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Datenleak

Pandora Papers: Wirtschaftsbosse und Politiker - so wird das Vermögen versteckt

  • Anna Charlotte Groos
    VonAnna Charlotte Groos
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Die Pandora Papers offenbaren den geheimen Reichtum von zahlreichen Politiker:innen und anderen Eliten. Doch worum geht es genau bei diesem Datenleak? Ein Überblick.

Frankfurt – Hunderte Politiker:innen, Amtsträger:innen, Firmenvorstände und Spitzensportler:innen in aller Welt sollen jahrelang Finanzdienstleistungen genutzt haben, um ihre Vermögen und Wertgegenstände zu verbergen. Das geht aus Unterlagen („Pandora Papers“) hervor, die internationale Medien, darunter die Süddeutsche Zeitung, der NDR sowie WDR ausgewertet und am Sonntagabend (03.10.2021) veröffentlicht haben.

Nach Angaben der daran beteiligten Medien handelt es sich bei den Pandora-Papers um geheime Dokumente von insgesamt 14 Finanzdienstleister:innen, die sogenannte Offshore-Dienste anbieten. Diese arbeiten in Steueroasen, also Gebieten oder Staaten, die keine oder besonders niedrige Steuern auf Einkommen oder Vermögen erheben.

Pandora Papers: Wer nutzte die Finanzdienste und woraus besteht das Datenleck?

330 Politiker:innen und Amtsträger:innen aus fast 100 Ländern sollen die Dienste genutzt haben, darunter allein 35 derzeitige oder ehemalige Staats- und Regierungschef:innen, wie die Deutsche Presse-Agentur am Montag (04.10.2021) berichtete.

Die Lecks sollen aus fast 12 Millionen Dokumenten, Bildern und E-Mails bestehen, die bis ins Jahr 2021 reichen. Es handle sich um das „bislang größte Datenleck zu Geschäften in Steueroasen“ in einer Dimension von rund 2,9 Terabyte, so die beteiligten Medien.

Pandora Papers: Wer ist an der Aufdeckung beteiligt?

Die Pandora Papers wurden dem Internationalen Konsortium für Investigative Journalistinnen und Journalisten (ICIJ) von einer anonymen Quelle zugespielt. Etwa 600 Journalist:innen haben die Dokumente für weltweit 150 Medien in den vergangenen zwei Jahren ausgewertet und die Ergebnisse nun veröffentlicht.

Das Konsortium wurde 1997 als Projekt des „Center for Public Integrity“ (CPI) gegründet. Das CPI ist eine gemeinnützige Organisation in den USA, die sich der Aufgabe verschrieben hat, „Machtmissbrauch, Korruption und Pflichtverletzung durch mächtige öffentliche und private Institutionen aufzudecken“.

Ein Verbund investigativer Journalist:innen hat mithilfe der „Pandora Papers“ die heimlichen Geschäfte von Politiker:innen und Prominenten in Steueroasen aufgedeckt. (Symbolbild/Archivbild)

Enthüllungen der Pandora Papers: Prominente Personen sind Profiteure der Offshore-Dienste

Die Pandora-Papers bringen gleich mehrere prominente Personen aus Politik und Wirtschaft in Bedrängnis. Darunter fallen unter anderem:

