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Fahrer des Lieferdienstes Rappi warten in Bogota auf Aufträge. Delivery Hero ist an Rappi beteiligt und angeblich an einer Übernahme interessiert.

Essenslieferant Delivery Hero

Pizza ist da, Gewinne nicht

  • Frank-Thomas Wenzel
    vonFrank-Thomas Wenzel
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Der Essenslieferant Delivery Hero könnte bald in den Dax aufrücken. Die Berliner haben Großes vor. Nur mit den schwarzen Zahlen will es bislang irgendwie nicht klappen.

Sie bringen Sushi, Pizza und Burger – die Leute von Delivery Hero, und zwar in 43 Ländern auf der Welt. Das hat dem Berliner Unternehmen im zweiten Quartal fast eine Verdopplung der Einnahmen im Vergleich zum Vorjahr gebracht. Gleichzeitig wachsen aber auch die Verluste des Dax-Kandidaten.

Auf seinem Heimatmarkt Deutschland ist Delivery Hero ohnehin nicht mehr aktiv. Nur noch Lieferando ist hierzulande übrig geblieben. Es gehört zur niederländischen Takeaway-Gruppe. 2018 verkaufte Delivery Hero sein Deutschland-Geschäft mit der Marke Foodora an die Niederländer, die dessen Dienste umgehend einstellte. Die Berliner Lieferhelden dagegen, die noch immer in Mitte ihr Hauptquartier haben, sind mittlerweile vor allem in Asien aktiv.

Dort wollen sie auch expandieren. Konzernchef Niklas Östberg kündigte am Dienstag bei der Präsentation der Geschäftszahlen an, dass die Marke Foodpanda vom dritten Quartal an, Menschen in Japan beliefern will – „beginnend mit einer Handvoll Städte“. Japan sei der Markt mit „der niedrigsten Penetrationsquote für unsere Industrie außerhalb Chinas“, sekundierte Finanzchef Emmanuel Thomassin. Der Vorstand sehe großes Potenzial, in dieser frühen Phase Marktanteile zu gewinnen.

Immer größer werden, das ist die wichtigste Strategie in der Branche. Wer aber wachsen will, muss viel Geld in die Hand nehmen, um Kunden zu gewinnen und zu halten. Deshalb will auch Delivery Hero für das Abenteuer in Japan erst einmal 20 bis 30 Millionen Euro für Werbung und Marketing investieren.

Dass durch die Expansion nach Fernost der Umsatz steigen soll, ist klar. So hat denn auch Konzernchef Östberg die Erlös-Prognose für dieses Jahr um 200 Millionen Euro nach oben geschraubt. Er geht nun von bis zu 2,8 Milliarden Euro aus. Das würde dann einer Verdopplung im Vergleich zu 2019 entsprechen.

Dabei hat die Corona-Krise nicht nur Delivery Hero, sondern Lieferdienste generell, anfangs hart getroffen. Verbraucher bestellten – vermutlich aus Verunsicherung – weniger Essen, viele Restaurants kochten auch nicht mehr. Im April und Mai litten die Lieferdienste. Umso stärker sprangen die Geschäfte an, als im Juni in vielen Ländern Restriktionen gelockert wurden.

Die für Analysten alles entscheidende Frage ist nun aber: Welche Auswirkungen hat das auf die Erträge? Man muss in der Präsentation der aktuellen Geschäftszahlen von Delivery Hero lange suchen, um ganz hinten die Gewinn/Verlust-Zahlen im Kleingedruckten zu finden. Dem ist zu entnehmen, dass sich im ersten Halbjahr nicht nur die Bestellungen und die Umsätze fast verdoppelt haben, sondern auch die roten Zahlen. Ein Verlust aus der betrieblichen Tätigkeit ohne Berücksichtigung einmaliger Sonderposten von knapp 320 Millionen Euro kam zusammen, nach „nur“ 171 Millionen Euro in den ersten sechs Monaten 2019.

Und so ein Unternehmen soll demnächst in den Dax-30-Club mit den wichtigsten börsennotierten Firmen aufsteigen und den Skandalkonzern Wirecard ersetzen?

Viele Anleger wetten darauf, dass Östbergs Firma Rivalen alsbald wegbeißt und durchstartet. Der Aktienkurs hat sich in den vergangenen zwölf Monaten mehr als verdoppelt. Doch eine Reihe von Analysten ist eher skeptisch. Die Experten des Fachblatts „Der Aktionär“ raten jedenfalls, von den Delivery-Hero-Papieren die Finger zu lassen, solange nicht klar sei, wann der Vorstand gedenke, erstmals Profite zu erwirtschaften. Östberg hatte kürzlich in einem Interview mit dem Handelsblatt eingeräumt, er wisse „wirklich nicht“, wann sein Unternehmen in den grünen Bereich komme.

Entscheidend sind die Frauen und Männer, die die Mahlzeiten per Fahrrad zur Kundschaft bringen. Lieferando und die Takeaway-Marken in anderen Ländern sind nur Vermittler, die Restaurants und Hungrige mittels Internet zusammenbringen. Den Transport müssen die Gaststätten mit eigenem Personal organisieren. Delivery Hero setzt auf eigene Fahrer. Das erhöht die Kosten und rechnet sich nur, wenn die Boten ständig unterwegs sind.

Deshalb hat Östberg die Corona-Krise genutzt, um ein neues Standbein stärker zu machen: den sogenannten Quick-Commerce. So haben Lieferhelden in den vergangenen Wochen auch in Kooperation mit Wohltätigkeitsorganisationen wie dem Roten Kreuz alte Menschen mit Lebensmitteln oder Medikamenten versorgt. Auch Blumen und allerlei andere einfach zu transportierende Non-Food-Produkte wurden gebracht – mit 10,5 Millionen verdoppelte sich in dieser „Q-Sparte“ die Zahl der Bestellungen im zweiten Quartal im Vergleich zu den ersten drei Monaten des Jahres.

Doch auch das verursacht hohe Kosten. So muss das Unternehmen dezentrale Lager einrichten, um schnell liefern zu können. Und auch da gibt es Konkurrenz: Amazon zum Beispiel setzt zunehmend auf Lieferungen am Tag der Bestellung. Ganz zu schweigen vom Mahlzeitendienst. Neben Takeaway macht sich der Fahrdienstvermittler Uber auch in diesem Sektor breit. Und in Südostasien haben es die Berliner mit dem Platzhirschen Grab-Food zu tun.

Was bleibt? Weiter wachsen. Branchenkenner vermuten, dass Delivery Hero sich demnächst die Rivalen Glovo (Spanien) und/oder Rappi (Südamerika) einverleiben könnte. Zudem wartet Östberg auf die Genehmigung für die Übernahme von Südkoreas größter App für Essenslieferungen namens Woowa. Wenn die vorliege, könne sein Unternehmen auf einen Marktwert von 30 Milliarden Euro kommen. Rund ein Dutzend der Dax-30-Firmen ist aktuell weniger wert.

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