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Will weiter mitreden: Ferdinand Piech.

VW

Piëch gibt keine Ruhe

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Nach dem Abtritt von Ferdinand  Piëch und seiner Frau benennt der VW-Vorstand zwei Aufsichtsrätinnen aus demselben Familienclan. Doch der Patriarch ist nicht einverstanden.

VW-Patriarch Ferdinand Piëch gibt keine Ruhe. Er hat sich gegen den Vorschlag des Konzernvorstands gestellt, zwei seiner Nichten, in den Aufsichtsrat des Konzerns zu berufen. Dies meldete am Donnerstagabend die Online-Ausgabe der Bild-Zeitung. Volkswagen hatte am Nachmittag mitgeteilt, dass die 57jährige Louise Kiesling und die  34jährige Julia Kuhn-Piëch vom Amtsgericht Braunschweig zu Mitgliedern des Gremiums bestellt worden seien.  Sie sollen die Nachfolge von Piëch selbst und seiner Frau Ursula antreten, die Ende vergangener Woche zurückgetreten waren. Unklar bleibt, wer künftig an der Spitze des Kontrollorgans stehen wird.

Der Bild-Zeitung zufolge kritisiert der 78-Jährige Enkel des VW-Käfer-Erfinders Ferdinand Porsche die mangelnde fachliche Kompetenz seiner Verwandten. Er habe stattdessen den ehemaligen Linde-Boss und jetzigen Conti-Aufsichtsratschef Wolfgang Reitzle sowie die frühere Siemens-Managerin Brigitte Ederer vorgeschlagen.

Mit Kiesling und Kuhn-Piëch wird der Aufsichtsrat rechtzeitig vor der Hauptversammlung am kommenden Dienstag wieder komplett, zugleich wird das Unternehmen schon vorzeitig den von 2016 an vorgeschriebenen  Frauenanteil von 30 Prozent für das Gremium erfüllen. Annika Falkengren ist die dritte Frau auf der insgesamt zehnköpfigen Kapitalseite.  Die Arbeitnehmer werden  bisher erst von einer Frau vertreten: Babette Fröhlich von der IG Metall. Kießling und Kuhn-Piëch wurden vom Porsche-Piëch-Clan ausgeguckt, der über seine Familienholding Porsche SE knapp 51 Prozent der stimmberechtigten VW-Aktien hält.

Mit seinem Veto fällt Piëch vor allem der eigenen Familie in den Rücken. Die Benennung der beiden Frauen sei juristisch wasserdicht, betonen Insider. Laut Aktienrecht kann jeder Eigner, der Betriebsrat und das Unternehmen selbst einen Aufsichtsrat gerichtlich bestellen lassen, wenn dort ein Sitz  freigeworden ist. Das Unternehmen hat als einzige Instanz  sogar die Pflicht dazu.

Kiesling hat laut Konzernmitteilung Mode- und Autodesign studiert. Sie sei Gesellschafterin und Geschäftsführerin mehrerer Wirtschaftsunternehmen, darunter befinde sich die österreichische Textilmanufaktur Backhausen. Kuhn-Piëch ist die Tochter von Hans Michel Piëch, der bereits im VW-Aufsichtsrat sitzt. Sie hat Jura sowie Immobilienmanagement studiert, arbeitet als Immobilienmanagerin und gehört seit 2014 zudem dem Aufsichtsrat der VW-Tochter MAN an.

Experten sind skeptisch

Auch Experten verwerten die Berufungen skeptisch. Positiv sei zwar, dass zwei Frauen in das Gremium einziehen, sagte Stefan Bratzel, Autowissenschaftler von der Fachhochschule Bergisch Gladbach, dieser Zeitung.  Zudem könne man Kiesling ein Grundverständnis für Design zuschreiben, was in der Autobranche immer wichtiger werde.  Doch von den beiden Frauen sei keine starke Rolle im Aufsichtsrat zu erwarten. Selbst unter Branchenkennern sind sie weitgehend unbekannt. Bratzel vermutet, dass es sich bei den Personalien um eine Zwischenlösung handelt, bis ein neuer Aufsichtsratschef gefunden sei.

Sein Kollege Ferdinand Dudenhöffer von der Uni Duisburg-Essen argumentiert in die gleiche Richtung: „Jetzt soll erst einmal Ruhe im Karton sein. Die Neuausrichtung von Volkswagen wird  damit aber vertagt und das ist schlecht für den Konzern.“ 

Der Ex-IG-Metall-Chef Berthold Huber hat kommissarisch den Posten des Aufsichtsratsvorsitzenden übernommen. Er wird auch die VW-Hauptversammlung am kommenden Dienstag in Hannover leiten. Dudenhöffer geht aber davon aus, dass er sich als Vertreter der Arbeitnehmerseite relativ bald zurückziehen wird. Gut möglich, dass dann ein aktuelles Aufsichtsratsmitglied aus der Porsche-Piëch-Familie den Posten des Vorsitzenden übernimmt – als Favorit gilt Wolfgang Porsche. Aber auch dies könnte nur eine weitere Übergangslösung sein, da auf Dauer womöglich entweder eine Führungskraft  aus dem Konzern oder ein externer Manager das Amt übernehmen soll.

Ferdinand Piëch  hatte seit 1993 als Vorstandsvorsitzender und seit  2002 als Aufsichtsratschef das Unternehmen geprägt und zum zweitgrößten Autobauer der Welt gemacht.  Vorigen Samstag trat er zurück. Zuvor war er im engeren Führungszirkel mit dem Plan gescheitert, Konzernchef Martin Winterkorn aus dem Amt zu drängen. Er war von seinem Weggefährten abgerückt und hatte Volkswagen dadurch in eine Führungskrise gestürzt. Das Präsidium des Aufsichtsrats stellte sich daraufhin hinter den 67jährigen Firmenboss und fügte Piëch eine herbe Abstimmungsniederlage zu. Als dieser sich nicht an das Votum halten wollte und hinter den Kulissen weiter an Winterkorns Stuhl sägte, zeigten ihm die übrigen Mitglieder im engeren Führungszirkel die Rote Karte.

Insider gehen davon aus, dass Piëch einen Neuanfang bei VW durchsetzen wollte. Im Konzern ist die Kernmarke VW wegen mangelnder Profitabilität ein Sorgenkind. Hinzu kommt, dass das US-Geschäft in den vergangenen Jahren ein Desaster war. Piëch hält rund 14 Prozent der Anteile der Porsche SE, zudem sitzt er im Aufsichtsrat der Holding. Dadurch kann er weiter Einfluss auf den Konzern nehmen.

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