In den Ikea-Märkten gilt Maskenpflicht.
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In den Ikea-Märkten gilt Maskenpflicht.

Geschäftszahlen

Pax gibt es auch online

  • vonRolf Obertreis
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Ikea hat in der Krise aufs Internet umgesattelt. Es hat sich ausgezahlt.

Eine gigantische Steigerung im Online-Geschäft hat dem Möbelhändler Ikea das Geschäftsjahr gerettet. In Deutschland stieg der Umsatz des Unternehmens sogar um knapp ein Prozent auf einen neuen Rekordwert von 5,3 Milliarden Euro. Während in den deutschen Märkten knapp sieben Prozent weniger verdient wurde, wuchs das Internet-Geschäft um fast 75 Prozent auf 861 Millionen Euro, sagte Deutschland-Chef Dennis Balslev am Mittwoch. Zum Gewinn im Geschäftsjahr, dass Ende August ablief, machte Ikea keine Angaben.

„Am Ende war es doch ein sehr gutes Jahr. Deutschland bleibt für Ikea der größte und wichtigste Markt vor den USA“, sagte Balslev. Möglich sei dieser Erfolg nur gewesen, weil man sich nach der Schließung aller 53 Märkte am 16. März schnell umgestellt und Kunden binnen kürzester Zeit ermöglicht habe, im Internet zu bestellen und die Ware in den Märkten abzuholen.

Besonders stolz ist der Ikea-Chef darauf, dass sein Unternehmen ohne staatliche Hilfe und ohne Kurzarbeit durch die Krise gekommen ist. Auch Entlassungen seien nie ein Thema gewesen, betonte Balslev. Die Gehälter an die gut 20 200 Beschäftigten in Deutschland habe man immer voll ausgezahlt, auch einen Bonus werde es geben. Daneben konnte Ikea erneut 230 Millionen Euro investieren, in bestehende Märkte, in einen neuen Markt in Karlsruhe, in innerstädtische Planungsstudios in Berlin und Potsdam und in den Ausbau des Online-Angebots.

Dass das Jahr am Ende doch so gut gelaufen ist, habe er sich am 16. März nicht vorstellen können. Es sei der schlimmste Tag in seiner beruflichen Laufbahn gewesen, so Balslev. Mit einem Schlag habe Ikea 90 Prozent seiner Umsätze verloren. Durch die rasche Umstellung auf Online habe man das aber schnell abfedern können.

Im Durchschnitt haben die Kunden bei Online-Einkäufen im abgelaufenen Geschäftsjahr 251,07 Euro ausgegeben, 53 Prozent mehr als im Vorjahr. In den Märkten stagnierte die Durchschnittssumme dagegen bei 89,23 Euro. Der Anteil des Online-Umsatzes am Gesamtumsatz kletterte von gut neun auf mehr als 16 Prozent.

Für das neue Geschäftsjahr ist Balslev zuversichtlich, auch wenn der Markt in Deutschland hart umkämpft sei. Aktuell ist Ikea mit einem Anteil von 8,5 Prozent vor XXXL Lutz mit gut sieben Prozent Marktführer. Bis Dezember erwartet Balslev ein Umsatzplus von fünf Prozent. Im nächsten Jahr könne es dann langsamer vorangehen, sofern ein Impfstoff zur Verfügung stehe. „Vermutlich werden die Menschen dann wieder reisen und dafür mehr Geld ausgeben“, glaubt Balslev. Man werde weiter in die Preise „investieren“, sie würden im Schnitt um 0,7 Prozent sinken.

Problem sind für Ikea derzeit die Lieferketten. „Die Kunden fragen mehr nach als wir liefern können, dabei geben unsere Zulieferer ihr Maximum“, sagt Balslev. Ikea fasst deshalb den Bau neuer Produktionsstätten ins Auge.

Weltweit verbuchte die schwedische Möbelhauskette mit knapp 380 Märkten in 30 Ländern im vergangenen Geschäftsjahr einen Umsatz von gut 35 Milliarden Euro, ein Minus von vier Prozent. Online waren es 3,95 Milliarden und damit 60 Prozent mehr als im Vorjahr.

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