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Jutta Maier.

Kommentar zu Arcandor

Pech für Eick

Eicks Intermezzo war vor allem PR in eigener Sache. Auch wenn der Topmanager damit scheiterte, Arcandor zu erhalten - eines unterscheidet ihn klar vom Vorgänger Thomas Middelhoff. Von Jutta Maier

Von Jutta Maier

Der Schaden durch die Arcandor-Pleite ist beträchtlich: Das Unternehmen wird in seine Einzelteile zerschlagen und verkauft, Beschäftigte verlieren ihre Jobs. Und auch die Bürger werden zumindest indirekt zur Kasse gebeten; nicht zuletzt durch die Zahlung des Insolvenzgeldes durch die Arbeitsagentur an die Arcandor-Angestellten.

Konzernchef Karl-Gerhard Eick dagegen kommt glimpflich davon. Finanziell steht er ohnehin auf der Gewinnerseite: Er ließ sich sein Millionen-Salär schon im Frühjahr für fünf Jahre durch die Privatbank Sal. Oppenheim absichern.

Diese stattliche Vergütung war sicherlich die Voraussetzung dafür, das Himmelfahrtskommando beim maroden Arcandor-Konzern anzunehmen. Die Bezüge entsprachen seinen Konditionen bei der Telekom, wo es Eick als Finanzchef gelang, den massiven Schuldenberg zu halbieren.

Doch es muss Eick gewurmt haben, dass er bei der Ernennung zum Chef des Telekommunikationsunternehmens zweimal übergangen wurde.

Einmal Konzernchef sein - dieser Wunsch erfüllte sich endlich bei dem Essener Handels- und Touristik-Unternehmen. Und auch wenn Eick letztlich damit scheiterte, Arcandor als Ganzes zu erhalten. Er hat gezeigt, dass er alle Register ziehen kann: Auftritte in Talkshows oder auf der roten Leiter vor Karstadt-Beschäftigten, feurige Appelle an die Bundesregierung, die Warenhäuser als essentiellen Bestandteil deutscher Innenstädte zu erhalten.

Doch just seine Medienkampagne in Kombination mit einem unwilligen Großaktionär Sal. Oppenheim wurde dem Manager zum Verhängnis: Die Bundesregierung statuierte an Arcandor ein ebenso medienwirksames Exempel: Seht her, nicht jedes beliebige Unternehmen kann mal eben Geld aus dem staatlichen Rettungsfonds abholen.

Und die Privatbank spielte nicht mit, als es darum ging, mehr Geld zur Rettung nachzuschießen. Doch anders als sein umstrittener Vorgänger Thomas Middelhoff wird es Eick wohl nicht allzu schwer haben, wieder einen neuen Job zu finden. Deshalb war Eicks Intermezzo bei Arcandor vor allem eins: PR in eigener Sache.

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