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Dem potentiellen Opel-Investor Magna geht es bei weitem nicht so gut wie es aussieht.

Krise der Autozulieferer

Opels Hoffnungen ruhen auf Magna

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Mehrere Milliarden Euro will der Magna-Konzern angeblich für Opel ausgeben. Dabei ist die Krise auch an dem Autozulieferer nicht spurlos vorbeigezogen. In allen österreichischen Werken wird kurz gearbeitet. Von Norbert Mappes-Niediek

Woher nimmt ein Zulieferer mitten in der Krise das Geld, in eine angeschlagene Automarke zu investieren? Mehrere Milliarden Euro will der kanadisch-österreichische Magna-Konzern angeblich für Opel ausgeben. Laut Konzernchef Frank Stronach ist der Betrag zu mehr als drei Viertel durch Barreserven gedeckt. Was dem 76-jährigen Patriarchen bisher stets als persönliche Schrulle ausgelegt wurde, erweist sich in der Krise als weise Voraussicht: Zur Magna-Philosophie gehört Bildung von hohem Eigenkapital und extreme Zurückhaltung bei Krediten.

Der Hintergrund von Stronachs Bankenallergie ist die Erfahrung der Magna-Krise des Jahres 1990: Damals fuhr der Konzern zum ersten Mal Verlust ein. Die Gläubiger, an der Spitze die Bank of Nova Scotia, waren sich einig, dass Stronach verschwinden und ein Sanierungsexperte an seine Stelle treten sollte. Zwei Retter traten auf den Plan: kanadische Politiker, die bei den Banken für Stronach intervenierten, und die US-Autokonzerne Ford und Chrysler. Sie gründeten Joint-Venture-Unternehmen und halfen ihrem liebsten Zulieferer so aus der Patsche.

Weniger zurückhaltend als bei Krediten ist Stronach bei Beteiligungen - vorausgesetzt, sein Gespür und seine Menschenkenntnis raten ihm dazu. Die Großaktionäre von Magna sind vorwiegend riesige US-Fonds, die strategisch keine Interessen haben. Stronach kontrolliert seinen Konzern seit jeher mit einem kleinen Anteil an Vorzugaktien mit Stimmrecht.

Auch an Magna ist die Wirtschaftskrise mit ihren starken Einbrüchen beim Auto-Absatz nicht spurlos vorübergegangen: Aufträge brachen weg, der Umsatz sank um fast die Hälfte. 2008 machte Magna nur noch 71 Millionen Dollar Gewinn - kaum mehr als Zehntel des Vorjahresergebnisses.

Ausgerechnet zu Beginn der Opel-Verhandlungen verlangt das Magna-Management von den Mitarbeitern seiner Parade-Fabrik in Graz je nach Gehaltsniveau zwischen fünf und 20 Prozent Lohnverzicht. In den österreichischen Werken wird ohnehin kurzgearbeitet. "Da fragen wir uns natürlich, wie das zusammenpasst", sagt Betriebsrat Peter Scherz. Grundsätzlich gegen den Opel-Einstieg wollen die Arbeitnehmervertreter aber nicht auftreten.

Verglichen mit den Autoherstellern ist Magna in einer guten Position: Der Konzern hat, anders als die stolzen, aber verletzlichen "Original Equipment Manufacturers" (OEMs), kein Markenimage und kann die Produktion jederzeit gefahrlos auf die neuerdings so gefragten Kleinwagen umstellen. Statt des bulligen Chrysler Voyager werden in Graz demnächst Austin Mini produziert.

In Europa profitierte Magna zuletzt vom Insolvenz-Verfahren gegen den Konkurrenten Karmann. Von allen Zulieferern hat Magna, weltweit die Nummer drei in der Branche, die breiteste Produktpalette. Bosch, die Nummer eins, hängt dagegen ganz an der Auto-Elektronik.

Erhebliche Risiken bleiben: Gegenüber General Motors und Chrysler hat Magna nach Stronachs Angaben 1,5 Milliarden Dollar Außenstände. Mit den Amerikanern macht Magna die Hälfte des Umsatzes. Rutschen die US-Autoriesen in die Insolvenz, drohen sie den Zulieferer mitzureißen.

Alle Hoffnung ruht auf dem Gläubigerschutz durch US-Präsident Barack Obama. Aber auch in Europa lauern Gefahren: 80 bis 100 Magna-Zulieferern droht die Pleite. Die Chancen liegen auf dem russischen und auf dem chinesischen Markt, auf den alle einstweilen noch glücklos schielen.

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