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Piloten streiken unbefristet

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Von: Frank-Thomas Wenzel

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Der Airbus der Lufthansa bleibt wohl am Samstag am Boden.
Der Airbus der Lufthansa bleibt wohl am Samstag am Boden. © dpa

Mit einem neuen Angebot wollte die Lufthansa-Führung am Freitag eine weitere Eskalation des Konflikts mit den Piloten verhindern. Es hat nicht geklappt.

Einen Versuch war es wert, geklappt hat es nicht: Mit einem neuen Angebot wollte die Lufthansa-Führung am Freitag eine weitere Eskalation des Konflikts mit den Piloten verhindern. Doch die Vereinigung Cockpit (VC) wies den Vorstoß zurück. Fluggäste müssen damit darauf gefasst sein, dass in der nächsten Woche die Lufthansa komplett lahmgelegt wird. Ein VC-Sprecher kündigte an, dass die Streiks unbefristet weitergehen würden. Mit Rücksicht auf die Kunden werde es aber am Sonntag keine Arbeitsniederlegungen geben.

Für Samstag sagte die Lufthansa derweil 137 Flüge ab, darunter 88 Interkontinentalverbindungen. Betroffen seien rund 30 000 Passagiere. Gleichwohl kann der Gesamtkonzern heute 2863 von 3000 geplanten Flügen anbieten.

Die Gewerkschaft will mit den Streiks erzwingen, dass die Lufthansa ein verhandlungsfähiges Angebot vorlegt. Dies traf nach Ansicht von Cockpit auf den Vorschlag vom Freitag nicht zu. „Das ist alter Wein in neuen Schläuchen“, so der Sprecher. Die Inhalte des Angebots habe Lufthansa bereits vor zwei Monaten auf den Tisch gelegt, in Wahrheit gehe es nicht um eine neues Angebot.

Die Kranichlinie bietet eine Gehaltserhöhung um 4,4 Prozent in zwei Schritten und eine Einmalzahlung von 1,8 Monatsgehältern an. Der Tarifvertrag soll bis Mitte 2018 laufen. Im Gegenzug sollen die Piloten in eine betriebliche Altersversorgung einwilligen, in der der Arbeitgeber nur noch die eingezahlten Beiträge garantiert, nicht aber für die spätere Rente einsteht. Damit könnte die Lufthansa Geld sparen, sagte Personalchefin Bettina Volkens. Die Gewerkschaft verlangt einen Aufschlag von insgesamt 22 Prozent für die Zeit bis einschließlich April 2017. Das neue Angebot der Lufthansa würde vier Nullrunden für 2012 bis 2015 bedeuten.

Piloten wollen Mitspracherecht

Doch der Zank über die Vergütung ist gewissermaßen nur die Kulisse des Konflikts – aus arbeitsrechtlichen Gründen. Tatsächlich steckt hinter all dem ein Machtkampf zwischen Management und Piloten. Im Zentrum der Auseinandersetzung steht die Billigtochter Eurowings. Die VC will sicherstellen, dass sie bei den Arbeitsbedingungen für die Cockpit-Mitarbeiter der Low-Cost-Airline mitreden kann. Die Piloten streben bei Eurowings Arbeitszeiten, Gehälter und Betriebsrenten an, die mit den Konditionen der blau-gelben Kernmarke des Konzerns korrespondieren.

Dies soll im sogenannten Konzerntarifvertrag (KTV) geregelt werden. Der Lufthansa-Vorstand will genau dies verhindern. Der hat deshalb unter anderem Piloten bei einer österreichischen Tochter von Eurowings eingestellt. Dort gilt der KTV nicht. Zudem werden demnächst 35 Flieger von Air Berlin inklusive Besatzung für Eurowings fliegen. Lufthansa-Chef Carsten Spohr hat bereits angekündigt, dass er das Anmieten von Fliegern anderer Airlines weiter ausbauen will.

Das alles könnte dazu führen, dass immer weniger Maschinen der Lufthansa fliegen und letztlich billige Eurowings-Maschinen sogar Langstreckenflüge übernehmen. So würde der Konzerntarifvertrag ins Leere laufen. Um dies zu verhindern, könnten die Piloten den Konflikt eskalieren lassen. Bislang haben sie entweder die Kurz- und Mittelstrecke oder die Langstrecke bestreikt. Nächste Woche wären Arbeitsniederlegungen von beiden Sparten gleichzeitig denkbar. Doch die Piloten wollen das eigentlich nicht, sondern an den Verhandlungstisch zurückkehren.

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