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Palmöl von Plantagen, die kleiner als fünf Hektar sind oder auf bisher „ungenutztem Gelände“ angelegt wurden, sind weiterhin zugelassen.

Palmöl

Rohstoff mit hohem Risiko

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Die EU hat die Beimischung von Palmöl zum Diesel als nicht nachhaltig eingestuft. Der Ausstieg müsste aber viel schneller erfolgen. Eine Analyse.

Palmöl als Diesel-Beimischung im Tank – das ist ein Irrweg. Einst wurde der Zusatz des „Bio-Kraftstoffs“, der vor allem in Indonesien, Malaysia und Kolumbien produziert wird, eingeführt, um den Sprit klimafreundlicher zu machen. Tatsächlich bewirkt er das Gegenteil. Die EU-Kommission hat aus dieser Erkenntnis nun die Konsequenzen gezogen und entschieden, dass der Einsatz von Palmöl auf dem aktuelle Niveau eingefroren und von 2023 bis 2030 schrittweise wieder auf Null heruntergefahren werden muss. Zu verdanken ist das unter anderem dem öffentlichen Druck, den unter anderem die NGO-Kampagne „NotInMyTank“ ausübte. Der Schritt war überfällig, allerdings gibt es noch ein Schlupfloch, das geschlossen werden muss.

Palmöl im Diesel gilt nach dem Brüsseler Beschluss künftig nicht mehr als „nachhaltig“, es wird als Rohstoff mit hohem Risiko für die Rodung von Regenwald eingestuft. Damit fördert die EU seine Nutzung im Verkehrssektor nicht mehr über die Erneuerbare-Energien-Richtlinie der EU. Allerdings gibt es Ausnahmen. So wird Palmöl von Plantagen, die kleiner als fünf Hektar sind oder auf bisher „ungenutztem Gelände“ angelegt wurden, weiterhin zugelassen.

Kritiker wie der Verband der deutschen Kraftstoff-Industrie befürchten, dass damit die Einfuhrbeschränkung von Großunternehmen durch Umdeklarierung ihrer Ware unterlaufen werden könnte. Sie fordert das EU-Parlament auf, das den Beschluss noch beraten muss, dieses Möglichkeit durch striktere Zertifizierungsvorschriften zu stopfen.

Klar ist jedoch: Die EU korrigiert aufgrund des öffentlichen Drucks ein Fehlentscheidung von 2003, als die neue Biokraftstoff-Richtlinie Tür und Tor auch für importiertes Palm- und Sojaöl im Verkehrssektor öffnete. Dessen CO2-Bilanz ist miserabel, laut einer Studie der Brüsseler NGO „Transport and Environment“ ist Palmöl dreimal und Sojaöl zweimal so klimaschädlich wie normaler Diesel. Hauptgrund dafür: Die Plantagen werden meist auf früheren Urwaldflächen und anderen Naturgebieten angelegt, wo durch das Roden und Abbrennen große Mengen an CO2 in die Atmosphäre gelangten. Studien zeigen, dass das zwischen 2008 und 2015 für fast die Hälfte der Plantagen galt. Auch die Artenvielfalt leidet stark unter der Ausweitung der Anbauflächen, zudem wächst die Flächenkonkurrenz zum Lebensmittel-Anbau. Das wiederum ist ein Risikofaktor für die Lebensmittel-Preise.

Die EU wurde durch den „Biosprit“-Ansatz nach Indien mit jährlich vier Millionen Tonnen zum weltweit zweitgrößten Importeur von Palmöl, wobei inzwischen mehr als die Hälfte der Menge in den Verkehrssektor geht. Diese Nutzung herunterzufahren ist überfällig, genauso wie der Ansatz, das Öl auch in den anderen Bereichen – Nahrung, Waschmittel, Kosmetik – soweit wie möglich durch weniger belastende Alternativen zu ersetzen oder auf streng öko-zertifiziertes Palmöl umzusteigen.

Allerdings ist die Auslauffrist bis 2030 für die Dieselbeimischung viel zu lange. Sie wurde offenbar gewählt, um die Anbauländer zu besänftigen – Malaysia hat bereits mit Gegenmaßnahmen gedroht. Deutschland sollte sich daher ein Beispiel von Frankreich nehmen, das die Palmöl-Nutzung im Diesel durch eine nationale Regelung bereits ab 2020 untersagt.

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