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Es werde Licht: Blick in die Produktion von Osram.

Lichtkonzern

Osram wird nicht chinesisch

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Eine Mehrheitsübernahme ist vom Tisch. Osram selbst schweigt, im Unternehmen selbst mit seinen 24 000 Beschäftigten ist allerdings ein Durchatmen spürbar.

„Das werden heiße Wochen bis Weihnachten“, hatte ein Aufsichtsrat des Münchner Lichtkonzerns Osram vor acht Wochen vorhergesagt. Bis dahin werde sich nämlich entscheiden, ob chinesische Investoren ein offizielles Übernahmeangebot für die Siemens-Abspaltung vorlegen. Der Mann lag richtig, die Entscheidung ist offenbar gefallen. Osram gerät mehrheitlich zumindest auf absehbare Zeit nicht in chinesische Hände. Zumindest gilt das für die beiden Hauptinteressenten aus dem Reich der Mitte San’an Optoelectronics und GSR Go Scale Capital, bestätigen mehrere von einander unabhängige Insider. „Chinesen bewerten das Risiko einer Absage neu“, erklärt den Sinneswandel einer von ihnen. Osram selbst schweigt.

Im Unternehmen selbst mit seinen 24 000 Beschäftigten ist allerdings ein Durchatmen spürbar. „Wir sind jetzt alle recht entspannt und das liegt nicht an Weihnachten“, beschreibt ein Beschäftigter an herausgehobener Position die Stimmung. Vor ein paar Wochen sei das noch ganz anders gewesen. Vor allem die durch politischen Druck aus den USA abgesagte Übernahme des heimischen Chipanlagenbauers Aixtron durch den chinesischen Investor Fujian Grand Chip Investment habe für einen Rückzieher auch bei Osram gesorgt, sagt ein Kenner der Branche.

Auf Aixtron-Anlagen lassen sich auch militärisch nutzbare Chips herstellen, hatten die USA kritisiert und ein Veto gegen den Firmenverkauf eingelegt. Auch die deutsche Politik in Person von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel hatte gegen den Aufkauf heimischer Hightech-Firmen durch China verstärkt Front gemacht. Dazu kam eine Abwehrhaltung der IG Metall und des Osram-Betriebsrats gegen eine Übernahme durch Chinesen.

Im Bundeswirtschaftsministerium geprüft wird derzeit zudem der Verkauf der Osram-Tochter Ledvance an ein chinesisches Konsortium. Der wäre im Gegensatz zur Übernahme von Osram selbst zwar sehr wohl im Interesse von Osram-Chef Olaf Berlien. Denn Ledvance ist nicht gerade Hightech sondern ein Dach für das Osram-Altgeschäft mit auslaufenden Technologien und auch ohne militärischen Bezug. Osram will Ledvance loswerden, um ohne Altlasten und eigenständig dem Technologiewandel in der Lichtbranche besser begegnen zu können. Die Prüfung des Ledvance-Verkaufs gilt deshalb mehr als Formalie denn als echte Hürde. Aber zugleich ist sie auch ein Signal nach dem Motto „bis hierher und nicht weiter“.

Diese neue Gemengelage habe chinesischen Interessenten klar gemacht, dass in Deutschland nicht mehr alles durchgewunken wird, heißt es in Industriekreisen. Noch im Sommer hatte der chinesische Midea-Konzern den Augsburger Roboterbauer Kuka übernommen und damals schon für politisches Missfallen gesorgt. Nun ist es wohl gelungen, chinesische Investoren zu verschrecken, was in der heimischen Wirtschaft nicht unbedingt als Erfolg gesehen wird. Chinesische Erwerber haben sich zuletzt bei Kaufpreisen spendabel gezeigt und auch großzügige Garantien für Stellen und Standorte gegeben.

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