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In der Studie geht es etwa um den Befund, dass die Bedeutung der Pflege durch Angehörige tendenziell abnimmt.

Pflege

Pflegebeitrag muss weiter steigen

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Eine Bertelsmann-Studie warnt vor steigenden Kosten in der Pflege. Der Sozialverband VDK fordert den Umstieg auf eine Vollversicherung.

Gerade erst ist der Beitragssatz zur gesetzlichen Pflegeversicherung angehoben worden – um 0,5 Prozentpunkte auf 3,05 Prozent. Kinderlose zahlen zusätzlich unverändert einen Aufschlag von 0,25 Prozentpunkten. Die Bundesregierung geht davon aus, dass bis 2022 kein weiterer Beitragssatzanstieg mehr erforderlich sein wird. Diese Einschätzung wird nun von einer neuen Studie der Bertelsmann-Stiftung bestätigt. Doch die Autoren warnen vor weitreichenden Fehlschlüssen.

„Nach der erneuten Anhebung des Beitrags zur Pflegeversicherung mit Beginn des Jahres 2019 könnte der Eindruck entstehen, die Versorgung in diesem Bereich sei nun dauerhaft sichergestellt“, so Stefan Etgeton, Gesundheitsexperte der Bertelsmann-Stiftung. „Unsere Berechnungen zeigen aber, dass das auf längere Sicht nicht der Fall ist, wenn es bei den Rahmenbedingungen bleibt, die wir heute haben.“

Die neue Studie schreibt bereits sichtbare Entwicklungen für die Zukunft fort. Dabei geht es etwa um den Befund, dass die Bedeutung der Pflege durch Angehörige tendenziell abnimmt und immer mehr – teurere – ambulante und stationäre Leistungen in Anspruch genommen werden. Hinzu kommt die Alterung der Gesellschaft. Die Autoren rechnen für 2045 mit fünf Millionen Pflegebedürftigen. Zuletzt waren es 3,3 Millionen Menschen.

Der Beitragssatz würde laut Studie auf 3,25 Prozent im Jahr 2025 ansteigen. 2030 wären es bereits 3,55 Prozent und 2045 schließlich 4,25 Prozent. Allerdings könnte sich dieser Anstieg noch beschleunigen. Fußt die Prognose doch auf der Annahme, dass es zunächst nicht zu Leistungsausweitungen kommt. Tatsächlich ist aber für 2020 eine Überprüfung der Pflegesätze gesetzlich vorgeschrieben. Außerdem will die große Koalition eine bessere Bezahlung von Pflegekräften erreichen und setzt dabei auf einen allgemeinverbindlichen Tarifvertrag.

Die Frage ist nur, wie zusätzliche Ausgaben der Pflegeversicherung finanziert werden – über weiter steigende Eigenanteile für Pflegebedürftige und ihre Familien, über höhere Beiträge oder auf einem anderen Wege.

Der Sozialverband VDK fordert nun einen Umbau der Pflegeversicherung hin zu einer Vollversicherung. Vorbild wäre die gesetzliche Krankenversicherung, für die der Bund einen Zuschuss aus Steuermitteln zahlt. „Generell muss deutlich mehr Geld in die Pflegeversicherung fließen, etwa über einen stetigen, steuerfinanzierten Bundeszuschuss“, sagte VdK-Präsidentin Verena Bentele auf Anfrage. „Wir brauchen perspektivisch eine Pflegevollversicherung, in der die pflegebedingten Leistungen von der Solidargemeinschaft übernommen werden.“ Das Prinzip der gesetzlichen Krankenversicherung müsse auf die Pflegeversicherung übertragen werden.

Bentele sagte, Pflegebedürftige dürften finanziell immer stärker belastet würden. „Pflege ist bereits heute allzu oft ein Armutsrisiko. Weitere Kostensteigerungen in der Pflege dürfen daher nicht zu einer höheren Belastung der Pflegebedürftigen und ihrer Familien führen“, fordert die VDK-Präsidentin. Die Pflegeversicherung sei von vornherein als Teilkostenversicherung und damit als bloßer Zuschuss zu den tatsächlichen Pflegekosten konzipiert gewesen. Das wesentliche Ziel, zu verhindern, dass durch Pflegebedürftigkeit weite Teile der Bevölkerung von Sozialhilfe abhängig werden, werde heute jedoch nicht mehr erreicht, so Bentele.

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