  • Laut BBC und der Tagesschau zählen unter anderem folgende Vorfälle zu den bisherigen enthüllten Geschichten:
  • Großbritannien: Ein prominenter Tory-Spender, der zu Boris Johnsons Wahlsieg beigetragen hat, war in einen der größten Korruptionsskandale in Europa verwickelt.
  • Großbritanniens Ex-Premier Tony Blair* soll laut den Panama-Papers hunderttausende Pfund Steuern gespart haben.
  • Jordanien: Abdullah II. bin al-Hussein, König von Jordanien, hat Immobilien in Großbritannien und den USA in Höhe von 70 Millionen Pfund durch heimliche Unternehmen erworben.
  • Aserbaidschan: Eine führende Familie Aserbaidschans war versteckt an Immobiliengeschäften in Großbritannien im Wert von mehr als 400 Millionen Pfund beteiligt.
  • Kenia: Der Besitz eines heimlichen Netzwerks von Offshore-Firmen der Familie des kenianischen Präsidenten Uhuru Kenyatta.
  • Tschechien: Ministerpräsident Andrej Babis hat 2009 über eine undurchsichtige Offshore-Konstruktion ein Herrenhaus und drei Hektar Land im südfranzösischen Städtchen Mougins an der Cote d‘Azur erworben.
  • Libanon: Führende Politiker aus dem Libanon sind betroffen, darunter Premierminister Najib Mikati, sein Vorgänger Hassan Diab, Riad Salameh, Chef der libanesischen Zentralbank und Marwan Kheireddine, Vorsitzender einer weiteren bedeutenden Bank des Landes. Das meldet die Nachrichtenagentur Al Jazeera.
  • Pakistan: Auch die Namen prominenter Politiker aus Pakistan fallen in den Pandora Papers, sowie Unterstützer und Großspender von Premierminister Imran Khan.
  • Russland: Wladimir Putins Geliebte Swetlana Krivonogikh soll laut den Pandora Papers ein vier Millionen Euro teures Apartment in Monaco über eine der Offshore-Dienste gekauft haben. Darüber hatte die zuerst die Washington Post berichtet.
  • Ukraine: Präsident Wolodymyr Selenskyi soll gemeinsam mit Geschäftspartnern Anteile an einer Briefkasten-Firma halten, die auf den britischen Virgin Islands gemeldet ist.
  • Insgesamt führen die Pandora Papers allein 35 Staatsoberhäupter auf, die in die Offshore-Aktivitäten verwickelt sein sollen, darunter neben den genannten die Präsidenten oder Regierungschefs von Gabun, Kongo, Elfenbeinküste, der Dominikanischen Republik, Ecuador, Montenegro und Katar.

Pandora Papers und das Verbergen von Reichtum: Wie funktionieren Offshore-Netzwerke?

Der englische Begriff „Offshoring“ bedeutet so viel wie „Auslandsverlagerung“. Unternehmerische Prozesse werden in andere Länder verlagert, in denen für die Firmen günstigere Rahmenbedingungen bezüglich Arbeitskosten oder Abgaben herrschen. Zum Beispiel kann jemand eine Immobilie in Großbritannien erwerben, diese aber über eine Kette von Unternehmen, die ihren Sitz in anderen Ländern haben, besitzen. Und somit in seinem eigenen Land steuerlich nicht geltend machen.

Offshore-Firmen werden auch „Briefkastenfirmen“ genannt. Diese existieren zwar rechtlich dem Namen nach auf dem Papier, betreiben aber keinen tatsächlichen Geschäftsbetrieb. Generell ist der Besitz einer Briefkastenfirma nicht illegal. Vermögenswerte können zum Beispiel zum Schutz vor kriminellen Angriffen oder zum Schutz vor instabilen Regierungen in anderen Ländern aufbewahrt werden. Häufig dienen derartige Firmen-Konstrukte aber der Geldwäsche oder Steuerhinterziehung und führen zu illegalem und verstecktem Besitz. Dies zeigen auch die Pandora Papers.

Verstecktes Vermögen in Steueroasen kostet Regierungen weltweit Milliarden von Dollar

Laut Schätzungen des ICIJ liegen insgesamt 5,6 Billionen bis 32 Billionen US-Dollar durch Offshore-Dienste versteckt. Der Internationale Währungsfonds erklärte gegenüber BBC, dass die Nutzung von Steueroasen Regierungen weltweit jedes Jahr bis zu 600 Milliarden Dollar an verlorenen Steuern kostet.

Bereits 2016 waren durch ein internationales Journalist:innen-Konsortium Unterlagen der panamaischen Anwaltskanzlei Mossack Fonseca – die sogenannten „Panama Papers“ – an die Öffentlichkeit gelangt*. Bereits damals wurde öffentlich, dass zahlreiche politische Eliten Vermögen in Offshore-Firmen versteckt hielten. 2017 passierte das gleiche mit den „Paradise Papers*“. Das neue Leak, die „Pandora Papers“ zeigen, dass „wir noch einen weiten Weg vor uns haben, Steuerbetrug und Geldwäsche über Briefkastenfirmen zu bekämpfen“, sagte der Finanzexperte Sven Giegold im Interview mit der Tagesschau.

(Anna Charlotte Groos) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Andriy Popov/imago-images

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