Rentner sind im Ruhestand gegenüber ehemaligen Staatsdienern im Nachteil.
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Rentner sind im Ruhestand gegenüber ehemaligen Staatsdienern im Nachteil.

Altersversorgung

Pension top, Rente flop

  • Tim Szent-Ivanyi
    vonTim Szent-Ivanyi
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Jeder zweite Rentner hat im Alter weniger als 1000 Euro. Staatsbedienstete sind gut versorgt.

Zwischen gesetzlichen Renten und Beamtenpensionen besteht eine tiefe Kluft. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine parlamentarische Anfrage der Linken-Bundestagsfraktion hervor, die dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) vorliegt. Danach liegt mehr als jede zweite gesetzliche Rente (56,2 Prozent) unter 1000 Euro. Fast ein Viertel (23,8 Prozent) der Rentner – das sind fast fünf Millionen Menschen – bekommt laut den Angaben der Regierung sogar weniger als 500 Euro aus der gesetzlichen Versicherung. Im Vergleich dazu sind nahezu zwei Drittel der Pensionen von Bundesbeamten (65,2 Prozent) oberhalb von 2000 Euro.

Bei den Pensionen der Bundesbeamten liegen 34,8 Prozent unter 2000 Euro, 45,6 Prozent zwischen 2000 und 3000 Euro, 14,6 Prozent zwischen 3000 und 4000 Euro, 3,0 Prozent zwischen 4000 und 5000 Euro und 1,9 Prozent über 5000 Euro.

Die Bundesregierung weist in ihrer Antwort allerdings darauf hin, dass in der gesetzlichen Rentenversicherung bereits nach einer Wartezeit von fünf Jahren ein Anspruch entstehe und somit auch viele geringe Renten ausgezahlt würden. Bei dem Vergleich müsse zudem berücksichtigt werden, dass Beamte in der Mehrheit über ein Hochschulstudium, Abitur oder eine qualifizierte Ausbildung verfügten. Zudem beinhalte die Beamtenpension auch die betriebliche Altersversorgung. „Es ist daher nicht verwunderlich, dass höhere Zahlbeträge in der Beamtenversorgung häufiger vorkommen als in der gesetzlichen Rentenversicherung“, schreibt die Parlamentarische Staatssekretärin im Arbeitsministerium, Kerstin Griese (SPD), in ihrer Antwort.

Linken-Fraktionschef Dietmar Bartsch sagte dem RND mit Blick auf die Zahlbeträge bei der gesetzlichen Rentenversicherung: „Wir steuern auf millionenfache Altersarmut zu.“ Die Menschen müssten besser bezahlt und im Alter besser abgesichert werden. „Löhne, die Hartz IV im Alter bedeuten, darf es nicht mehr geben“. Es sei verantwortungslos, dass die große Koalition nach der Verabschiedung ihrer „klein gerupften Grundrente“ die Rentenpolitik faktisch eingestellt habe und bis zur Wahl die Hände in den Schoss lege. Stattdessen sei es Zeit für eine Neuordnung des Rentensystems. „Nicht die Pensionen sind zu hoch, sondern die Renten zu niedrig“, sagte der Linken-Politiker.

Bartsch forderte erneut eine Rentenversicherung, in die auch Abgeordnete, Beamte und Selbstständige einzahlen. „Das wäre ein wesentlicher Punkt, die Finanzierung fairer zu gestalten, das Vertrauen in die gesetzliche Rente zu stärken und höhere Renten zu ermöglichen, insbesondere für Menschen, die jahrzehntelang eingezahlt haben und trotzdem mit ihrer gesetzlichen Rente kaum über die Runden kommen“, sagte er. Andere Länder in Europa machten das bereits vor. „Unsere Nachbarn Österreich und die Niederlande sichern ihre Bürger über die gesetzliche Rente deutlich besser ab als wir“, betonte der Linken-Fraktionschef.

Erst vor wenigen Tagen war durch eine weitere parlamentarische Anfrage bekannt geworden, dass derzeit etwa zehn Millionen Menschen zu wenig verdienen, um später eine Rente oberhalb der Grundsicherung zu erreichen. Für eine Rente oberhalb dieses Niveaus – im Durchschnitt aktuell 841 Euro – müssen Beschäftigte rechnerisch über 45 Jahre hinweg mehr als 23 886 Euro pro Jahr verdienen.

Dem Bundesarbeitsministerium zufolge erreichte im vergangenen Jahr rund ein Drittel der gut 33 Millionen Menschen, die sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind, ein solches Einkommen nicht. Grundsicherung im Alter bekommen Menschen, die so wenig eigenes Einkommen – einschließlich Rente und Vermögen – haben, dass es nicht für den Lebensunterhalt reicht. Auf Antrag stockt der Staat dann auf.

Angesichts vieler geringer Renten hatte der Bundestag Anfang Juli nach monatelangem Ringen die Grundrente beschlossen. Von ihr sollen 1,3 Millionen Menschen profitieren, davon etwa 70 Prozent Frauen. Begünstigt werden Menschen mit Minirenten, die mindestens 33 Jahre Rentenbeiträge aus Beschäftigung, Kindererziehung oder Pflegetätigkeit aufweisen. Durch den Zuschlag soll ihnen der Gang zum Sozialamt erspart werden.

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