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„Es geht um die Geisteshaltung“, sagt Sapprasert.

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Pahrada Sapprasert: „Alles tun, was man will“

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Wie Pahrada Sapprasert mit nur 30 Jahren zu einer der wichtigsten Investorinnen in Südostasien geworden ist – und dort das nächste Facebook oder Airbnb finden möchte.

Bachelor, Master, der erste Job bei einer angesehenen Bank – und dann die Kündigung. Pahrada Sapprasert schmeisst hin. Die Mittzwanzigerin hat keine Lust mehr auf den langweiligen Alltag in einem gewöhnlichen Geldhaus. Mameaw, so wird die junge Frau aus Bangkok von jedem genannt, will gründen, etwas aufbauen. Sie träumt den Traum vom eigenen Unternehmen.

In Thailand ist das vor einigen Jahren noch ein gewagter Traum. Und auch für Sapprasert erfüllt er sich nicht. Ist sie gescheitert? Nein, sie ist glücklich – und mit 30 Jahren eine der wichtigsten Investorinnen in Südostasien.

Denn Sapprasert arbeitet inzwischen für 500 Tuktuk, dem thailändischen Ableger des amerikanischen Wagniskapitalgebers 500 Startups. In den vergangenen Jahren haben Sapprasert und ihre Kollegen 70 junge Tech-Start-ups mit jeweils knapp 200 000 Dollar unterstützt.

Noch bevor sie ein eigenes Unternehmen gründen konnte, hatte 500 Tuktuks die junge Frau angeworben. Und Sapprasert bereut es nicht, das Angebot angenommen zu haben. „Wenn ich selbst gründe, bin ich erfolgreich oder ich scheitere. Aber als Investorin kann ich so vielen Unternehmerinnen und Unternehmern helfen“, sagt sie der Frankfurter Rundschau auf dem Zukunftsfestival Me Convention Mitte September in Frankfurt. Sie ist eine begehrte Sprecherin auf Konferenzen, seit das Magazin „Forbes“ sie 2018 zu den 30 einflussreichsten Investorinnen und Investoren unter 30 Jahren im asiatisch-pazifischen Raum zählte.

„Thailand ist besonders“

Für die inzwischen 30-Jährige sind Investitionen in junge Unternehmen aber nicht bloß Entwicklungshilfe. Jemand, der ein Straßenkaffee eröffnen will, bekäme von Sapprasert wohl keinen Kredit. Sie erwartet viel: Startups brauchen Geschäftsmodelle, die skalierbar sind – also nach den Anfangsinvestitionen ohne viel Mehraufwand schnell wachsen. Es gehe darum, dass sich der Firmenumsatz verzehnfacht, verhundertfacht, wie Sapprasert sagt: „Wir wollen das nächste Facebook, das nächste Airbnb, das nächste Uber finden.“

Sapprasert wächst in Thailand auf, geht in den USA zur Schule und studiert anschließend zunächst in Thailand und dann in London. Die vielen Ortswechsel haben sie sensibel gemacht für gesellschaftliche Unterschiede – zum Beispiel in Sachen Sexismus. „Thailand ist ein besonderes Land“, sagt sie. In kaum einem anderen Land gebe es mehr Frauen in wichtigen wirtschaftlichen Positionen. „Wir haben so viele weibliche CEOs – es ist wunderbar.“ Der Grund: In der thailändischen Kultur würden Frauen, insbesondere ältere, sehr geschätzt. „Es war ein Glücksfall für mich, hier zur Welt zu kommen.“

Keine Angst vor Technik

Auch das Startup- Ökosystem sei in Thailand und Südostasien besonders: „Es ist ein sehr familiäres Geschäft. Jeder kennt jeden, die Gemeinschaft ist klein.“ Aber Sapprasert betont: „Wir haben keine Angst, neue Technologien zu nutzen.“ In Europa seien die Menschen dagegen kritischer, Startups bewegten sich auf dem Markt nicht schnell genug.

„Mameaw“ Sapprasert ist eine freundliche Macherin. Sie kann sich durchsetzen, würde sich wohl auch von Männercliquen nicht ausbremsen lassen. „Es geht um die Geisteshaltung, dass man alles tun kann, was man will. Damit hatte ich nie Probleme.“ Das nächste Facebook hat Sapprasert zwar noch nicht gefunden. Aber die Suche macht ihr Spaß – und ganz ausschließen will sie nicht, dass es mit dem eigenen Unternehmen irgendwann doch noch klappt.

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