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Optimismus pur bei den Banken

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Von: Nina Luttmer

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Die Banken haben ordentliche Kapitalpuffer aufgebaut.
Die Banken haben ordentliche Kapitalpuffer aufgebaut. © Frank Rumpenhorst/dpa

Auf der „Euro Finance Week“ überwiegen die positiven Töne: Die Lage sei besser als die Stimmung.

Das hatte schon etwas von einer schönen Seelenmassage für das lauschende Publikum. Täglich kann man momentan hören und lesen, dass Deutschland in die Rezession schlittern wird, dem Land dauerhafte Wohlstandsverluste drohen und die hohe Inflation erst einmal anhalten wird. Und dann sitzen da fünf Top-Bankerinnen und -Banker auf dem Podium der „Euro Finance Week“, einer Veranstaltung der Finanzbranche in Frankfurt, und sind sich absolut einig bei dem Satz: „Die Lage ist besser als die Stimmung.“ Endlich einmal Optimismus, das tut durchaus gut.

Die Untergangspropheten hätten derzeit Hochkonjunktur, sagte Cornelius Riese, Co-Chef der DZ Bank: „Aber man sollte die Widerstandsfähigkeit des deutschen Mittelstandes nicht unterschätzen.“ Eine Meinung, die auch der Chef der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba), Thomas Groß, teilt. Er rechne schon mit einer, womöglich auch mittelschweren, Rezession, sagte er und einer steigenden Zahl von Unternehmensinsolvenzen. Aber er sehe keine dauerhafte Strukturkrise der deutschen Wirtschaft. „Die deutsche Industrie, insbesondere der Mittelstand, ist anpassungsfähig“, sagte er.

Insolvenzen gehören zum normalen Wirtschaftsleben, sagt Commerzbank-Vize-Chefin Orlopp

Bettina Orlopp, Vize-Chefin der Commerzbank, betonte auch, dass die Insolvenzzahlen in der Corona-Krise durch die staatlichen Stützungsprogramme „künstlich niedrig gehalten“ worden sei. Man müsse sich nun wieder daran gewöhnen, das Insolvenzen zum normalen Wirtschaftsleben dazugehören.

Helaba-Chef Groß hob dennoch als einen Grund für seinen wirtschaftlichen Optimismus die finanzielle Stärke des deutschen Staates hervor - was zuvor bereits der Chef der Förderbank KFW, Stefan Wintels, in einem Vortrag betont hatte. Deutschland sei eines der wenigen Länder, dass immense Stützungspakete für die Bürger:innen und die Wirtschaft stemmen könne - was andere Länder durchaus mit Neid erfülle, so Wintels.

Finanzfachleute erwarten, dass die Zahl der Kreditausfälle zunimmt

Anschließend waren sich auch alle Podiumsgäste einig in der Einschätzung, dass der deutsche Bankenmarkt insgesamt durch hohe Kapitalpuffer gut für die Krise gewappnet sei und die Unternehmen dadurch unterstützen könne. „In der Finanzkrise waren wir Teil des Problems. Jetzt sind wir Teil der Lösung, wie auch schon in der Corona-Krise“, sagte der Finanzchef von HSBC Deutschland, Andreas Kamp. Er sagte aber auch, dass es durchaus noch in die Kreditportfolios der Banken „hineinregnen“ werde - sprich: Dass die Kreditausfälle steigen werden.

Der Chef der Bankenaufsicht der Europäischen Zentralbank (EZB), Andrea Enria, betonte in einer späteren Diskussionsrunde auf der „Euro Finance Week“ zwar auch, dass momentan bei den Banken insgesamt alles „glänzend und gut“ aussehe. Er mahnte aber zur Vorsicht - und warnte die Kreditinstitute: Sie sollten nicht davon ausgehen, dass die Bankenaufsicht ihnen, wie in der Corona-Krise, regulatorisch erneut mit Erleichterungen entgegenkommen werde. Und sowieso sollten sie nicht mit staatlichen Hilfen rechnen.

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