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Alles nur Panikmache? Demo gegen Feinstaubbelastung.

Feinstaubdebatte

Persilschein für Diesel?

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Lungenärzte stoßen Debatte zu Grenzwerten beim Feinstaub an.

Ist die mit Stickoxiden und Feinstaub belastete Luft in den Städten gar nicht so gefährlich, wie Studien bisher ergeben haben? Sind die in vielen Großstädten drohenden Dieselfahrverbote daher unsinnig? Diese Debatte läuft seit einiger Zeit. Jetzt ist sie von einer Gruppe von Medizinern neu befeuert worden. Kritiker der Fahrverbote wie Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) und der Autoclub ADAC sehen sich bestätigt. Das Umweltbundesamt (UBA) hingegen sieht keinen Grund zur Entwarnung. 

Auslöser der neuen Debatte ist eine Stellungnahme von 107 Lungenfachärzten, die am Mittwoch veröffentlicht wurde. Darin äußern sie starke Zweifel an der wissenschaftlichen Methodik, mit der die Grenzwerte festgelegt wurden, die für die Luftbelastung in Deutschland und der EU gelten. Die Daten zur Gefahr durch Stickoxide und Feinstaub seien „extrem einseitig“ interpretiert worden, argumentieren sie. Weitere Faktoren, die die der schmutzigen Luft zugeschriebenen Lungen- und Herz-Kreislauf-Krankheiten auslösen könnten, hätten weitaus stärkere Auswirkungen auf die Lebenserwartung der Bürger – wie Rauchen, Alkoholkonsum und zu wenig Bewegung.

Aktueller Auslöser der Kritik ist ein Positionspapier der zuständigen Fachgesellschaft der Lungenärzte, der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DPG) von Ende 2018. Darin hatte die DPG, die 3800 Mitglieder hat, die Gefahren durch die Luftschadstoffe aus Verkehr, Landwirtschaft sowie Industrie unterstrichen und Regularien und Anreize zu deren Reduktion gefordert. Pikant ist, dass die aktuelle Initiative von einem ehemaligen DPG-Präsidenten ausgeht, dem Mediziner Dieter Köhler. Die DPG erklärte nun, man sehe die Kritik „als Anstoß für neue Forschungsaktivitäten und eine kritische Überprüfung“. 

Scheuer spürt Oberwasser

Grundlage der Grenzwerte sind statistische Berechnungen, wonach die Schadstoffe für eine hohe Zahl von Krankheiten und dadurch ausgelösten vorzeitigen Todesfällen verantwortlich sind. Laut UBA fordern Feinstaub und Stickoxide (NOx) trotz eines Rückgangs der Belastung in den vergangenen Jahren zusammen jährlich über 50 000 Tote. 

Das Amt betonte nun auf Anfrage, man sei „immer offen für neue wissenschaftliche Erkenntnisse“. Derzeit lägen aber keine Studien vor, die die Ergebnisse etwa zu den NOx-Folgen in Frage stellten. Diese seien nach einer Methode der Weltgesundheitsorganisation ermittelt worden. „Wir sehen daher auch keinen Grund, die auf europäischer Ebene festgelegten Stickstoffdioxid-Grenzwerte infrage zu stellen“, sagte UBA-Chefin Maria Krautzberger. 

Scheuer hingegen spürt Oberwasser. Er erwartet, dass die Mediziner-Initiative „Sachlichkeit und Fakten in die Diesel-Debatte“ bringen werde. Und der ADAC forderte die EU auf, die wissenschaftliche Grundlage ihrer Grenzwerte rasch zu überprüfen. 

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