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Piloten lehnen neues Angebot ab

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Von: Frank-Thomas Wenzel

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Am Freitag fallen wegen des Streiks erneut 830 Lufthansa-Flüge aus. Betroffen seien alle innerdeutschen und Europaflüge mit zusammen mehr als 100 000 Reisenden, teilte Lufthansa mit.
Am Freitag fallen wegen des Streiks erneut 830 Lufthansa-Flüge aus. Betroffen seien alle innerdeutschen und Europaflüge mit zusammen mehr als 100 000 Reisenden, teilte Lufthansa mit. © dpa

Die Pilotengewerkschaft Cockpit lehnt das jüngste Tarifangebot der Lufthansa ab. Trotzdem soll der Streik am Samstag enden - ein Überblick über den Stand der Dinge.

Die Pilotengewerkschaft Cockpit lehnt das jüngste Tarifangebot der Lufthansa ab. Das sagte ein Sprecher am Freitagabend der dpa. Mit Rücksicht auf die Kunden wollen die Piloten aber am Sonntag nicht mehr streiken.

Worauf müssen sich Fluggäste gefasst machen?

Darauf, dass in der nächsten Woche die Lufthansa im schlimmsten Fall komplett lahmgelegt werden könnte. Reisende sollten sich möglichst frühzeitig  um Alternativen kümmern – entweder bei anderen Airlines oder bei der Bahn.

Was hat die Lufthansa bislang geboten?

Lufthansa bietet den Piloten inzwischen um 4,4 Prozent höhere Vergütungen, eine Einmalzahlung von 1,8 Monatsgehältern sowie die Zusage von Neueinstellungen. Weiteres Streitthema: die Betriebs- und Übergangsrenten.

Geht es wirklich nur ums Geld?

Der Zank über die Vergütung ist gewissermaßen nur die Kulisse des Konflikts  – aus arbeitsrechtlichen Gründen. Tatsächlich steckt hinter all dem ein Machtkampf zwischen Management und Piloten, das rechtfertigt aber keinen Streik.  So hat es das hessische Arbeitsgericht bereits im September 2015 entschieden.  Im Zentrum der Auseinandersetzung steht aber de facto die Billigtochter Eurowings. Die VC will sicherstellen, dass sie auch künftig bei den Arbeitsbedingungen für die Cockpit-Mitarbeiter der Low- Cost-Airline mitreden können.

Warum ist das für die Piloten so wichtig?

Ziel der VC-Strategie ist, bei Eurowings  Arbeitszeiten, eine Bezahlung der Piloten und Betriebsrenten zu erzielen, die mit den Konditionen blau-gelben Kernmarke des Konzerns korrespondieren. Dies soll dann im sogenannten Konzerntarifvertrag (KTV) geregelt werden. Das Lufthansa-Management  will genau dies verhindern.

Wie umgeht das Management den Konzerntarifvertrag?

Sie stellt unter anderem Piloten bei einer österreichischen Tochter von Eurowings ein. Dort gilt der KTV nicht. Zudem werden demnächst 35 Flieger von Air Berlin inklusive Besatzung für Eurowings fliegen. Lufthansa-Chef Carsten Spohr hat bereits angekündigt, dass er das Anmieten von Fliegern anderer Airlines ausbauen will. Ziel ist einerseits, Kosten zu drücken und zugleich den Einfluss der VC einzudämmen.

Wohin könnte das führen?

Es könnte dazu führen, dass sukzessive immer weniger Maschinen der Lufthansa-Klassik mit den teuren Piloten fliegen. Ursprünglich war geplant, dass Eurowings nur die  sogenannten dezentralen Verkehre von kleineren Airports bedient. Inzwischen ist klar, dass die Jets auch das Drehkreuz München und mutmaßlich auch Frankfurt ansteuern werden, weil sich dort die Billigflieger Easyjet und Ryanair breit machen. Dies legt aber auch nahe, dass Eurowings früher oder später Zubringerverkehr für die LH-Langstecke übernehmen könnten, wofür eigentlich die Blau-Gelben zuständig sein sollen. Der nächste Schritt wäre, dass Eurowings auch Langstreckenflüge übernimmt. So würde der Konzerntarifvertrag zunehmend ins Leere laufen, was überdies für die VC selbst existenzbedrohend wäre.

Wie können sich die Piloten wehren?

Die Piloten könnten den Konflikt weiter eskalieren. Bislang haben sie entweder die Kurz- und Mittelstrecke oder die Langstrecke bestreikt. In der nächsten Woche könnte es Arbeitsniederlegungen von beiden Sparten gleichzeitig geben. Die Lufthansa wäre damit komplett gelähmt.

Warum zögern die Piloten mit der Eskalation?

Dieser Schritt birgt viele Risiken, denn es würde neue Verhandlungen noch schwieriger machen. Zumal der Druck auf die Piloten von außen – insbesondere durch Politiker  - weiter wächst. Deshalb warten die Piloten auf ein Signal der Lufthansa, um an den Verhandlungstisch zurück zu kehren.

Wie könnte eine Lösung aussehen?

Die Lufthansa hat ein Schlichtungsverfahren vorgeschlagen, was die Piloten bislang ablehnen.  Ein Kompromiss ist äußerst schwierig. Bei einer Schlichtung müsste es darum gehen, ein eingeschränktes Mitspracherecht der VC bei Eurowings zu garantieren und zugleich sicherzustellen, dass beim Billigflieger die Personalkosten erheblich niedriger liegen bei der Lufthansa-Klassik. Spohr hat immer wieder von 40 Prozent geringeren Gesamtkosten gesprochen. (mit dpa)

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