Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Nach der Produktion warten hier Opel-Fahrzeuge der Typen Adam und Corsa auf ihre Auslieferung.
+
Nach der Produktion warten hier Opel-Fahrzeuge der Typen Adam und Corsa auf ihre Auslieferung.

Opel

Opel schreibt weiter rote Zahlen

  • Frank-Thomas Wenzel
    VonFrank-Thomas Wenzel
    schließen

Beim Umbau des Autobauers Opel wird es in den nächsten zwei Jahren heftig zur Sache gehen. Opel-Chef Michael Lohscheller mahnt eine schnelle Kurskorrektur an.

PSA-Chef Carlos Tavares bleibt sich treu. Konkretes zum Stand der Opel-Sanierung gab es von dem Topmanager auch bei der Präsentation der Jahreszahlen seines Konzerns nicht zu hören. Dafür aber gab es reichlich Andeutungen, die vor allem eins zeigen: Beim Umbau der deutschen Tochter wird es in den nächsten zwei Jahren heftig zur Sache gehen.

PSA hat das Rüsselsheimer Unternehmen und seine britische Schwester Vauxhall im August 2017 übernommen. In den fünf Monaten bis zum Jahresende sei bei der betrieblichen Tätigkeit ein Verlust von 179 Millionen Euro vor „Sondereinflüssen“ entstanden – damit sind einmalige, außergewöhnliche Effekte gemeint. Details, wie diese Zahl zustande kam, wurden bei der Bilanzpressekonferenz am Donnerstag nicht genannt. Deshalb hat sie eine stark eingeschränkte Aussagekraft.

Es gab für Opel auch keine auf das gesamte Jahr bezogenen Kennziffern. Eine solche Angabe wäre irreführend, sagte PSA-Finanzvorstand Jean-Bapiste de Chatillon dem „Handelsblatt“. Analysten hatten damit gerechnet, dass ein deutlich höherer Verlust genannt wird. Zuvor war von einem möglichen Fehlbetrag für die zwölf Monate von mehr als einer Milliarde Euro die Rede.

2020 soll Opel satt im Plus sein

Die kommunizierten 179 Millionen Miese sind vor allem als Signal zu verstehen, dass es mit der Sanierung des Autobauers vorangeht. Und de Chatillon bekräftigte das Ergebnisziel für 2020. Dann soll Opel wieder einen Gewinn in einer dreistelligen Millionen-Euro-Summe abliefern. Experten haben hochgerechnet, dass dafür die Kosten um mehr als eine Milliarde Euro gedrückt werden müssten.

Die Vorgaben von Tavares sind höchst anspruchsvoll: Sein Konzern müsse der effizienteste Autobauer weltweit werden, sagt er am Donnerstag. Das muss auch als Ermahnung an die Manager und die Arbeitnehmervertreter der deutschen Tochter gewertet werden.

Opel-Chef Michael Lohscheller betonte denn auch, dass es trotz des geringer als erwartet ausgefallenen Verlustes „so nicht weitergehen kann“. Der Status quo sei keine Option. Opel müsse sich verändern. Und das soll angesichts der ambitionierten Gewinnziele in Höchstgeschwindigkeit geschehen. Das Management versucht es hierzulande mit Altersteilzeit und Vorruhestand, doch die Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern stocken.

Dies ist nach Angaben von Insidern auch der Grund dafür, dass Arbeitsdirektor und Personalchef Ulrich Schumacher kurzfristig per Ende Februar das Unternehmen verlassen hat. Derweil lobte de Chatillon die Einigung im größten Opelwerk, das sich im spanischen Saragossa befindet. Dort akzeptieren die Beschäftigten für fünf Jahre nur geringe Gehaltszuschläge und sind zu flexibleren Arbeitszeiten bereit. Als Gegenleistung wird der neue Corsa komplett dort gefertigt. Bislang wurde der Wagen auch im Eisenacher Werk montiert.

Chatillons Hinweis ist ein Wink mit dem Zaunpfahl, dass sich Lohscheller die Vereinbarung von Saragossa zum Vorbild nehmen soll. Doch da wollen die hiesigen Arbeitnehmervertreter nicht mitmachen. Betriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug pocht auf die Einhaltung bestehender Tarifverträge. Dort ist auch festgehalten, dass die Produktion in den drei Werken in Rüsselsheim, Eisenach und Kaiserlautern bis Ende 2020 fortgeführt werden muss. So lange soll auch das Rüsselsheimer Entwicklungszentrum mit seinen 7000 Ingenieuren als Ganzes erhalten bleiben.

Derzeit wird dort allerdings schon kurzgearbeitet. Betriebsbedingte Kündigungen sind für die rund 18 000 Beschäftigten hierzulande bis Ende dieses Jahres tabu. Tavares betonte am Donnerstag, dass es danach, ab 2019, neue Zielvorgaben geben werde. Details blieb er schuldig. Es stellt sich allerdings die Frage, ob er damit Entlassungen meint. Stattdessen betonte der Konzernchef, dass das Unternehmen die besten Manager mit einem „leistungsorientierten Ansatz“ brauche. Man müsse verantwortungsvoll vorgehen, komme nur mit Leistung voran. Dissens schade. Auch das könnte an die Adresse von Lohscheller gerichtet sein. Experten vermuten ohnehin, dass er um seinen Posten bangen muss, wenn er nicht bald Ergebnisse bei den Verhandlungen mit dem Betriebsrat liefern kann.

Vieles deutet darauf hin, dass der Konflikt bei Opel in den nächsten Monaten eskalieren könnte. Die IG Metall und der Betriebsrat dürften sich unnachgiebig zeigen, zumal der Gesamtkonzern PSA so gut wie lange nicht dasteht. Auch durch die Übernahme von Opel sind Absatz und Umsatz deutlich geklettert. Und trotz des deutsch-britischen Sorgenkinds stieg unter dem Strich der Gewinn um rund elf Prozent auf 1,93 Milliarden Euro.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare