Schlecht für Patienten

Patent verlängert

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Pharmakonzern Gilead darf ein Medikament gegen Hepatitis C weiter extrem teuer verkaufen.

Das Europäische Patentamt hat ein umstrittenes Schutzrecht auf einen Wirkstoff für ein hochwirksames Monopol-Medikament gegen Hepatitis C in einem geänderten Umfang aufrecht erhalten. Das teilte die Behörde mit Sitz in München ohne weitere Erläuterung mit.

Angefochten worden war das Patent von Ärzte ohne Grenzen, Ärzte der Welt und anderen Organisationen im Zuge einer weltweiten Kampagne für bezahlbare Medikamente. Patentinhaber ist der US-Pharmakonzern Gilead, der seine Hepatitis-Pillen nun ohne wesentliche Einschränkungen weiter zu hohen Preisen anbieten kann. Für eine Tablette verlangt der Konzern von Krankenkassen bis zu 488 Euro und hält das für gerechtfertigt.

Auch in reichen Ländern wie Großbritannien, der Schweiz oder Frankreich wird das Medikament, das unbestritten einen Durchbruch bei der Bekämpfung von Hepatitis C darstellt, deshalb kontingentiert. Nicht alle Erkrankten erhalten es. Die Patentgegner halten deshalb an ihrer Kritik fest. Sogar in Europa seien hunderttausende aus Kostengründen von einer Behandlung mit dem Wirkstoff Sofosbuvir ausgeschlossen, betont Ärzte der Welt und sieht einen Missbrauch des Patentsystems. Allein in Europa habe Gilead durch das 2014 hier auf den Markt gebrachte Medikament schon 8,5 Milliarden Euro kassiert.

„Wir sehen die Entscheidung des Europäischen Patentamts mit großer Sorge“, erklärte der Chef der Ärzte der Welt-Medikamentenkampagne, Olivier Maguet. Das europäische Patentsystem funktioniere bei Medikamenten nicht. So stünden mehrere hochwirksame Krebsmedikamente unmittelbar vor der Markteinführung oder werden bereits angeboten, deren Preis sogar zehnmal höher liege als der von Sofosbuvir. Es sei nun an den Regierungen Europas, das Patentsystem so zu verändern, dass Menschen nicht in zunehmendem Maße von lebenswichtigen Medikamenten ausgeschlossen bleiben. In China, Ägypten und der Ukraine wurde das umstrittene Patent auf einen Bestandteil des Sofosbuvir-Wirkstoffs bereits zurückgenommen.

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