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Klaus Schwab (Mitte) auf dem World Economic Forum.

Gipfelspitzen

Party in Davos

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Beim Weltwirtschaftsforum hauen (fast) alle ordentlich auf die Pauke. Auch bei den Preisen.

3 Schweizer Franken kostet die holzgetäfelte Ferienwohnung pro Tag, 47 Euro – wunderbarer Blick über den zugefrorenen Davoser See und das verschneite Tal inklusive. Die Vermieterin hält nichts davon, ihre Preise anzuheben, nur weil, wie jeden Januar, das Weltwirtschaftsforum (WEF) in dem Bergstädtchen tagt.

Eine solche Bodenhaftung ist dem WEF, und vielen, die mit ihm zu tun haben, insgesamt fremd. Immer wieder gibt es Beschwerden, dass die Hotelpreise durch die Decke gehen, wenn der Gipfel der Politik- und Wirtschaftselite stattfindet. Vermieten sehr gute Herbergen ein Zimmer normalerweise für 500 Euro pro Nacht, darf es zur Zeit des Kongresses auch das Dreifache sein. Die Konzernchefs bezahlen es ja. Mancher private Eigentümer denkt sich: „Das kann ich auch“ – und bietet seine Privatwohnung für 5000 Franken pro Woche an.

Am Ortseingang gibt es dann einen improvisierten Hubschrauberlandeplatz, bewacht von der Schweizer Armee. Den Spitzenpolitikern und Vorstandsvorsitzenden will man die Fahrt vom Zürcher Flughafen ersparen. Und nicht wenige Geschäfte an der Promenade, der Hauptstraße, schließen drei Wochen lang komplett, räumen alles aus und lassen eine Unternehmensberatung einziehen, die ein WEF-Café für ihre Geschäftskunden eröffnet.

Auch WEF-Chef Klaus Schwab und seine Leute hauen ordentlich auf die Pauke. Ihr Motto lautet: „Verpflichtet die Welt zu verbessern“. Darunter geht es nicht. Die Überschrift des diesjährigen Kongresses setzt noch einen drauf: „Globalisierung 4.0: Auf der Suche nach einer globalen Architektur im Zeitalter der Vierten Industriellen Revolution“.

Ein großer Anspruch auf Politik und Gestaltung. Wobei das Forum nicht annähernd weiß, wie sie aussehen könnte, diese neue Architektur. Der einzige konkrete Vorschlag lautet: Lasst uns „globale Dialoge“ führen, an denen alle relevanten Gruppen teilnehmen dürfen. Und wo sollen diese Gespräche stattfinden? Genau. Hauptsache, alle kommen nach Davos.

Letztlich ist Schwab der Chef eines – despektierlich ausgedrückt – Partyservices. Angemessener ist: Eventmanager. Und das kann er nach mittlerweile 40 Jahren Berufserfahrung und im Besitz eines dicken Telefonbuches mit Promi-Nummern wirklich gut. Allerdings haben Eventmanager wenig Einfluss darauf, was ihre Gäste in den übrigen 51 Wochen des Jahres tun oder lassen.

Hannes Koch berichtet in den kommenden Tagen für die Frankfurter Rundschau vom World Economic Forum aus Davos.

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