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OPs während der Pandemie: Das Geschäft mit der Schönheit boomt

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Von: Nina Luttmer

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Eine straffere Stirn und vollere Lippen sind die Klassiker.
Eine straffere Stirn und vollere Lippen sind die Klassiker. © imago images/Shotshop

Die Pandemie hat viele Menschen motiviert, ihr Äußeres zu perfektionieren: Die Zahl der Eingriffe für die Schönheit hat kräftig zugelegt.

Au weia, sind meine Augen heute wieder klein - sind das Schlupflider? Und diese Zornesfalte auf meiner Stirn ist schlimmer denn je...“. Wer zuletzt viel Zeit in Videokonferenzen im Homeoffice verbracht hat, kennt wohl diese Momente: Andauernd sieht man sich selbst auf dem Bildschirm und das meist noch in ziemlich unvorteilhafter Beleuchtung. „Dinge, die einen früher nicht so sehr gestört haben, fallen plötzlich auf. Nicht das Schönheitsideal hat sich verändert, sondern der Blick auf sich selbst“, sagt Steffen Handstein, Präsident der Vereinigung der Deutschen Ästhetisch-Plastischen Chirurgen über die Corona-Zeit.

Die Fachgesellschaft von niedergelassenen Ärzt:innen und Klinikärzt:innen stellte am Freitag die Ergebnisse der jährlichen Befragung ihrer Mitglieder vor. 93 853 Eingriffe für die Schönheit haben sie 2021 vorgenommen, ein Plus von mehr als 15 Prozent zum Vorjahr und ein Rekordwert. Zum Teil sei das auf Nachholeffekte aus dem Vorjahr zurückzuführen, als wegen der Pandemie viele aufschiebbare Operationen - wozu eine Brustvergrößerung sicherlich gehört - nicht vorgenommen werden konnten. Aber auch im Vergleich zum Vor-Coronajahr 2019 lag das Plus noch bei 12,6 Prozent. „Wir sehen seit Jahren eine kontinuierliche Zunahme und rechnen auch weiterhin damit“, sagte Handstein.

Schönheitsoperationen sind begehrt, auch wegen der Pandemie

Mit 86,8 Prozent sind es weit überwiegend Frauen, die sich optisch verändern wollen. Der Anteil der Männer liegt seit einigen Jahren relativ stabil bei mehr als 13 Prozent. Besonders sogenannte minimalinvasive Gesichtsbehandlungen, etwa Faltenbehandlungen mit Botox oder Hyaluron, Oberlidstraffungen und Lippenkorrekturen liegen bei beiden Geschlechtern im Trend. Und tatsächlich nannten 23,2 Prozent der Patient:innen das Homeoffice als eine Motivation für den Eingriff, 11,8 Prozent Videokonferenzen und 13,2 Prozent das Maske tragen - weil der Blick dabei mehr auf die Augen- und Stirnpartie gerichtet ist.

Viele Patient:innen hätten schon lange den Wunsch, etwas zu verändern, sagte Sven von Saldern, Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie an der Klinik am Forsterpark in Augsburg. Die Pandemie habe dann den Ausschlag gegeben. „Bei all dem Frust der vergangenen Jahre gab es die Neigung, sich etwas Gutes zu tun. Viele Menschen sind nicht in den Urlaub gefahren, hatten Geld übrig und haben sich davon einen Eingriff gegönnt“, sagte er. Zudem sei die Hemmschwelle gesunken, da wegen des Homeoffices ein Eingriff nicht sofort von der Umgebung wahrgenommen werde.

Bei den ästhetisch-plastischen Eingriffen, die mit einer richtigen Operation verbunden sind, waren sowohl bei Männern als auch bei Frauen Fettabsaugungen am beliebtesten. Das Plus lag 2021 insgesamt bei 32,6 Prozent auf 6665 Operationen. „Die Patienten haben sich wegen der Pandemie weniger bewegt, es gab einen Trend zur Gewichtszunahme und dem Wunsch nach körperformenden Maßnahmen“, so Handstein. Wobei die Ärzte auf dem Podium sich am Freitag einig waren, dass Fettabsaugungen kein Weg zur schnellen Gewichtsreduktion darstellten, sondern nur in speziellen Fällen sinnvoll seien.

Sorgenvoll stimmt die Ärzte, dass immer mehr jüngere Patient:innen bei ihnen vorstellig werden. Die sozialen Medien spielten dabei eine entscheidende Rolle, so Uwe von Fritschen, Chefarzt an der Klinik für Plastische und Ästhetische Chirurgie am Helios Klinikum in Berlin-Zehlendorf. „Da kommen Patientinnen zu mir, die sagen, sie wollen, dass ihre Nase aus genau dem Winkel gut aussieht“, sagte Fritschen und hielt sich dabei ein fiktives Handy im Selfie-Modus vors Gesicht. Ein guter Facharzt müsse dann auch mal sagen: „Bei mir nicht. Einen guten Ruf macht aus, dass man auch mal jemanden wegschickt“, so Fritschen.

Die Mediziner riefen Patient:innen dazu auf, sich Ärzt:innen für einen Eingriff genau auszusuchen. „Ein Facharzt für plastische und ästhetische Chirurgie ist ein geschützter Fachtitel, dafür muss man eine Ausbildung von sechs Jahren machen“, so von Saldern. Schönheitschirurg:in dürfe sich dagegen jeder Arzt und jede Ärztin mit einer Approbation nennen, egal welcher Fachrichtung. Zudem dürften auch Kosmetiker:innen gewisse minimal-invasive Eingriffe vornehmen. „Aber es können massive Komplikationen auftreten. Das ist sehr heikel, wenn man nicht entsprechend ausgebildet ist“, warnte er.

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