+
Bei P&R fehlen rund eine Million Container.

Container-Vermietung

Hoffnung für Senioren

  • schließen

Geschädigte P&R-Anleger könnten schnell Geld bekommen.

In der wohl größten deutschen Anlegerpleite aller Zeiten können Geschädigte bis Ende 2021 auf mindestens 560 Millionen Euro Rückzahlung hoffen. Diese Summe hat Insolvenzverwalter Michael Jaffe jetzt genannt. Gesichert habe er bereits 110 Millionen Euro durch die anhaltende Vermietung der Schiffscontainer, die P&R insgesamt 54 000 Gläubigern zur vermeintlich lukrativen Geldanlage verkauft hat. Mit weiteren 150 Millionen Euro Vermieterlös kalkuliert Jaffe bis Ende 2019. Insgesamt könne die Summe bis Ende 2021 auf 560 Millionen Euro anwachsen, falls die globalen Vermietmärkte für Container nicht überraschend einbrechen. Das klingt nach viel Geld, ist aber bei rund 3,5 Milliarden Euro, die Anleger in P&R investiert haben, nur gut ein Siebtel der gesamten Schadenssumme.

Das eigentlich Positive ist, dass schnell Geld fließen würde. Denn die P&R-Anleger sind vielfach Senioren, die mit den vermeintlich sicheren Rückflüssen aus der Anlage in Schiffscontainer ihren Lebensabend finanzieren wollten. Gut die Hälfte von ihnen ist älter als 60 Jahre, ein Drittel sogar über 70-jährig. Über die zu erwartenden 560 Millionen Euro hinaus würden wohl noch weitere Gelder auf die Konten des Insolvenzverwalters fließen, erklärte dessen Sprecher. Über die Dimension wollte er aber nicht spekulieren. Experten schätzen am Ende eine Insolvenzquote von maximal 25 Prozent. Damit wären drei Viertel aller Anlegergelder für immer verloren.

Voraussetzung für eine erste Abschlagszahlung an Geschädigte ist, dass sie dem von Jaffe ausgearbeiteten Vergleichsvorschlag zustimmen. Dazu verschickt der Insolvenzverwalter in den nächsten Tagen an alle Gläubiger zehntausende Schreiben. „Die Vergleichsvereinbarung kann nur umgesetzt werden, wenn sie von einer überragenden Mehrheit der Gläubiger akzeptiert wird“, stellt Jaffe klar. Eine Quote dafür nennt er nicht. Experten sagen, dass eine Zustimmung von mindestens 90 Prozent nötig ist, um die Vereinbarung umzusetzen und ab 2020 erste Gelder auszuzahlen.

Mit großem Gegenwind rechnet man im Umfeld der Insolvenzverwaltung nicht und glaubt an ein Durchwinken des Vergleichsvorschlags. Ein Indiz dafür ist das Votum der Gläubigerausschüsse der insgesamt vier deutschen P&R-Gesellschaften. Die haben Jaffes Vergleich schon einstimmig abgenickt. Ob das nun auch die Gläubiger selbst tun, wird wohl angesichts zigtausender Antworten nicht vor Ende Mai feststehen, warnt der Insolvenzverwalter vorsorglich vor.

Sein Wirken darf bislang als durchaus erfolgreich gelten. Erfahrene Insolvenzexperten hatten noch 2018 geschätzt, dass erstes Geld an geschädigte Anleger nicht vor 2022 fließen wird. Schwierig war die Ausgangslage auch, weil die P&R-Führungsgesellschaft in der Schweiz sitzt, wo deutsches oder EU-Recht nicht gilt. Nach einigem juristischen Tauziehen erhielt Jaffe aber Zugriff auf die Geschäftsanteile der Schweizer P&R-Muttergesellschaft.

Fachleute sprechen im Fall P&R von einer Kriminalinsolvenz, also einem kriminellen Zutun der handelnden Akteure. Das wird allen voran P&R-Gründer Heinz Roth zur Last gelegt, gegen den die Staatsanwaltschaft München Anklage wegen gewerbsmäßigen Betrugs erhoben hat. P&R hat Anlegern 1,6 Millionen Container verkauft. Jaffe hat aber nur rund 600 000 dieser Transportboxen vorgefunden. Eine Million Container sind also nie angeschafft oder wieder verkauft worden, um Zahlungen an Anleger so lange wie möglich aufrechtzuerhalten.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare