Osram-Vorstand Olaf Berlien will verstärkt sparen.
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Osram-Vorstand Olaf Berlien will verstärkt sparen.

Osram

Die Aktionäre zweifeln

  • Thomas Magenheim-Hörmann
    vonThomas Magenheim-Hörmann
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Bei der Hauptversammlung des 114-jährigen Traditionskonzerns Osram hagelt es Kritik an der Übernahme durch AMS. Die Furcht vor einer Zerschlagung geht um.

Schon die erste Aktionärin gibt die Richtung vor. „Die Chinesen haben wir abgewehrt, aber jetzt werden wir österreichisch“, sagt die Dame zur Hauptversammlung des 114-jährigen Traditionskonzerns Osram in München. Die jüngste Osram-Geschichte ist wahrlich turbulent. Eine Übernahme durch chinesische Interessenten konnte noch abgewehrt werden. Nach kontroverser Übernahmeschlacht hat aber nun der Sensorspezialist AMS aus Premstetten bei Graz 60 Prozent der Osram-Anteile übernommen und will mehr. Er strebt nach 75 Prozent und totaler Kontrolle. Die Osram-Altaktionäre aber treibt mehr als Wehmut. Nicht wenige zweifeln daran, ob AMS die Finanzierung hinbekommt.

„Geht da was schief, haben wir einen neuen Fall Continental/Schaeffler“, warnt eine kritische Aktionärin. Sie spielt auf die beiden Autozulieferer an, wo sich seinerzeit der Familienkonzern Schaeffler per Zukauf überhoben und in Pleitegefahr gebracht hatte. Beim Lichtkonzern Osram und AMS sind solche Befürchtungen, die von IG Metall und Betriebsräten geteilt werden, nicht abwegig. Mit AMS übernehme der kleinere Konzern mit 1,9 Milliarden Euro Jahresumsatz den mit 3,5 Milliarden Euro Erlös größeren und traditionsreicheren, räumt auch Osram-Chef Olaf Berlien ein.

Schon jetzt kostet das AMS eine Milliardensumme, die per soeben genehmigter Kapitalerhöhung finanziert wird. Um von 60 auf 75 Prozent aufzustocken, sind bei aktuellen Osram-Aktienkursen weitere rund 700 Millionen Euro nötig. Es könnte auch mehr kosten, weil sich Finanzinvestoren bei Osram eingekauft haben, um ihre Pakete möglichst wertsteigernd an AMS weiterzureichen. „Je teurer die Übernahme, desto größer der Spardruck“, bringt es ein Aktionär auf den Punkt.

So lange die AMS-Geschäfte wie im Vorjahr laufen, könnten sich die Österreicher zwar einiges leisten. Da aber kommt das Coronavirus ins Spiel. Wegen dem hat US-Konzern Apple soeben seine Jahresprognose kassiert - und der ist AMS-Großkunde. Rund zwei Drittel des Geschäfts machen die Österreicher mit ihm. Das schafft große Abhängigkeiten, vor denen auch schon die IG Metall gewarnt hatte, ohne die Mehrheitsübernahme von Osram durch AMS verhindern zu können. Die Finanzierung des Kaufs führe zu hoher Überschuldung, die nur ohne größere Probleme abgebaut werden kann, solange AMS-Gewinne sprudeln, warnt die IG Metall.

„Prognose grippegefährdet“

Auch Börsianer zweifeln nun an AMS. Nach der Umsatzwarnung von Apple haben die AMS-Kurse spontan um fünf Prozent nachgegeben. Seit Jahresanfang hat die Aktie rund ein Zehntel verloren. Osram betreibt zudem drei Werke in China und erwirtschaftet dort ein Fünftel des Umsatzes. Das Coronavirus birgt deshalb Risiken für die Firmenehe.

Falls AMS die Übernahme plötzlich nicht mehr stemmen kann, befürchten nun auch Aktionäre einen Ausverkauf und damit eine Zerschlagung von Osram, um Finanzlöcher zu stopfen. Das Osram-Digitalgeschäft mit über 900 Millionen Euro und damit einem Viertel des Konzernumsatzes hat AMS ohnehin schon in Zweifel gestellt. Auch für Teile des LED-Geschäfts gilt das. „Wir prüfen alles, es gibt keine Tabus“, hat AMS-Finanzchef Michael Wachsler-Markowitsch soeben betont.

„Die Prognose ist grippegefährdet“, meinte ein Osram-Aktionär in einem Anflug von Galgenhumor mit Blick auf die Pläne von AMS und Osram sowie das Coronavirus. Bemerkenswert ist, dass die Anleger nicht einmal über den Dividendenausfall bei Osram murren. „Wir brauchen jetzt jeden Cent im Unternehmen“, räumte eine Aktionärin ein. Andere trauern dem Verlust der Unabhängigkeit nach. Die IG Metall fürchten verschärften Jobabbau. Das Osram-Management hat nun einen verschärften Sparkurs angekündigt. Statt bisher geplanter 220 Millionen Euro sollen bis 2022 nun 300 Millionen Euro gespart werden. Dabei soll es zu „strukturellen Maßnahmen“ kommen, was man mit neuem Stellenabbau übersetzen darf.

Bei der Entlastung des Vorstands machte sich die Kritik der einzelnen Aktionäre nicht bemerkbar. Alle Mitglieder erhielten die Entlastung mit Werten von mehr als 98 Prozent. mit dpa

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