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Trumps Wirtschaftsberater Kudlow buhlt auf der Investorenkonferenz um neue Jobs.

USA

Patriotisch im Handelskrieg

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Bei einer PR-Show preisen Trumps Minister die USA als Wirtschaftsstandort. Doch hinter den Kulissen wächst die Sorge.

Mit seiner elliptischen Form könnte man den bläulich erleuchteten Konferenzsaal des Washingtoner Hilton-Hotels glatt für ein gigantisches Raumschiff halten. Mehr als tausend Wirtschaftsvertreter aus der ganzen Welt haben sich den halben Vormittag berichten lassen, wie großartig das Investitionsklima in Amerika ist, als US-Handelsminister Wilbur Ross die Bühne für einen besonderen Höhepunkt betritt: Der italienische Industrieregalbauer Modula will ein neues Werk in Ohio errichten und dort 100 Menschen beschäftigen. „Herzlichen Glückwunsch“, umwirbt Ross den Firmenchef: „Genau dafür ist diese Tagung gut.“

Einhundert Arbeitsplätze im Mittleren Westen der USA? In normalen Zeiten würde das allenfalls der Bürgermeister verkünden. Doch seit Donald Trump einen Handelskrieg angezettelt hat, herrscht nicht nur an den Börsen Unruhe. Kaum hat der US-Präsident die neuen Zölle gegen Mexiko verschoben, droht er China mit neuen Sanktionen und will französischen Wein mit Strafabgaben belegen. „Stellen Sie bitte keine so harten Fragen. Ich hatte einen anstrengenden Tag“, bittet Ross bei einer Pressekonferenz halb scherzhaft die Journalisten um Schonung. Doch im Raum sitzen überwiegend chinesische Kollegen. Prompt kommt die erste Frage zu den Zöllen.

Die dreitägige Investorenkonferenz „Select USA“ bietet jedes Jahr eine gigantische PR-Show des US-Wirtschaftsstandorts. Die Gouverneure von acht Bundesstaaten, fünf Minister aus dem Trump-Kabinett und Präsidententochter Ivanka persönlich umwerben ausländische Unternehmen, sich in den USA niederzulassen. Die Veranstaltung gleicht einer riesigen Fleischauktion. „Wir haben die niedrigsten Strompreise, die besten Arbeiter und das angenehmste Wetter“, wirbt Matt Bevin, der Gouverneur von Kentucky. „Wir bieten Ihnen mehr Freiheit als irgendein Land der Welt“, brüstet sich Trumps Wirtschaftsberater Larry Kudlow.

Während der 81-jährige Ross den freundlichen Grüßonkel gibt, profiliert sich Kudlow als Apologet des Protektionismus: „Wer in den USA investiert, muss sich über Zölle keine Gedanken machen“, behauptet er. Tatsächlich gehört ausgerechnet die US-Handelskammer zu den schärfsten Kritikern von Trumps Politik: Der „Einsatz von Zöllen als Waffen“ schaffe große Unsicherheit und schade der Wirtschaft, hat ihr Chef gerade Alarm geschlagen. Die Autobauer warnen seit Monaten vor den angedrohten Zöllen. Und die republikanischen Senatoren drohen Trump mit einem Aufstand, falls er das Nachbarland Mexiko mit Strafabgaben belegt.

Doch umso lauter preisen die Kabinettsmitglieder und republikanischen Gouverneure auf der Konferenz den unberechenbaren Protektionisten im Weißen Haus. „Kann sein, dass die Börsen ein bisschen zittern, aber am Ende wird das gut ausgehen“, erklärt Oklahomas Gouverneur Kevin Stitt dem deutschen Reporter. Es klingt wie das Pfeifen im Walde. Wie er sich erklärt, dass viele Experten anderer Meinung sind? „Ich bin patriotischer“, antwortet der Ex-Geschäftsmann ernsthaft: „Ich unterstütze den Präsidenten.“

Sein Amtskollege Mike DeWine aus Ohio wischt Bedenken ebenso locker beiseite: „Ach wissen Sie: Die Diskussion über Zölle geht vor und zurück. Egal was passiert: Ohio bleibt ein sehr guter Platz für Investitionen.“ Und was ist mit China, dessen Investitionen in den USA seit 2016 um 90 Prozent geschrumpft sind? „Wir wollen weiter gute Beziehungen“, verkündet DeWine fröhlich.

Es wirkt, als habe das Konferenz-Raumschiff endgültig abgehoben. Doch vor der Tür kann man realistischere Einschätzungen hören. Am Ausstellerstand von Idaho wartet zum Beispiel Shawn Barigar auf Interessenten. Der Mann ist Bürgermeister der 44 000-Einwohner-Stadt Twin Falls und hat dort den Joghurt-Hersteller Chobani angesiedelt. Landwirtschaftliche Produkte sind nun vom Handelskrieg besonders betroffen. Barigar gibt sich Mühe, die Vorzüge seiner Heimat anzupreisen. Doch dann gesteht er ein: „Natürlich schafft die derzeitige Rhetorik erhebliche Unsicherheit. Wir haben leider keinen Einfluss darauf. Wir können nur hoffen, dass es bald vorbei ist.“

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