Solarenergie: Der Zubau pro Jahr muss mindestens 15 Gigawatt betragen, um das Ziel für 2030 zu erreichen. Selbst zu den Hochzeiten des Solarausbaus vor einem Jahrzehnt waren es nur gut sieben GW, also rund die Hälfte. Doch weitere Anforderungen kommen hinzu. So müssen die Netze beschleunigt ausgebaut, Speicherkapazitäten installiert und das System insgesamt flexibilisiert werden, damit es besser auf die schwankende Ökostromeinspeisung reagieren kann.

Allein darauf will die Ampel sich aber nicht verlassen. So sollen Erdgaskraftwerke neu gebaut werden, um die Stabilität der Versorgung zu sichern. Allerdings sollen die neuen Anlagen H2-ready sein. Das heißt, wenn es künftig genügend „grünen“ Wasserstoff gibt, sollen sie dann damit betrieben werden, um klimaneutral zu sein. Auch hier ist freilich noch weitere Entwicklungsarbeit nötig. Großkraftwerke, die statt mit Erdgas auch mit H2 laufen können, gibt es derzeit noch nicht.

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