Marktanteile

Opel rollt aus

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Die Rüsselsheimer sind in der Euro-Liga der Autobauer auf Platz zehn abgerutscht.

„Ein Opel, grüner Mokka, elektrisch, so eine geile Karre“, sagt Fußballtrainer Jürgen Klopp über das neue Kompakt-SUV, das im Herbst auch in einer vollelektrischen Variante auf den Markt kommen soll. Der Wagen ist ein Hoffnungsträger. Er soll neue Erfolge bei den Käufern bringen. Das wird auch dringend nötig sein. Denn: „Die schön erzählte Erfolgsgeschichte des Autobauers hat einen kräftigen Riss erhalten“, sagte Autoprofessor Ferdinand Dudenhöffer dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Er schätzt, dass das Unternehmen im Marketing und im Vertrieb – trotz Klopp als Werbeträger - vor weiteren Sparrunden steht. Denn die Marktanteile der Rüsselsheimer sind massiv eingebrochen.

Laut einer Studie von Dudenhöffer, die dem RND exklusiv vorliegt, ist der Marktanteil von Opel und der britischen Schwestermarke Vauxhall in Europa (EU plus EFTA-Länder) im ersten Quartal auf nur noch 4,4 Prozent geschrumpft. 1995 waren es noch 12,5 Prozent gewesen. Danach ging es mehr oder weniger kontinuierlich bergab. Voriges Jahr kam die Marke auf 5,2 Prozent. Dudenhöffer spricht nun von einem „nicht vorstellbaren Einbruch der Neuzulassungen um 44 Prozent auf gerade noch 134.330 Autos“ in den Monaten von Januar bis März. In der Vorjahreszeit wurden noch knapp 240.000 Fahrzeuge neu zugelassen. Die Top-15-Automarken in Europa mussten im ersten Quartal allesamt vornehmlich wegen Corona Einbußen hinnehmen. Doch bei keiner fielen die Rückgänge derart massiv aus. Opel ist in der Euro-Liga der Autobauer auf Platz zehn abgerutscht. „Das gab es noch nie“, betont Dudenhöffer. Er prognostiziert, dass die Rüsselsheimer und ihre britischen Kollegen in diesem Jahr erstmals weniger als 600.000 Neuwagen verkaufen. Die Marke werde immer unsichtbarer.

Dabei hatte Opel zuletzt Erfolgsmeldungen produziert. Im gesamten vorigen Jahr ging der Absatz zwar auch zurück, und zwar um knapp sechs Prozent auf 977.000 Einheiten. Zugleich wurde aber ein Gewinn aus der betrieblichen Tätigkeit von 1,1 Milliarden Euro erwirtschaftet. So profitabel war das Unternehmen schon lange nicht mehr. Die Marge (Gewinn im Verhältnis zum Umsatz) klettere auf 8,5 Prozent – was dem Management viel Lob einbrachte. Möglich war all dies, weil das Unternehmen ein heftiges Spar- und Kostensenkungsprogramm durchmacht. Carlos Tavares, Chef der französischen PSA-Gruppe, hat es nach der Übernahme von Opel im Sommer 2017 durchgesetzt. Fast ein Viertel der Stellen wurde abgebaut. Das Kappen von weiteren Arbeitsplätzen ist geplant. Dafür gibt es für den Rest der Mannschaft Jobgarantien.

Für Dudenhöffer haben die Marktanteilsverluste viel mit der Strategie der Mutter PSA zu tun: Bald würden alle Fahrzeuge des Konzerns auf gleichen Plattformen, mit gleicher Technik, aber unterschiedlichem Design gefertigt. Allerdings würden die Opel-Modelle meist höher als ihre Geschwister mit den Markenzeichen von Peugeot und Citroen höher eingepreist. Dudenhöffer fragt sich: Bleiben die Kunden der Marke Opel treu? Die deutsche Traditionsmarke verschwimme immer stärker mit den Autos aus französischer Herkunft. Die aktuellen Zahlen zeigten jedenfalls, „dass Opel die Kunden weglaufen“. Der Autoexperte prognostiziert, dass es mit dem Niedergang der Marktanteile weitergehen wird. Weniger Kunden bedeuteten aber höhere Vertriebskosten pro Fahrzeug, was neue Sparprogramme unumgänglich mache.

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