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Ordnung im Chaos

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Amazon-Lager: Künftig sollen Roboter die bestellten Produkte aus den Regalen holen.
Amazon-Lager: Künftig sollen Roboter die bestellten Produkte aus den Regalen holen. © rtr

Lagerarbeiter von Amazon müssen pro Tag sehr viele Kilometer Strecke zurücklegen. Damit sich das ändert, prüft das Unternehmen verschiedene Roboter.

Von Steffen Höhne

Im Amazon Versandzentrum in Leipzig geht es chaotisch zu. In den Hochregallagern liegen der Besen neben dem Fernseher, die Babyflasche neben dem Harry-Potter-Roman und der Rasierer neben dem iPad. Das Ganze hat aber System, denn der Lagerarbeiter – bei Amazon Picker (Pflücker) genannt – verwechselt selten die bestellten Produkte, die in seiner Box landen. Nur der Computer-Algorithmus weiß, wo die Millionen von Produkten liegen und leitet die Picker auf dem kürzesten Weg dahin. Dennoch legen die Lagerarbeiter pro Schicht mehr als zehn Kilometer Wegstrecke zurück.

Lagerarbeit Neuland für Roboter

Seit Jahren arbeitet der Online-Riese daran, die Prozesse weiter zu automatisieren und hat sich dafür auch einen eigenen Roboter-Hersteller zugelegt. Doch nicht nur das. Der US-Konzern versteht es auch geschickt, wissenschaftliche Ressourcen für sich zu nutzen. Im Rahmen des Robo-Cup, der am Wochenende auf der Leipziger Messe ausgetragen wurde, fand zum zweiten Mal auch die „Amazon Picking Challenge“ statt. Während in den einen Messehallen possierliche Fußball-Roboter gegeneinander antraten, lagerten in Halle 4 Roboter von 16 internationalen Hochschul-Teams Haushaltswaren in Regale ein und aus. Insgesamt 80 000 US-Dollar lobte Amazon aus. Da kamen auch die US-Forscher des Massachusetts Institute of Technology, kurz MIT, einer der führenden Eliteuniversitäten der Welt.

Während in vielen Industriebereichen Roboter aus der Produktion kaum mehr wegzudenken sind, steckt die Technologie in der Lagerhaltung „noch in den Kinderschuhen“, sagt Stephan Eichenseher von Amazon. Im Automobilbau müssen die Maschinen die immer gleichen Bewegungen verrichten, indem sie Teile bearbeiten und montieren. Bei Amazon müssen die Roboter dagegen erst einmal eine Vielzahl von Produkten erkennen, die in Form, Farbe und Gewicht höchst unterschiedlich sind.

„Wenn es einfach wäre, solche Roboter zu bauen, dann wären sie schon längst im Einsatz“, sagt Informatik-Professor Sven Behnke von der Universität Bonn. Er führt das einzige deutsche Team bei der Picking-Challenge an. Um das Klopapier aus der Box in das Regal zu legen, setzen die Bonner nicht auf einen Greifarm, sondern einen Saugmechanismus. Wie beim Staubsauger werden die Produkte angesogen. „Nur, wir müssen damit auch Hanteln von 1,5 Kilogramm heben“, sagt Informatik-Student Max Schwarz. Vollends Hightech ist die Erkennungssoftware der Uni Bonn. Mittels einer Kamera werden zunächst vier Bilder von jedem Gegenstand geschossen – zwei davon im Infrarot-Bereich. Diese geben Aufschluss über Farbe und Tiefe des Objektes. Ein Hochleistungsrechner gleicht diese mit Millionen von Produktbildern aus dem Internet ab. „Wir setzen auf ein System des maschinellen Lernens“, so Behnke. Das Prinzip: Der Roboter soll die neuen Produkte mit denen abgleichen, die er bereits kennt und so entscheiden, um was es sich handelt.

Beim Leipziger Wettbewerb haben die Automaten 15 Minuten Zeit, um 45 Waren einzulagern. Am Ende bleibt beim Bonner Team eine Zahnbürste in der Box liegen. „Die hat unser Roboter nicht erkannt, weil er zuvor schon bei einer Glühbirne einen Fehler gemacht hat“, sagt Schwarz.

Warum setzt Amazon auf die Hochschul-Teams, obwohl der Konzern einen eigenen Roboterbauer besitzt und an Hersteller wie Kuka Aufträge vergeben könnte? Nach Worten von Eichenseher verläuft die Entwicklung in der Robotik sehr schnell. „Wir sehen hier 16 unterschiedliche Ansätze, um ein Problem zu lösen“, so der Amazonsprecher. Die Studenten entwickeln mitunter einfache Lösungen für Aufgaben, an denen sich Spezialisten bisher die Zähne ausgebissen haben. Ihr Blick ist noch unvoreingenommen und nicht „vorprogrammiert“.

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