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Ölfässer auf Halde: Das Überangebot des weltweit wichtigsten Rohstoffs bringt die Opec unter Zugzwang.
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Ölfässer auf Halde: Das Überangebot des weltweit wichtigsten Rohstoffs bringt die Opec unter Zugzwang.

Ölkartell

Opec stemmt sich gegen fallenden Ölpreis

  • Frank-Thomas Wenzel
    VonFrank-Thomas Wenzel
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Das Kartell will künftig weniger Öl fördern und den Preis so in die Höhe treiben. Die Details der Vereinbarung sind bislang noch unbekannt.

Es war eine faustdicke Überraschung, aber nur mit begrenzter Wirkung. Das Kartell der erdölexportierenden Länder hatte sich am Mittwochabend überraschend auf eine Begrenzung der Förderung geeinigt. Das war das erste Mal in acht Jahren, dass die Opec sich zu einer Kürzung durchringen konnte. Augenblicklich schossen die Notierungen an den Rohstoffbörsen in die Höhe.

Doch am Donnerstag ging es nicht weiter bergauf. Mit knapp 48,50 Dollar pro Fass (159 Liter) für Nordseeöl der Sorte Brent stagnierte der Preis. Ähnlich sah es bei der US-Referenzsorte WTI aus, die für gut 47 Dollar zu haben war. Damit bleibt der Rohölpreis in dem Korridor zwischen 40 und 50 Euro, in dem er sich seit einem halben Jahr bewegt.

Die Reaktion der Märkte am Donnerstag ist ein weiteres Indiz, dass die über Jahrzehnte eingeübten Mechanismen im Ölgeschäft nicht mehr funktionieren. Früher war es so, dass eine angekündigte Förderkürzung der Opec in verlässlich steigende Notierungen mündete. Warum passiert das heute nicht mehr? Weil das Kartell längst die Kontrolle über die Preise verloren hat.

Iran darf den Hahn öffnen

Die Öl- und Energieminister haben gleichwohl beschlossen, dass sie täglich nur noch 32,5 Millionen bis 33 Millionen Fass aus dem Erdreich in ihren Ländern pumpen wollen, um das Öl dann in Pipelines oder mit Schiffen in alle Welt zu bringen. Bislang wurden jeden Tag bis zu 750 000 Fass mehr auf den Markt gebracht. Doch zahlreiche Analysten wie Michael McCarthy fragen sich, ob die Mitglieder des Clubs aus 14 Staaten sich auch tatsächlich an die Abmachung halten. Schon in der Vergangenheit hatte es häufig an Disziplin gemangelt, und Förder-Obergrenzen erwiesen sich schnell als Makulatur. Und nun bemängelten Investoren und Händler, dass unklar sei, welcher Staat Förderung kürzen werde.

Dass es überhaupt zu einem einstimmigen Beschluss kommen konnte, war indes nur möglich, weil die anderen Opec-Staaten dem Iran zugestanden haben, dass er seine Exporte von 3,6 auf etwa vier Millionen Fass pro Tag steigern darf. Und wer steckt zurück? Darüber soll erst beim nächsten turnusmäßigen Treffen der Kartellmitglieder Ende November entschieden werden. Erst dann sollen die Fördermengen für einzelne Staaten festgelegt werden. Dieses Vertagen lässt sich auch als Test lesen, wie die Märkte auf den Beschluss der Förderbeschränkung reagieren.

Dabei wird das Geschehen in den USA eine maßgebliche Rolle spielen. Dort wurde das Überangebot am weltweit immer noch wichtigsten Rohstoff ursprünglich erzeugt. In den Vereinigten Staaten wurde das Pumpen von sogenanntem Schieferöl in den vergangenen Jahren technologisch immer weiter entwickelt und entsprechend ausgebaut – mit erheblichen Beeinträchtigungen für die Umwelt, denn der zähflüssige Rohstoff wird beim sogenannte Fracking mit Hilfe von hohem Druck und unter dem Einsatz von Chemikalien aus dem Gestein herausgepresst.

Staatsfinanzen unter Druck

Das zusätzliche Angebot hat die Preise von einst mehr als 100 Dollar auf weniger als 30 Dollar Anfang des Jahres gedrückt. Danach gab es einen deutlichen Sprung nach oben, auch weil zahlreiche Fracking-Bohrlöcher in den USA außer Betrieb genommen wurden – das Pumpen lohnte sich vielfach nicht mehr, als das Fass Rohöl für nur noch gut 40 Dollar auf dem Weltmarkt verkauft wurde.

Aber es zeigte sich schnell, dass bei etwa 50 Dollar eine Obergrenze erreicht wurde. Das hat nach Ansicht von Experten mit einer Art automatischer Preisebremse zu tun: Wird eine gewisse Preisschwelle erreicht, wird ins Fracking in den USA oder auch in Australien wieder investiert, weil die Ölfirmen mit dem Schieferöl wieder Geld verdienen können. Das erhöht das Angebot und bremst damit den Preisanstieg. Gut möglich, dass dieser Mechanismus nun wieder zum Tragen kommt. Davon hängt auch ab, ob die Opec-Staaten sich Ende November exakte Fördermengen zuschreiben.

Für die meisten Ölstaaten wäre das eine Katastrophe. Russland – nicht Mitglied der Opec – benötigt etwa langfristig einen Preis von 100 Dollar um die Staatsausgaben zu decken. Nach Berechnungen des Internationalen Währungsfonds liegt für Saudi-Arabien der Mindestwert bei 67 Dollar. Durch die massiven Preisabschläge sind die Staatsfinanzen in dem extrem reichen in eine schwere Schieflage geraten.

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