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Amazon-Mitarbeiter bei einem früheren Protest in Berlin.

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Osterstreik bei Amazon - auch Hessen betroffen

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Beschäftigte an vier Standorten des Onlinehändlers haben die Arbeit niedergelegt.

Jetzt streiken sie wieder, und es wird bestimmt nicht der letzte Ausstand sein. Beschäftigte an vier Standorten des Onlinehändlers Amazon haben am Montag die Arbeit niedergelegt. In den Auslieferungslagern in Rheinberg und Werne (beide in Nordrhein-Westfalen) soll dies bis einschließlich Donnerstag fortgeführt werden. In Koblenz wurde nur am Montag gestreikt. Im nordhessischen Bad Hersfeld, der größten Amazon-Niederlassung hierzulande, wird der aktuelle Arbeitskampf noch am Dienstag fortgesetzt. „Die Beschäftigten geben nicht auf“, sagte Stefanie Nutzenberger – sie gehört zum Vorstand der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi. Man wolle damit die „Willkür eines Handelsunternehmens beenden, das seine Beschäftigten mit Arbeitshetze und umfassenden Kontrollen unter Druck setzt“.

Der Konflikt zwischen der Gewerkschaft und dem Onlinegiganten schwelt seit 2013. In Zeiten mit erhöhtem Bestellaufkommen – wie vor Osten oder vor Weihnachten – flammt er immer wieder auf. Verdi verlangt, dass auch die Amazon-Beschäftigten nach den Flächentarifverträgen des Einzelhandels bezahlt werden. Nutzenberg spricht von „existenzsichernden Löhnen und guten Arbeitsbedingungen“. 

Das Amazon-Management zahlt in Anlehnung an die niedrigeren Tarife der Logistikbranche: 10,78 Euro pro Stunde sind der Standard. Zwar können Boni hinzukommen. Ansonsten geht es aber nicht viel weiter nach oben. Nach zwei Jahren können Beschäftigte auf knapp 2400 Euro brutto pro Monat kommen. Festangestellte erhalten 28 Tage bezahlten Urlaub im Jahr. Eine betriebliche Altersvorsorge sowie Berufsunfähigkeitsrenten kommen hinzu.

Amazon verspricht: Keine Verzögerungen für Kunden

Laut Amazon müssen Kunden trotz der Streiks in den nächsten Tagen keine Verzögerungen bei der Auslieferung von Bestellungen fürchten. Die Mehrzahl des Personals werde zur Arbeit kommen. In den elf deutschen Logistikzentren werde am oberen Ende dessen gezahlt, was für vergleichbare Tätigkeiten üblich sei, sagte ein Amazon-Sprecher. Er fügte hinzu, dass es möglich sei, auch ohne Tarifvertrag ein „fairer und verantwortungsvoller Arbeitgeber“ zu sein.

Dass an den beiden Standorten in Nordrhein-Westfalen bis Donnerstag gestreikt wird, hat damit zu tun, dass an diesem Tag in dem Bundesland die Tarifrunde für den Einzelhandel beginnt. Tags zuvor geht es bereits in Baden-Württemberg los. Verdi fordert mindestens einen Euro mehr pro Stunde. Auf die Tarife für den Südwesten umgemünzt, bedeutet dies eine Forderung nach 6,5 Prozent mehr Geld, aber als Minimum 163 Euro mehr pro Monat. 

Nach Ansicht von Bernhard Franke, Verdi-Verhandlungsführer in Baden-Württemberg, ist ein kräftiger Schub beim Gehalt nicht nur für die Amazon-Leute dringend nötig – auch wegen steigender Inflationsraten. Mehr als zwei Drittel der Beschäftigten mit Vollzeitstellen würden nicht mehr als knapp 2600 Euro pro Monat verdienen. Der Einstiegsstundenlohn liegt bei 10,63 Euro pro Stunde – also unter der Bezahlung bei Amazon.

Beinahe genauso wichtig wie ein Lohnplus ist den Gewerkschaftern, dass der neue Tarifvertrag für allgemeinverbindlich erklärt wird, also für alle Unternehmen der Branche gilt. Dafür ist die Bundesregierung zuständig. Voraussetzung ist aber, dass dies von den Gewerkschaftern und den Arbeitgebern gemeinsam beantragt wird. Fraglich ist, ob es soweit kommt. Verbindliche Löhne gab es im Einzelhandel schon früher einmal. Doch immer mehr Firmen tun es Amazon gleich. Weitere bekannte Vorbilder sind Real und Kaufhof. Laut Franke halten sich im Einzelhandel nur noch 18 Prozent der Betriebe an den Tarifvertrag. Das hat damit zu tun, dass viele eben wegen Amazon schwer zu kämpfen haben – ein relativ niedriges Lohnniveau ist ein maßgeblicher Wettbewerbsvorteil.

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