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Je ähnlicher die Einkommen, desto besser die Beziehung.

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Elite bleibt bei Parship unter sich - ein Grund für die wachsende Ungleichheit 

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Partner-Vermittlungsportale wie Parship oder Elitepartner bilden ab, was Soziologen schon lange beobachten: Gleich und gleich gesellt sich gern. Das gilt auch fürs Einkommen - und verschärft die Ungleichheit in der Gesellschaft.

Die Liebe ist das eine, das liebe Geld das andere. Wer zusammen leben will, für den stellt sich unweigerlich die Frage, wie das Finanzielle geregelt wird. Zwei von drei Frauen legen besonderen Wert auf ihre Unabhängigkeit in Gelddingen, wie aus einer aktuellen Umfrage des Vermittlungsportals Elitepartner hervorgeht. 

Andererseits gibt jeder dritte Mann an, dass er seine Partnerin mitfinanziere. Generell scheint in Beziehungen Geld weiterhin ein schwieriges Thema zu sein: Nur vier von zehn Liierten sagen von sich, sehr offen über Geld zu reden – und jedes zehnte Paar streitet sich sogar häufig über finanzielle Fragen.

Parship und Elitepartner: Gleich und gleich gesellt sich gerne

Historisch gesehen gleichen sich die finanziellen Möglichkeiten von Mann und Frau in einer Partnerschaft eher an. Denn in entwickelten Ländern heiraten die Menschen immer häufiger Partner mit ähnlichem Bildungshintergrund und vergleichbarem beruflichem Erfolg, also auch Gehalt. 

Ein wesentlicher Grund dafür: Frauen gehen häufiger an die Universitäten als vor 50 Jahren und lernen dort Männer kennen, die später häufig gut verdienen werden. Umgekehrt führt das dazu, dass die Männer seltener Frauen heiraten, die im Verkauf oder der Fabrik arbeiten.

Elitepartner: Wer ein Profil anlegt, muss auch sein Gehalt angeben

Diesen Trend dürfte das vergleichsweise junge Phänomen der Partnervermittlungsportale noch verstärken. Wer bei Elitepartner ein Profil anlegt, muss in einem umfangreichen Fragebogen auch sein Gehalt angeben. „Wir fragen das jährliche Brutto-Einkommen in acht Gehaltsstufen ab“, erläutert Lisa Fischbach, Leiterin Forschung und Matchmaking, das Verfahren.

 „Beim Einkommen wird das Ähnlichkeitsprinzip zugrunde gelegt, das heißt in diesem Fall, dass Mitglieder, die in ihrem Einkommen eher ähnlicher verdienen, mehr Matchingpunkte erhalten als diejenigen, die sehr weit auseinanderliegen“, so Fischbach.

Elitepartner und Parship: So funktioniert die Empfehlung 

Wer passt zu wem?

Bei Parship haben die Nutzerinnen und Nutzer die Möglichkeit, auf eigene Faust zu suchen, oder sich Empfehlungen nach dem Parship-Prinzip anzeigen zu lassen. Bezogen auf das Einkommen bedeutet das, dass Frauen Männer angezeigt bekommen, die „bis zu eine Gehaltsgruppe unter oder zwei Gruppen über dem eigenen Einkommen liegen“, so eine Parship-Sprecherin. Männer wiederum bekommen Frauen angezeigt, deren Einkommen bis zu zwei Gehaltsstufen unter dem ihrigen liegen – oder eine Gehaltsstufe darüber.

Warum sozialer Aufstieg durch Heirat schwieriger wird

Die Vermittlungsportale bilden damit das ab, was Soziologen schon lange beobachten: Frauen heiraten nach oben und Männer tun sich schwer damit, wenn sie weniger als ihre Partnerin verdienen. Insgesamt aber gilt, je ähnlicher die Einkommen, desto besser die Beziehung.

Das hat jedoch den Nebeneffekt, dass sich die Akademikereinkommen auf immer weniger Haushalte konzentrieren. Es wird immer schwieriger, durch Heirat sozial aufzusteigen, denn die Elite bleibt unter sich. Die „Tendenz zur Paarung unter Gleichen“ sieht die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung als einen Grund für die wachsende Ungleichheit in der Gesellschaft.

FR-Serie „Du gehörst zu mir“

Dieser Text ist Teil der FR-Serie „Du gehörst zu mir“.  In dem Jahr, in dem Deutschland den 70. Geburtstag des  Grundgesetzes feiert und den 30. Jahrestag des Mauerfalls begeht, fragt die Frankfurter Rundschau: Was hält in Deutschland, in Europa die Gesellschaft zusammen? Was lässt sich tun, um Spaltungen zu überwinden? 

Das Serien-Thema wird in den Sommermonaten von allen FR-Ressorts mit jeweils eigenen Schwerpunkten bearbeitet. Die Politik-Redaktion widmet sich „Grenzgängern“: Es geht um Menschen, die Barrieren überwinden – staatliche, ethnische, materielle, physische oder einfach die Vorurteile im eigenen Kopf. Das Panorama-Ressort hat sich gefragt, wer oder was gehört „Mit Haut und Haar“ zu uns? Und was bedeutet das? Um Symbiosen geht es im Schwerpunkt der Sport-Redaktion, die unter anderem die Wirkung des Fußballs auf die Gesellschaft betrachtet. Die Wirtschaft wiederum beschäftigt sich mit Spaltungstendenzen, die vom derzeitigen Wirtschaftssystem ausgehen, und fragt, wie ihnen begegnet werden kann. 

Alle Schwerpunkte  sowie die Sonderseiten zu Grundgesetz, Europawahl  und - ab dem Spätherbst - zum Mauerfall können Sie kostenlos als PDF herunterladen: FR.de/zumir.

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