Lichtkonzern

Osram will nun doch übernommen werden

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Betriebsrat und IG Metall sind jedoch strikt dagegen und ziehen vor Gericht.

Seit Monaten ist der taumelnde Lichtkonzern Osram Spielball potenzieller Käufer. „Wir müssen zu einem Ende kommen“, stellte Firmenchef Olaf Berlien am Dienstag zur Vorlage einer tiefroten Bilanz in München klar. Folglich begrüßen Vorstand und Aufsichtsrat nun eine erneute Übernahmeofferte des Sensorherstellers AMS. Ein erstes Angebot hatte Berlien noch abgelehnt. Nun sei aber nachverhandelt worden. „Wir haben fast eine Fusion unter Gleichen erreicht“, findet der Osram-Boss.

Das sehen speziell auf Arbeitnehmerseite nicht alle so. „Wir wenden uns genauso entschieden gegen die Übernahme durch AMS wie gegen dieses Kaputtsparen“, kritisiert Klaus Abel von der IG Metall. Hinter Letzterem verbirgt sich neuer Stellenabbau.

Allein in Deutschland wolle Osram 800 von noch 5600 Jobs also hierzulande nochmals jeden siebten Arbeitsplatz streichen, sagt die Gewerkschaft. Im Ausland stünden weitere der konzernweit noch gut 23 500 Stellen vor dem Aus. Doch Berlien widerspricht. Die Zahl von 800 Arbeitsplätzen stimme so nicht, sagt er ohne konkret zu werden. Erneut abbauen müsse Osram nicht wegen der geplanten Übernahme durch AMS sondern wegen der anhaltenden Schwäche von Abnehmern wie etwa der Kfz-Industrie und des gravierenden Technologiewandels in der Lichtbranche. In einer Vereinbarung mit AMS sei es gelungen, erweiterte Schutzrechte für heimische Stellen und Standorte zu fixieren. Bis Ende 2022 dürfe in Deutschland demnach fusionsbedingt kein einziger Job gestrichen werden.

Das wiederum bezweifelt die IG Metall und blickt dabei auf das Wort „fusionsbedingt“. Die Erklärungen von AMS zu Standorten und Arbeitsplätzen seien „nicht rechtssicher“, warnt die Gewerkschaft. Wenn man einen anderen Grund als die Fusion finde, könne zudem sehr wohl abgebaut werden.

Die Umsätze von Osram sind im Geschäftsjahr 2018/19 (zum 30. September) um gut 13 Prozent auf unter 3,5 Milliarden Euro gesunken. Nach Steuern haben die Münchner vor allem auch wegen hoher Abschreibungen auf Firmenwerte 343 Millionen Euro Verlust verbucht nach einem Gewinn von 188 Millionen Euro im Geschäftsjahr davor. In dieser Situation wirkt eine Übernahme durch AMS wie die letzte Hoffnung für Osram. Betriebsräte und IG Metall sehen auch das anders. Wenn AMS mit der bis 5. Dezember laufenden Übernahmeofferte zum Zuge kommt, bringe das eine immense Verschuldung mit sich, die in verfallenden Märkten wie Blei auf beiden Unternehmen liegen würde. Deshalb zieht auch der Osram-Betriebsrat alle Register. Vor dem Landgericht Frankfurt wurde Beschwerde eingelegt gegen den Beschluss der deutschen Finanzaufsicht Bafin, die Übernahmeofferte zu genehmigen.

Gut an den Vereinbarungen von Osram mit AMS finden Personal und IG Metall nur die Bestellung von Brigitte Ederer als Monitorin und damit eine Art Schiedsrichterin. Die Österreicherin kennt als ehemalige Siemens-Personalchefin die Verhältnisse in Deutschland und speziell bei Osram genau. Befriedend wirkt aber auch sie bislang nicht. Kommenden Montag ruft die IG Metall zu einem bundesweiten Aktionstag gegen Abbaupläne und Übernahme auf.

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