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Harter Job: TNT-Briefzustellerin in Aktion.

Briefdienst

Paketdienst TNT greift Post an

Die Post bekommt neue Konkurrenz auf dem hart umkämpften Briefmarkt: Der holländische Logistiker TNT will mit anderen Konkurrenten ein eigenes Zustellnetz aufbauen. Von Wolf Goldschmitt

Von Wolf Goldschmitt

Bonn. Postkonkurrent TNT rasselt mit dem Säbel. Der holländische Konzern will tiefer in den bundesweiten Briefmarkt einsteigen - durch eine strategische Partnerschaft mit den Medienunternehmen Holtzbrinck und Madsack sowie kleineren Botendiensten.

Noch bis Ende dieses Jahres soll ein flächendeckendes Zustellnetz auf den Weg gebracht werden. Der neue Verbund namens "Mail Alliance" macht einen Jahres-Umsatz von rund 370 Millionen Euro, die Post dagegen 14,3 Milliarden Euro.

"Das ist ein großer Schritt nach vorne", sagt der Präsident des Arbeitgeberverbands Neue Brief- und Zustelldienste, Florian Gerster, über die ehrgeizigen Pläne. Schon seit Juni beteiligt sich TNT an einer Reihe von regionalen Postunternehmen der Verlagsgruppe Holtzbrinck - darunter Firmen der ehemaligen Pin-Gruppe.

Zurückhaltender sieht Branchenfachmann Horst Manner-Romberg die Entwicklung. Grundsätzlich sei es von Vorteil, wenn sich mehr private Konkurrenz formiere. Allerdings warte der liberalisierte Briefmarkt nicht gerade auf das Konsortium unter TNT-Führung. Rund 500 der bundesweit etwa 900 privaten Briefdienste arbeiteten bei Geschäfts- und Werbepost auf regionaler Ebene bereits profitabel. Diese etablierten Wettbewerber, sagt Manner-Romberg, ließen sich nicht so leicht "die Butter vom Brot nehmen".

Die Verknüpfung unterschiedlicher Logistiknetze sei ein weiteres Problem der "Mail Alliance". Es fehle bisher an der Millionen Euro teuren Infrastruktur und an einem einheitlichen IT-System. Eine flächendeckende Versorgung aus dem Boden zu stampfen und ein zweites Briefnetz in Deutschland zu etablieren, sei ein ehrgeiziger Plan, warnt Manner-Romberg. Auch wegen der Wirtschaftskrise, die TNT hart getroffen und zu Jobstreichungen geführt habe.

Unklar ist, ob eine flächendeckende Postversorgung den Wettbewerber "Mail Alliance" künftig von der Mehrwertsteuer befreit. Dass bisher nur die Deutsche Post dieses Privileg nutzen darf, ärgert die Konkurrenz. Verbandssprecher Gerster sagt, die Steuerbefreiung sei ein Grund dafür, dass der Wettbewerb beim Postdienst "seit Jahren vor sich hindümpelt" und höchstens zehn Prozent der 70 Millionen Briefe täglich von Privatdiensten verteilt würden. Postexperte Manner-Romberg rechnet allerdings nicht mit einer Entlastung auf diesem Feld, sondern geht davon aus, dass sich auch die Deutsche Post bald vom Mehrwertsteuerprivileg verabschieden muss.

Die Deutsche Post bleibt angesichts der Kampfansage von TNT & Co. ruhig. "Wenn einer unsere Qualität erreichen will, muss er hohe Hürden nehmen", sagt Postsprecher Dirk Klasen. Schließlich stellten die 80 000 Briefträger über 90 Prozent der Sendungen bereits einen Tag nach Abgabe dem Empfänger zu. Klasen sprach von einer mutigen Entscheidung von TNT, in einen jährlich um zwei Prozent schrumpfenden Markt zu investieren.

Die Gewerkschaft Verdi mahnte bei "Mail Alliance" die Einhaltung des gesetzlichen Mindestlohns von 9,80 Euro an. TNT zahlt seinen Zustellern im Schnitt rund 7,50 Euro pro Stunde. Er habe nichts gegen neue Wettbewerber für die Post, aber nicht auf der Basis von Lohndumping, sagte Stefan Teuscher vom Verdi-Fachverband Postdienste.

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