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Peruanischer Bauer verklagt RWE

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Saul Luciano Lliuya, Bergführer in den Anden, sieht seine Heimat durch einen schmelzenden Gletscher bedroht.
Saul Luciano Lliuya, Bergführer in den Anden, sieht seine Heimat durch einen schmelzenden Gletscher bedroht. © AFP

Ein peruanischer Kleinbauer verklagt den Kohlekonzern RWE als Teilverursacher des Klimawandels. Vor dem Landgericht Essen könnte es zum Prozess kommen.

Von Jacqueline Rother

Wenn Saul Luciano Lliuya, 36, morgens in seinem Haus nahe der Stadt Huaraz in den peruanischen Anden aufwacht, kann er froh sein, dass es überhaupt noch steht. Er will dafür sorgen, dass das so bleibt. Deswegen hat der Bergführer den deutschen Energieriesen RWE als Teilverursacher des Klimawandels verklagt.

Zu Prozessbeginn am Donnerstag ist er angereist und sitzt im Essener Landgericht gegenüber den Wirtschaftsbossen auf der Klägerbank. Er hat bereits einen ersten Erfolg erzielt, denn seine Klimaklage beschäftigt das Essener Landgericht noch länger. Es setzte am Donnerstag einen neuen Termin für Mitte Dezember fest. Dann soll sich der weitere Verlauf des Verfahrens entscheiden.

Der Bergführer und Kleinbauer hat eigentlich ein einfaches Anliegen: Er muss jeden Tag Angst haben, dass sein Haus von einer 30 Meter hohen Flutwelle weggespült wird, die durch den ansteigenden Wasserpegel des nahegelegenen Gletschersees entsteht. Die Ursache sei der Klimawandel, sagen er und seine Vertreter. Die steigenden Temperaturen lassen die Schneemassen langsam schmelzen, sie drohen ins Tal zu stürzen. Dass dies ein reales Risiko ist, haben wissenschaftliche Simulationen der Universität Texas ergeben. Von dieser Katastrophe könnten bis zu 50 000 Menschen betroffen sein. Luciano wird von der Umweltschutzorganisation Germanwatch und der Hamburger Rechtsanwältin Roda Verheyen unterstützt, die auf Klimaschutz- und Umweltrecht spezialisiert ist. „Dies ist ein Präzedenzfall, der bei einem Erfolg weltweit weitere Klagen gegen Mitverursacher des Klimawandels nach sich ziehen könnte“, sagt sie. Vor Gericht wirke der Fall abstrakt, aber für Luciano sei es die Realität, wenn seine Heimat weggespült werde. Verheyen hat weitere Anfragen ähnlicher Art aus Nepal, Bangladesch und Indien erhalten.

Die Forderung: 17.000 Euro

„Ich bin froh, aktiv geworden zu sein und nicht einfach zu warten, was passiert“, sagt Luciano. „Der Klimawandel betrifft alle Länder der Welt, wir müssen uns deswegen für die Gerechtigkeit einsetzen.“ Der 36-jährige Bergführer fordert aber keine horrenden Summen vom Energiekonzern, sondern lediglich 17 000 Euro. Das ist ein Teil der Summe, die für Schutzmaßnahmen vor einer Flutwelle nötig wäre und entspricht nach Lucianos Ansicht dem RWE-Anteil am Klimawandel. Noch sei kein Schaden entstanden, sagt er. Einige Schläuche, die als Abpumpsystem dienen, seien installiert worden, würden aber nicht reichen. Ein Damm sei nötig.

Dass Luciano gegen RWE klagt, ist bis zu einem gewissen Grad zufällig, denn viele Großkonzerne fördern mit hohen Treibhausgasausstößen den Klimawandel. Diesen Konzern auszusuchen, sei keine notwendige Auswahl gewesen, es hätte auch Shell sein können, sagt Verheyen. Es gebe eine Liste mit den 90 weltweit größten privatwirtschaftlichen Unternehmen, die zusammen einen Großteil der Treibhausgase verursachen. Da seien zum Beispiel Texaco, Shell und BP dabei. „RWE ist Europas größter CO2-Einzelemittent.“

Der Konzern hat bisher bestritten, dass es eine gesetzliche Grundlage gibt, auf der er für die Folgen des Klimawandels in den peruanischen Hochanden zur Verantwortung gezogen werden könnte. Der RWE-Anwalt erklärte, es gebe viele Ursachen für den Klimawandel – etwa Flugverkehr, Brandrodungen oder intensive Landwirtschaft. Zwischen dem Schadstoßausstoß von RWE und der Situation im Heimatort des Klägers gebe es keinen kausalen Zusammenhang. Der Vorsitzende Richter ließ nicht erkennen, in welche Richtung er neigen könnte. Er betonte aber, dass es zentral auf einen Zusammenhang zwischen den RWE-Schadstoffen und dem Gletscher beim peruanischen Dorf ankomme. (mit dpa)

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