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Piloten streiken erneut

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Von: Thorsten Knuf

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© REUTERS

Passagiere der Lufthansa müssen sich auf umfangreiche Flugausfälle einstellen: Der Streik beginnt auf der Kurz- und Mittelstrecke, am Dienstag sind auch Flüge der Langstrecke und der Fracht-Tochter Lufthansa Cargo betroffen.

Die Lufthansa wird am Montag und Dienstag wieder bestreikt, Passagiere der Airline müssen sich auf umfangreiche Flugausfälle einstellen. Wie die Piloten-Vereinigung Cockpit (VC) mitteilte, sind die Flugzeugführer bundesweit zu einem 36-stündigen Ausstand aufgerufen. Er beginnt auf der Kurz- und Mittelstrecke am Montag und 12 Uhr und dauert bis Dienstag um Mitternacht. Flüge der Langstrecke sowie der Fracht-Tochter Lufthansa Cargo sind von Dienstagmorgen 3 Uhr bis Mitternacht betroffen. Ausgenommen von dem Streik ist lediglich der Billig-Ableger Germanwings. Die Lufthansa kündigte einen Sonderflugplan an.

Mit dem neunten Ausstand innerhalb von neun Monaten will die Gewerkschaft in der laufenden Tarif-Auseinandersetzung abermals den Druck auf das Management erhöhen. Die VC machte am Sonntag die Lufthansa dafür verantwortlich, dass „trotz aller Bemühungen um Kompromissvorschläge seitens der Piloten“ die wesentlichen Konfliktpunkte bisher nicht gelöst worden sind.

In der Tarifrunde geht es neben der Vergütung für die 5.400 Piloten des Unternehmens vor allem um die großzügige Vorruhestandsregelung für den Berufsstand. Bisher können die Flugzeugführer mit 55 Jahren aus dem Dienst aussteigen. Im Schnitt tun sie dies aber erst mit 59 Jahren. Die Lufthansa will den Wert auf 61 Jahre anheben. Sie verweist darauf, dass das Unternehmen international unter erheblichem Wettbewerbsdruck steht – unter anderem von den Billigfliegern und subventionierten Airlines aus der Golf-Region.

Finanzieller Schaden von 160 Millionen Euro

Strittig zwischen den Tarifparteien ist auch die eigene Billig-Strategie des Konzerns. Laut „Spiegel“ will der Lufthansa-Aufsichtsrat am Mittwoch die Gründung einer neuen Dachgesellschaft beschließen. Dort solle neben den Töchtern Germanwings und Eurowings auch der geplante Billig-Langstreckenflieger angesiedelt sein. Der Konzerntarifvertrag für Piloten solle in der Holding nicht gelten.

Erst am Samstag hatte die Vereinigung Cockpit nach einer neuen Verhandlungsrunde die Tarifgespräche abermals für gescheitert erklärt. Es habe „keine echten Fortschritte“ gegeben, hieß es. „Es wurde deutlich, dass es dem Management nicht um Lösungen geht, sondern darum, ein autokratisches Führungsmodell durchzusetzen.“ Diesen Vorwurf bekräftigte die VC am Sonntag: Der Lufthansa-Vorstand habe entschieden, dass im Falle einer Nichteinigung der Tarifvertrag zur Übergangsversorgung der Piloten komplett wegfallen solle. Damit werde ein „radikaler Wandel in der bisherigen Führungskultur, auch hinsichtlich der gemeinsamen Gestaltung von Tarifbedingungen“ eingeläutet, erklärte die Gewerkschaft.

Nach Lufthansa-Angaben hatte es in der jüngsten Gesprächsrunde eine Annäherung zwischen beiden Seiten gegeben, was die VC bestreitet. Das Unternehmen erklärte am Sonntag, der angekündigte Streik sei unverhältnismäßig und treffe wieder vor allem die Kunden.

Der bisher letzte Lufthansa-Streik liegt sechs Wochen zurück. Insgesamt fielen in der laufenden Tarif-Auseinandersetzung aufgrund von Ausständen seit dem Frühjahr bei Lufthansa, Germanwings und Lufthansa Cargo 6.000 Flüge aus. Laut Management entstand dem Konzern deshalb bislang ein finanzieller Schaden von 160 Millionen Euro.

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