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Viele Kinder, wie hier in Kambodscha, leiden unter Tropenkrankheiten.
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Viele Kinder, wie hier in Kambodscha, leiden unter Tropenkrankheiten.

Tropenkrankheiten

Pharmariesen öffnen ihre Medizinbaukästen

  • Daniel Baumann
    vonDaniel Baumann
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Konzerne, WHO und Gates-Stiftung legen ein umfangreiches Programm zur Bekämpfung von Tropenkrankheiten auf. Die treffen vor allem die Ärmsten der Armen

Es ist eine illustre Runde, die am Montagmorgen im altehrwürdigen Royal College of Physicians in London zusammengekommen ist. Bill Gates, der legendäre Microsoft-Gründer ist da, die Chefs von zehn Pharmakonzernen und Vertreter der Weltgesundheitsorganisation WHO. Zusammengedrängt in einem Halbkreis aus Stühlen erläutern sie auf einem kleinen Podium ihr ambitioniertes Vorhaben, bis 2020 zehn der insgesamt 17 vernachlässigten Tropenkrankheiten unter Kontrolle zu bekommen. Fünf davon sollen bis zum Ende dieses Jahrzehnts sogar weltweit ausgerottet werden.

„Wenn man dieses Projekt sieht, dann muss man sich fragen, ob man die vernachlässigten Tropenkrankheiten künftig noch ’vernachlässigt’ nennen wird“, freut sich Bill Gates. Der Chef von Glaxo Smith Kline, Andrew Witty, bringt das Vorhaben mit einem afrikanischen Sprichwort auf den Punkt: „Wer schnell reisen will, reist alleine. Wer weit reisen will, der reist als Gruppe. Die Industrie demonstriert mit ihren Zusagen, dass sie weit reisen will.“

Gänzlich ausgerottet werden sollen bis 2020 Lymphatische Filariose (Elefantenkrankheit), Guineawurm, Trachom, Schlafkrankheit und Lepra. Weitere fünf Krankheiten sollen in spätestens acht Jahren unter Kontrolle sein: Darmwürmer, die Wurmkrankheit Schistosomiasis, Flussblindheit, Chagas-Krankheit und viszerale Leishmaniose.

Firmen geben ihr Wissen frei

Weltweit leiden 1,4 Milliarden Menschen unter den vernachlässigten Tropenkrankheiten. Es sind vor allem die Ärmsten dieser Welt, die keinen Zugang zu medizinischer Hilfe haben. Ihnen soll nun mit einem Bündel an Maßnahmen geholfen werden. Künftig werden die Konzerne jährlich 1,4 Milliarden Behandlungen spenden. Bayer kündigte an, die Spenden des Wirkstoffes Nifurtimox für die Behandlung von Chagas zu verdoppeln, Merck will die Zahl der jährlich gespendeten Tabletten gegen die Tropenkrankheit Bilharziose von 25 Millionen auf 250 Millionen verzehnfachen. Sanofi wird zusammen mit Eisai Pillen zur Bekämpfung der Elefantenkrankheit bereitstellen und weitere Medikamente spenden.

Die Partner des Projekts werden 785 Millionen US-Dollar in die Erforschung und Entwicklung von neuen Medikamenten und in den Aufbau von Verteilungsnetzen stecken. Die Unternehmen stellen Forscher ab, die vor Ort neue Arzneien entwickeln und ihre Wirksamkeit überprüfen sollen. Vielleicht am bemerkenswertesten: Die Konzerne öffnen ihr Wissen und ihre Arzneimittelbaukästen für die Non-Profit-Organisation „Medikamente für vernachlässigte Krankheiten“, damit bessere neue Mittel entwickelt werden können.

„Ich bin zuversichtlich, dass mit diesen Anstrengungen fast alle vernachlässigten Krankheiten bis zum Ende dieses Jahrzehnts ausgerottet oder kontrolliert werden können“, sagte die Generaldirektorin der Weltgesundheitsorganisation, Margaret Chan. Das deutsche Medikamentenhilfswerk Action Medeor äußerte sich zurückhaltender. „Das ist ein Schritt in die richtige Richtung“, sagte eine Sprecherin. „Doch der Forschungs- und Entwicklungsbedarf ist enorm. Wir müssen abwarten.“

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